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| 14:56 Uhr

Annahütte feiert 600-Jahr-Fest
Etliche Kracher zum Jubiläum im Ärmel

Starke Kerle legen sich für den Heimatort ins Zeug: Die Feuerwehrkameraden geben beim Wettziehen des historischen Fahrzeuges alles.
Starke Kerle legen sich für den Heimatort ins Zeug: Die Feuerwehrkameraden geben beim Wettziehen des historischen Fahrzeuges alles. FOTO: Richter-Zippack Torsten
Annahütte. Beim großen Festwochenende gibt es neue Ausstellungen, neue Technik und einen neuen Aussichtspunkt.

Was für ein Wochenende: 600 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Jeweils 105 Jahre Feuerwehr und Schule. Darüber hinaus 150 Jahre erste (Familien)Schule, 130 Jahre Vereinssport sowie Gründung der F. C. Th. Heye Braunkohlenwerke Annahütte, 70 Jahre Karnevalsverein, 65 Jahre Kindergarten sowie 20 Jahre Förderverein Annahütte-Lausitz. Wenn das in Annahütte kein Grund zum Feiern ist!

Da der Ort als „Serchin“ am 11. Mai 1418 erstmals in einer Urkunde seine Erwähnung fand, hatte sich das rund zehnköpfige Festkomitee für das darauffolgende Wochenende als Feiertermin entschieden, erklärt Petra Quittel, die gemeinsam mit Andreas Jurczyk die Organisationsfäden in der Hand hält. „Bereits im September 2016 hatten die ersten Vorbereitungen begonnen“, erinnert sich Quittel, die auch stellvertretende Ortsvorsteherin ist. In die heiße Phase seien die Vorbereitungen am 27. April gegangen. Da waren alle Einwohner aufgerufen, sich am Frühjahrsputz zu beteiligen und gleichzeitig ihre Wohnungen und Gehöfte zu schmücken.

Zum Jubiläum präsentiert Dieter Sekulla im Keller der Henriettenkirche die 130 Jahre alte Fahne des Turnvereins „Gut Heil“.
Zum Jubiläum präsentiert Dieter Sekulla im Keller der Henriettenkirche die 130 Jahre alte Fahne des Turnvereins „Gut Heil“. FOTO: Richter-Zippack Torsten

Darüber hinaus hat das Festkomitee eine 28-seitige Festschrift initiiert. Neben dem Festprogramm und Auszügen aus der Ortsgeschichte trägt das Heft den Untertitel „Wir halten zusammen und feiern unsere Jubiläen gemeinsam!“ Dieses Motto, so Petra Quittel, ziehe sich durch die gesamte Arbeit. Der Zusammenhalt der Vereine und Gremien solle mit in die Zukunft genommen werden. Denn es warten weitere Projekte. Beispielsweise der Aussichtspunkt Roter Strumpf oberhalb des Annahütter Sees. Dieser ist während der 600-Jahr-Feier zwar feierlich eingeweiht worden, doch solle dort noch mehr passieren. „Die Sitzgruppe kommt auf jeden Fall. Aber wir wollen noch die obere Etage der Hochkippe erschließen“, gibt Petra Quittel die Marschrichtung vor. Übrigens: Der Rote Strumpf war eine 1865 gegründete Siedlung der aus Böhmen nach Annahütte eingewanderten Glasarbeiter. Diese sollen, so wird erzählt, rote Strümpfe getragen haben.

Allerdings mussten die Jubiläums-Protagonisten auch manches Hindernis meistern. Beispielsweise Plakate kleben. „Dabei habe ich mir fast eine Latex-Vergiftung zugezogen“, sagt Petra Quittel. Denn sie musste mit der Nase immer wieder über den Eimer mit dem Leim. 100 Plakate seien in Annahütte und Umgebung angebracht worden. Die verfehlen ihre Wirkung nicht, geschätzte Tausende Besucher kommen zur Jahrfeier. Darunter auch CDU-Landeschef Ingo Senftleben: „In diesen Tagen wird alles gewürdigt, was Annahütte ausmacht. Wäre es nach den DDR-Oberen gegangen, würde es diesen Ort wegen der Kohle längst nicht mehr geben. Daraus resultiert das Gefühl, dass die Leute noch mehr schätzen, was sie haben.“

Wasserspiele auf dem Silbersee aus fünf Strahlrohren und zwölf Düsen. Das abendliche Spektakel war ein Höhepunkt der 600-Jahr-Feier.
Wasserspiele auf dem Silbersee aus fünf Strahlrohren und zwölf Düsen. Das abendliche Spektakel war ein Höhepunkt der 600-Jahr-Feier. FOTO: Mirko Sattler

Ein besonderer Schatz wird indes im Keller der Henriettenkirche präsentiert. Stolz zeigt Heimathistoriker Dieter Sekulla die Fahne des örtlichen Turnvereins „Gut Heil“ aus dem Jahr 1888. Das Unikat sei von den Frauen und Jungfrauen des Ortes gewidmet worden, ist auf dem in den 1990er-Jahren für rund 5000 DM rekonstruiertem Exemplar zu lesen. „Die Fahne war 1945 verloren gegangen. Später tauchte sie in Bayern wieder auf. Der Besitzer brachte sie uns nach der Wende zurück“, erzählt Sekulla die nicht alltägliche Geschichte. Darüber hinaus können die Besucher im Kirchenkeller die nicht minder spannende Geschichte Annahüttes nachverfolgen. Zählte das Dorf Särchen um das Jahr 1850 lediglich 150 Einwohner, waren es 30 Jahre später bereits um die 3000. Drei Brikettfabriken und das Glaswerk bildeten das wirtschaftliche Rückgrat. Heute existiert nichts mehr davon, der Ort hat aktuell um die 1100 Menschen.

Auf die Ortshistorie kommen auch Karl-Heinz Jackowiak und Hagen Eiselt während des Rundganges zu sprechen. Die beiden Heimatforscher erklären den Gästen, welchen Reichtum an Geschäften es einst in Annahütte gab. Davon zeuge unter anderem das Landkaufhaus Bresemann an der Ecke Saalhausener Straße/Sallgaster Straße. Dort gab es auf mehreren Etagen Lebensmittel, Textilien Schuhe und manches mehr. Heute steht das imposante Gebäude leer.

Bei der Feuerwehr geht es an diesem Festwochenende ebenfalls ordentlich zur Sache. Ausgerechnet gegenüber dem Gerätehaus steht ein demolierter alter Peugeot herum. Allerdings aus gutem Grund, wie Ortswehrleiter Andreas Schneider erklärt: An diesem Fahrzeug haben die Kameraden ihre neue hydraulische Technik ausprobiert. Damit können wir schnell eingeklemmte Personen befreien.“ Pro Jahr werden die Annahütter Feuerwehrleute zu drei bis fünf dieser Einsätze gerufen, unter anderem auch auf der Autobahn. Übrigens haben die Annahütter in ihrem Jubiläumsjahr noch weitere Kracher im Ärmel. Beispielsweise das Helmut-Plonka-Gedächtnisturnier am letzten Juliwochenende. Dann soll auf dem Sportplatz in der Siedlung der Fußball rollen, kündigt Petra Quittel an. Plonka gilt als einer der wichtigsten Sportprotagonisten im Glasmacherort.