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Extremsportler fährt auf Lausitzring an der Grenze

Die letzten Stunden sind für Lars Hoffmann eine Qual, auch wenn er von Familienangehörigen begleitet wird.
Die letzten Stunden sind für Lars Hoffmann eine Qual, auch wenn er von Familienangehörigen begleitet wird. FOTO: Listing
Klettwitz. Der Handbiker Lars Hoffmann hat in Klettwitz sein hochgestecktes Ziel verfehlt – die Leistung bleibt trotzdem weltmeisterlich. Jan Augustin

700 Kilometer in 24 Stunden: Diesen Weltrekord wollte Handbiker Lars Hoffmann am vergangenen Wochenende auf dem Lausitzring in Klettwitz aufstellen und sich danach ins Guinessbuch der Rekorde eintragen lassen. Doch der 48-Jährige hat mit seinem federleichten Sportrollstuhl aus Carbon das hoch gesetzte Ziel nicht erreicht. "Leider nein", teilt er erschöpft mit. "Die ersten 100 Runden liefen perfekt und waren nach 10,5 Stunden erledigt", erklärt er. 325,1 Kilometer hat Lars Hoffmann zu diesem Zeitpunkt bereits heruntergekurbelt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei optimalen 32 Kilometern pro Stunde. "Dann haben wir eine Pause gemacht. Und danach bin ich sehr schwer wieder reingekommen", sagt der Europameister und deutsche Vizemeister mit dem Handbike.

Der Körper hat nicht mehr mitgespielt und sich auf seine Weise gewehrt. In der Nacht zu Sonnabend muss sich Lars Hoffmann mehrfach übergeben. Nahrung kann er nicht mehr aufnehmen. "Bin dann rund acht Stunden wirklich nur von der Substanz in meinem Körper gefahren", erläutert der Meißener, der diesen verrückten Weltrekordversuch bereits vor vier Jahren auf dem Lausitzring ins Visier nahm. Auch damals lief es anfangs super, bis ihm schmerzende Magenkrämpfe zur Aufgabe zwangen.

Lars Hoffmann ist seit 14 Jahren querschnittsgelähmt. Der gelernte Kfz-Meister war mit seinem Motorrad auf dem Weg nach Hause gestürzt - trotz niedriger Geschwindigkeit. Wie es zu dem Unfall gekommen war, weiß er bis heute nicht. Auch ein Gutachten kam zu keinem schlüssigen Ergebnis. Der Sport aber hilft ihm physisch und psychisch. Schon 2005 nahm er in Dresden den ersten Halbmarathon unter die Räder. "Als ich wieder klar denken konnte, habe ich damit angefangen. Der Sport gibt mir viel zurück", sagt er. Mit der guten Physis sei einerseits der Alltag leichter zu packen, andererseits helfe der Sport auch emotional.

Nach den ersten sportlichen Versuchen versucht er sich im Sommer 2012 an einer 1000 Kilometer langen Fahrt von Hamburg über Berlin nach München. Bei Kilometer 700 war aber Schluss. "Es war einer der heißesten Tage", erinnert sich Lars Hoffmann. 2015 wird er in seiner Klasse Europameister in einer Handbike-Serie, ein Jahr später deutscher Vizemeister im Zeitfahren.

Am vergangenen Samstag schafft er mit letzter Kraft immerhin 172 Runden, was einer Distanz von 572 Kilometern entspricht. 96 000 Mal hat er die Kurbel seines Handbikes gedreht. Trotz erster Enttäuschung nimmt Lars Hoffmann viel Positives aus der Aktion mit nach Hause. "Es war eine Grenzerfahrung besonderer Art", sagt er erleichtert.