Ende März 2020: Die Corona-Pandemie ist längst in Deutschland angekommen. Positive Fälle gibt es nun auch in der Lausitz. Michael B. aus Lauchhammer ist der erste Covid-19-Patient im Klinikum Niederlausitz. In einem lebensbedrohlichen Zustand wird er damals ins Senftenberger Krankenhaus eingeliefert. Drei Wochen später entlassen ihn die Ärzte. Doch hat es Michael B. schwer erwischt. Der Krankheitsverlauf ist heftig.
Erst sieben Monate später kann er schrittweise in seinen Beruf zurückkehren. Heute fühlt er sich bis auf Taubheitsgefühle in den Beinen wieder fit und belastbar. Das berichtet er vor wenigen Tagen seine Lebensrettern von der Intensivstation im Klinikum. „Die Pfleger und Ärzte waren so lieb und fürsorglich, das ist nicht selbstverständlich. Die machen viel mehr als ihren Job. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Besuch des ersten Corona-Patienten in Senftenberg

In einer Mitteilung des Klinikums Niederlausitz berichtet Pressesprecherin von diesem emotionalen Besuch. Das Wiedersehen mache deutlich, wie einschneidend die Zeit im Krankenhaus für ihn war: An vieles könne sich Micheal B. nur aufgrund des Patiententagebuchs erinnern, dass die Pflegekräfte und Mediziner für ihn geführt haben.
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Thomas Schneider, Leitender Oberarzt auf der Intensivstation im Krankenhaus Senftenberg, habe mit seinen Kollegen in den vergangenen Monaten oft an seinen ersten Corona-Patienten gedacht. „Vielen unserer Covid-Patienten ging es ähnlich schlecht. Viele sind verstorben. Michael B. hat uns die Hoffnung gegeben, dass es auch ein Patient mit schwerem Verlauf wieder auf die Beine schaffen kann“, sagt er.

Erste Studienergebnisse zu Langzeitfolgen „Long Covid“

Michael B. repräsentiert aber auch jene Patienten, die als genesen gelten, aber noch lange unter den Folgen der Erkrankung leiden. Diese Langzeitfolgen werden als „Long Covid“ bezeichnet. „Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass 50 bis 80 Prozent der Corona-Patienten nach der akuten Erkrankung Langzeitsymptome entwickeln. Die häufigsten Langzeitfolgen sind Luftnot bei Belastung, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Diese Patienten benötigen kurze Wege zum Facharzt und spezialisierte Ambulanzen“, berichtet Dr. Volkmar Hanisch, Chefarzt des Zentrums für Intensiv- und Notfallmedizin des Klinikums Niederlausitz.

Zahl der Corona-Patienten im Klinikum Niederlausitz sinkt

Seit Mitte April sinkt die Zahl der Patienten, die aufgrund einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus in Senftenberg behandelt werden müssen, kontinuierlich. Seit dem 16. April sind täglich weniger als 20 Covid-19-Patienten in den Pandemiebereichen versorgt worden, seit dem 3. Mai sind es unter zehn pro Tag. Zum Vergleich: Ende 2020 waren es im Durchschnitt über 40 Covid-19-Patienten täglich.
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Senftenberg

„Nur auf die Patientenzahlen zu schauen, ist trügerisch: Wir sehen seit der Ausbreitung der Mutante B 1.17 immer mehr jüngere Patienten mit einer längeren Liegezeit. Frei werdende Intensivkapazitäten werden zur Behandlung von schwer erkrankten Non-Covid-Patienten genutzt. Unser Gesundheitssystem bleibt maximal belastet“, ordnet Dr. Hanisch die Entwicklung ein.

11.000 Impfungen gegen Corona im Senftenberger Krankenhaus

Ein möglicher Grund für sinkende Covid-19-Patientenzahlen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sei das Impfengagement des Klinikums Niederlausitz. Stand 5. Mai habe das Impfteam des Klinikums innerhalb von zwei Monaten knapp 11.000 Dosen an Impfberechtigte aus der Region verimpft, davon waren über 2700 Zweitimpfungen. Die Impfungen werden auch abends und am Wochenende ermöglicht, damit die Patientenzahlen in den nur wenige hundert Meter entfernten Pandemiebereichen weiter zurückgehen, teilt Klinikum-Sprecherin Christin Dolk mit.
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Eingeschränktes Leistungsspektrum im Klinikum Niederlausitz


Trotz sinkender Covid-19-Patientenzahlen bleibt das Leistungsspektrum im Klinikum Niederlausitz eingeschränkt: Entsprechend geltender Vorgaben verbleiben viele der aus den Fachabteilungen verlagerten Betten in den Pandemiebereichen, um auf steigende Covid-19-Patientenzahlen vorbereitet zu sein. „Wir befinden uns noch immer im Spagat zwischen Pandemiebewältigung und der Sicherstellung der medizinischen Akut- und Notfallversorgung in der Region. Jeder Patient, der dringend unsere Hilfe benötigt, wird bei uns weiterhin nach aktuellen medizinischen und pflegerischen Standards versorgt werden können. Das zu ermöglichen bleibt eine Herausforderung, der sich alle Fachabteilungen hochengagiert im engen, interdisziplinären Dialog stellen“, sagt der neue Klinikum-Geschäftsführer Dr. Christian von Klitzing.