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| 02:44 Uhr

Erste Kartoffeln liegen in der Erde

Frauendorfs Bauern sehen weiß. Das zwölf Meter breite und jeweils 250 Meter lange Vlies bringt das Wachstum der Frühkartoffeln auf Trab. Abgezogen von einem Radlader, ist es am Donnerstag per Hand über dem Acker ausgebreitet worden.
Frauendorfs Bauern sehen weiß. Das zwölf Meter breite und jeweils 250 Meter lange Vlies bringt das Wachstum der Frühkartoffeln auf Trab. Abgezogen von einem Radlader, ist es am Donnerstag per Hand über dem Acker ausgebreitet worden. FOTO: Steffen Rasche/str1
Frauendorf. 60 000 unter Vlies gut verpackte Frühkartoffeln haben Frauendorfs Bauern der Agrargenossenschaft "Elster – Pulsnitz" am Mittwoch und Donnerstag auf 1,5 Hektar in die Erde gebracht. Wenn das Wetter mitspielt, sollen die ersten Knollen Anfang Juni im Hofladen verkauft werden. Andrea Budich

Auf der Lauer gelegen hat Genossenschafts-Chef Walter Beckmann seit dem 15. März. Er wollte schon längst aufs Feld, wurde aber von den Werten auf seinem Bodenthermometer ausgebremst. Zu regnerisch, zu viele Nachtfröste. Der diesjährige Startschuss für die Frauendorfer Frühkartoffeln fiel deshalb erst in dieser Woche. Am Mittwoch endlich ging es auf den Kartoffelacker. "Wir sind spät dran", sagt Vorstand Walter Beckmann und drückt jetzt ordentlich auf die Tube.

Geschützt mit federleichtem weißem Vlies können die Kartoffeln bei den jetzt erwarteten milden Temperaturen direkt loswachsen. Ihre Lebensgeister wurden bereits beim Vorkeimen in Frauendorfs Gewächshäusern herausgekitzelt. "Wir haben die Knollen in Keimstimmung versetzt", erklärt Beckmann. Und tatsächlich haben sich an jeder Kartoffel stecknadelkopfgroße Keimspitzen herausgeschoben. Diese Keime und das wie ein Betttuch schützende Vlies geben den Kartoffeln einen Vorsprung von mindestens zwei Wochen bis zur Ernte. Zur Unterstützung werden die Kartoffeln noch zusätzlich beregnet.

Das weiße Vlies fängt die Sonne ein und bewirkt so eine frühere Erwärmung des Bodens. Die Auskühlung über Nacht wird zudem wesentlich gemindert. Mit vier bis fünf Grad Celsius ist der abgedeckte Acker wärmer als unbedeckte Schollen. "Die Kartoffeln können so richtig Gas geben", sagt Beckmann. Bis Anfang Mai bleibt das Vlies auf dem Damm. Danach wird es abgezogen, bleibt aber sicherheitshalber bis zu den Eisheiligen am Feldrand liegen. Damit die Landwirte es im Eis-Falle noch einmal drüberziehen können.

In den Boden gelegt haben Frauendorfs Bauern die frühe Sorte "Finka". Die vorwiegend festkochenden Erdäpfel sollen Anfang Juni geerntet werden. "So ist der Plan, wenn das Wetter mitspielt", bleibt Beckmann vorsichtig. Weit und breit sind Frauendorfs Bauern damit die Ersten, die eigene Frühkartoffeln im Hofladen anbieten können. Die steigende Nachfrage und hohe Preise rechtfertigen den deutlich höheren Arbeitsaufwand.

Bei der Direktvermarktung sind die Kartoffeln neben Gärtnerei, Gemüse, Milch und Hofladen ein wichtiges Standbein in Frauendorf. Kartoffeln in acht verschiedenen Sorten baut die Genossenschaft auf insgesamt 20 Hektar an. Darunter auch die sehr beliebte Sorte "Laura". Bis Ende Mai wird die Ernte des Vorjahres verkauft sein im Hofladen. Die Frühkartoffeln schließen dann die Lücke bis zur neuen Ernte ab Anfang September.

In der Großräschener Agrargenossenschaft hat die Frühjahrsbestellung mit Frühkartoffeln noch nicht begonnen. "Der Boden muss noch wärmer werden", sagt Pflanzenproduktions-Chef Günter Kockro. Er will noch ein paar Tage abwarten. Sobald der Acker stabile sechs Grad Celsius erreicht hat, kommt die frühe Sorte "Arcula" auf zwei Hektar in die Erde. Auf Einsatz von Vlies wird in Großräschen verzichtet. Nach der Lupinenaussaat in dieser Woche starten Großräschens Landwirte zu Wochenbeginn mit dem Sonnenblumenlegen.

Walter Beckmann gibt den Startschuss für die Frühkartoffeln.
Walter Beckmann gibt den Startschuss für die Frühkartoffeln. FOTO: str1