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Fahrschulchefin gibt gern Vollgas

In der Großräschener Fahrschule Eschner sitzt die Chefin Simone Eschner selbst am Steuer. Fahrschulchefinnen sind rar im Land. Im Kammerbezirk Cottbus der Industrie- und Handelskammer sind von 80 Fahrschulen nur unter zehn Prozent in Frauenhand.
In der Großräschener Fahrschule Eschner sitzt die Chefin Simone Eschner selbst am Steuer. Fahrschulchefinnen sind rar im Land. Im Kammerbezirk Cottbus der Industrie- und Handelskammer sind von 80 Fahrschulen nur unter zehn Prozent in Frauenhand. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Frauen können mindestens genauso gut einparken wie Männer. Das sagt eine, die es definitiv wissen muss. Fahrschulchefin Simone Eschner unterrichtet alles: vom Mofa übers Auto bis hin zu Bus, Lastwagen und Traktor. Andrea Budich

Eine Frau als Fahrlehrerin, das ist inzwischen nichts Besonderes mehr. Dass eine Frau jedoch vom Mofa bis zu 40-Tonner, Bus und schwerem Trekker komplett alle Fahrklassen unterrichtet, schon. "Ich bin da wohl ein Sondermodell", lacht Simone Eschner alle Klischees charmant weg. In der Männerwelt als Chefin unterwegs zu sein, damit steht die 49-Jährige weit und breit ziemlich allein da. Die nächste Fahrschulchefin hat in Cottbus ihr Büro. Im ganzen Kammerbezirk Cottbus der Industrie- und Handelskammer gibt es nur eine gute Handvoll Fahrschulchefinnen.

Simone Eschler ist eine davon. Und was für eine. Wenn sie etwas durchzieht, dann richtig, wie sie sagt. Dabei sah es am Anfang ganz danach aus, dass sie schnell hinschmeißen würde. Damals, als frisch ausgebildete Brummi-Fahrschullehrerin mit erst einem Jahr praktischer Erfahrung, hat sie ein Rangiermanöver ihres Fahrschülers mit einem 40-Tonner an der Tankstelle beinahe aus dem Verkehr geworfen. Als sie vor der demolierten Zapfsäule stand, war für sie der Punkt erreicht, darüber nachzudenken, ob Frauen nicht doch zu blöd sind für diesen Job. Aber damals waren es ausgerechnet ihre männlichen Berufskollegen, die ihr Mut machten. "Geprägt hat das trotzdem", sagt sie. Und schiebt hinterher: "Frauen müssen in dem Job einfach besser sein, um zu bestehen." Zu ihrem Traumjob ist die Geologieingenieurin erst im zweiten Anlauf gekommen. 1988 mit dem Studium fertig, ein Jahr später die Tochter, dann die Wende. Im Tagebau Greifenhain, wo sie Bohrungen eingemessen hat, rechnete sie sich keine Zukunft aus. "Es gab nur zwei Sachen, die mich wirklich interessiert haben", erinnert sie sich. Sozialarbeiterin ist eine davon. Aber dafür hätte sie ein zweites Studium aufnehmen müssen. Da lockten die Inserate in der RUNDSCHAU zur Fahrschullehrer-Suche mehr.

Das Technische hat sie schon immer interessiert. Schon als Dreikäsehoch spielt sie lieber mit Autos als mit Puppen. "Das wär' was für dich", bestärkt sie damals auch ihr Mann Jürgen. Dass sie mitten drinsteckt in einer Männerdomäne, wird der damals 26-Jährigen spätestens klar, als sie bei der Busprüfung eine von zwei Frauen ist. Bei den 40-Tonnern ist Simone Eschner sogar die einzige Frau. Und so war es dann auch nicht mehr überraschend, dass sie die erste Frau im Land Brandenburg war, die nach der Wende ihre Lkw-Fahrlehrererlaubnis in der Tasche hatte. Das ist lange her. Inzwischen führt sie ihre eigene Fahrschule seit 20 Jahren durch Höhen und Tiefen. Etwa 3000 Fahrschüler haben bei ihr gelernt, sicher hinterm Steuer zu sitzen und bloß nicht den Schulterblick zu vergessen. Vor allem Frauen kommen gern zu ihr, weil sie die gefühlvolle Lenkerin schätzen.

Für ihre Arbeit als Fahrschullehrerin bringt sie eine Grundvoraussetzung mit, die sie selbst so beschreibt: "Ich bin arschruhig, wenn andere das große Nervenflattern bekommen." Ihr eigener Fahrstil? Dynamisch, ja, aber kein dichter Abstandsfahrer. Auf zwei Blitzerfotos hat sie es bisher in ihrer Fahrlehrer-Karriere gebracht. Hinzu kommen zwei Fahrten, die samt Fahrschüler im Straßengraben endeten.

Was ihre Schüler immer mal wieder von ihr wissen wollen: Würgt eine so erfahrene Lehrerin auch manchmal den Motor ab? "Aber klar doch", kann Simone Eschner über sich selbst lachen. "Dann starte ich neu und fahre weiter. Wo ist das Problem?", fragt sie in der tiefen Überzeugung, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen.