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Gefährdete Papageienarten
Exotisches Pfeifen am Stadtrand

Auch wenn dieser Graupapagei nicht Menschenscheu ist: Züchter Detlef Richter bringt seinen Tieren keine Kunststücke bei.
Auch wenn dieser Graupapagei nicht Menschenscheu ist: Züchter Detlef Richter bringt seinen Tieren keine Kunststücke bei. FOTO: Anja Brautschek
Großräschen. Schon mit dem ersten Schritt auf das Grundstück von Detlef Richter wird der Besucher mit einem fröhlichen Pfeifen und lautem Gezwitscher begrüßt. Vögel in schillernden Farben beobachten jeden Gast genau. Anja Brautschek

Denn Detlef Richter züchtet seit rund 15 Jahren Aras, Kakadus und andere Vögel.

Vor allem seltene und bedrohte Arten wie Hyazinth-Aras oder Doppelgelbkopfamazonen haben es ihm angetan. Um sie halten zu können, hat Detlef Richter Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eine Sondergenehmigung erhalten. Denn diese Arten benötigen besondere Aufmerksamkeit in der Haltung. "Mir geht es in erster Linie darum, die Arten zu erhalten", erklärt er. Aus diesem Grund werden seine Tiere nicht an jeden Interessenten verkauft. "Viele wollen Papageien, um ihnen das Sprechen beizubringen. Das gefällt mir überhaupt nicht", sagt er.

Seine Tiere werden in großen Volieren mit Außen- und Innenanlagen gehalten. Sieben Arten hat er derzeit. Und jede erfordert besondere Pflege. Neben Obst, Gemüse und Körner als Grundnahrung benötigen einige gehackte Eier zur Mineralstoffaufnahme. Andere Papageien wiederum bekommen regelmäßig Quark, Zwieback oder sogar Knoblauch.

Dabei stehen Kakadu, Papagei und Finken täglich mit ihm in Kontakt: Handzahm sind die meisten Tiere bewusst nicht. Nur ein kleiner Graupapagei freut sich sichtlich, sobald der Züchter die Anlage betritt. Es dauert nicht lange da sucht er die Nähe zu Detlef Richter, lässt sich auf seiner Schulter nieder. "Das Verhalten der Tiere ist total faszinierend. Sie lernen ständig Neues dazu", sagt der 56-Jährige. Gleichzeitig seien sie sehr sensibel. Schon kleine Veränderungen können zu Verhaltensstörungen oder gesundheitlichen Schäden wie Futterverweigerung führen.

So päppelt Detlef Richter derzeit auch einen Ara auf. Er hat durch falsche Haltung das gesamte Federkleid verloren. Mittlerweile zieren Kopf, Schwanz und Flügel wieder die leuchtend roten, blauen und grünen Federn. Seit einigen Jahren arbeitet der Großräschener eng mit dem Tierschutzbund zusammen und nimmt Tiere aus schlechter Haltunmg auf. "Mir blutet das Herz, wenn ich so etwas sehe", erzählt er.

Er selbst war schon als Kind vom Federvieh fasziniert. Als Jugendlicher hat er Tauben gehalten, später kamen auch Fasane und andere Vögel dazu. "Ich bin schon immer ein Naturfreund gewesen", sagt er. Weil Marder mehrfach seinen Taubenschlag ausräuberten, ließ er eine Zeit lang von dem Hobby ab. Die clevere Art der Papageien habe ihn jedoch so beeindruckt, dass er mit der Zucht angefangen hat.

Sein größtes Ziel ist es nun, wild lebende Tiere in der freien Natur beobachten zu können. Bislang konnte er sich diesen Wunsch noch nicht erfüllen. Doch in einigen Jahren soll es so weit sein. "Die Reiseroute steht schon so gut wie fest", sagt er. Auf einer Art Weltreise sollen dann alle Papageien-Heimaten in Südamerika, Asien und Afrika erkundet werden. "Das wird eine Wahnsinns-Erfahrung", ist er sehr gespannt auf dieses Abenteuer.

Zum Thema:
Der Großräschener Vogelliebhaberclub lädt zu einer Vogelschau ein. Interessierte Besucher können Vögel vieler Größen und Arten am Samstag, 7. Oktober, von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 17 Uhr anschauen. Gleichzeitig werden auch Orchideen und Oldtimerautos ausgestellt. Die Vogelschau findet im Gewerbegebiet Großräschen (Gewerbestraße 8) statt.