ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:02 Uhr

Alarm in Frauwalde
Feuerwehr und Retter im Einsatz für blauen Dunst

Großer Auflauf der Retter für nichts: Feuerwehren aus Ortrand, Großkmehlen und Senftenberg sind mit sieben Fahrzeugen nach Frauwalde gekommen.
Großer Auflauf der Retter für nichts: Feuerwehren aus Ortrand, Großkmehlen und Senftenberg sind mit sieben Fahrzeugen nach Frauwalde gekommen. FOTO: Mirko Sattler
Frauwalde. Die Lausitzer Löschkräfte arbeiten in dieser Hitzeperiode an der Grenze der Belastbarkeit – auch unnötig. Von Kathleen Weser und Mirko Sattler

Kräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes rücken dieser Hitzetage immer wieder auch zu angeblich brandgefährlichen Einsätzen aus. Sie gehen vom Ernstfall aus und landen dann auch öfter als unfreiwillige Vermittler im Nachbarschaftskrieg.

Unfrieden unter Hausbewohnern soll am Donnerstagabend in Frauwalde der Grund für Alarm bei Polizei, Feuerwehr und Lebensrettern gewesen sein. Einer Mieterin in betagtem Alter war im Flur ein nicht definierbarer Geruch in die Nase gestiegen. Die Frau, offenbar verängstigt wegen eines vermutlichen Angriffes auf ihre Gesundheit,  klagte über Reizungen der Augen und der Atemwege. Wegen des Verdachts auf giftige Dämpfe, vermutlich von Benzol, ist auch der Messtechnik-Gerätewagen der Freiwilligen Feuerwehr Senftenberg nach Frauwalde beordert worden. Doch keine der Messungen vor Ort hat ein Ergebnis dokumentieren können. Das bestätigt Sven Wielk, der Einsatzleiter der Feuerwehr des Amtes Ortrand.

Letztlich wird angenommen: Eine medizinische Einreibung könnte für den Geruch verantwortlich gewesen sein. Ein Mann, der die untere Etage bewohnt, und die Frau wurden nicht mit ins Krankenhaus mitgenommen. Die Retter und die Feuerwehr rückten nach etwa zwei Stunden wieder  ab.

Unklare Einsätze wie dieser sind nicht selten. Die Leitstelle Lausitz, die alle Feuerwehreinsätze in Südbrandenburg koordiniert, bestätigt: Nachbarn reden nicht mehr unbedingt miteinander. Probleme bleiben ungeklärt, Konflikte schwelen weiter. Und wenn der weniger angenehme Mitmensch den Grill dann richtig anheizt und die eigene Wäsche im Garten unter dem Qualm leidet, werden auch sehr schnell per Telefon eine starke Rauchentwicklung und der Verdacht eines Brandes auf dem Nachbargrundstück gemeldet. Und dann rücken die Einsatzkräfte auch unverzüglich aus. Ein vorsätzlicher Missbrauch sei den Bürgern, die die Ordnungshüter so rufen, nicht zwingend zu unterstellen. Im Gegenteil: Die Schilderungen der gefährlichen Lagen seien sehr glaubhaft. Die Situation kann nur vor Ort geklärt werden. Dafür ist die ganze Flotte von Feuerwehrfahrzeugen und Löschkräften, die vor allem am Tage auch ihren Arbeitsplatz verlassen müssen, dann in Gang gesetzt worden – oft  auch unnötig. Aber jeder Notruf ist ernst zu nehmen.

Vor allem Waldbrände fordern die Kameraden in dieser ausgesprochen langen Hitzeperiode sehr stark. Das bestätigt Tobias Pelzer, der Kreisbrandmeister des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. „Die Feuerwehren sind einsatzfähig, arbeiten aber wirklich schon an der absoluten Grenze der Belastbarkeit“, sagt er. Am Tage komme erschwerend hinzu: Ehrenamtliche Feuerwehrleute befürchten Konsequenzen im Job, wenn sie sich während der Arbeitszeit zum Löscheinsatz abmelden. Im gesetzlichen Auftrag sind die Kameraden zwar freizustellen. Aber aushalten müssen sie den Druck der Vorgesetzten und Kollegen selbst, wenn sie zum Feuerwehreinsatz verschwinden und der Job leidet.

Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis waren die Kräfte zuletzt beim Großfeuer im illegal aufgetürmten Altreifenlager am Stadtrand von Senftenberg knapp geworden. Nach dem ersten Tag im Löscheinsatz hat der Kreisbrandmeister deshalb Hilfe aus Spree-Neiße und Elbe-Elster angefordert. „Hier sieht es aber auch nicht besser aus“, betont Pelzer. Löscheinsätze sind derzeit vor allem im Wald erforderlich. Deshalb richtet  der Brandschutz-Experte einen eindringlichen Appell an die Lausitzer: „Das absolute Rauchverbot im Wald und an den Straßenrändern muss bitte beachtet werden“, sagt er. Und sei die Hochzeit auch noch so gut bis zur letzten Sekunde durchgeplant, „auf das Feuerwerk bitte verzichten“.

Zudem ist es immer hilfreich abzuwägen, ob mit dem Nachbarn im hitzigen Konfliktfall nicht doch lieber freundlich Klartext geredet werden kann – damit weißer Rauch aufsteigt, ohne die Feuerwehr unnötig auf den Plan zu rufen.