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| 13:41 Uhr

Ungewöhnlicher Gottesdienst in Senftenberg
Erste Hilfe für die Seele der Lebensretter

Das Team der Notfallseelsorgerin um Beate Bergmann (3.v.r.) bereit die 200 Engel zur Verteilung unter den Rettern vor. Zu dem Team, das in Brandenburg und im OSL-Kreis tätig ist, gehören (v.l.) Timm Zettler (Potsdam-Mittelmark), Yvonne Hanko (Brieske), Steffen Doms (Lauchhammer), Elke Miersch (Freienhufen), Beate Bergmann (Hermsdorf), Stefan Baier (Landeschef Potsdam) und Kathrin Puhahn (Schipkau).
Das Team der Notfallseelsorgerin um Beate Bergmann (3.v.r.) bereit die 200 Engel zur Verteilung unter den Rettern vor. Zu dem Team, das in Brandenburg und im OSL-Kreis tätig ist, gehören (v.l.) Timm Zettler (Potsdam-Mittelmark), Yvonne Hanko (Brieske), Steffen Doms (Lauchhammer), Elke Miersch (Freienhufen), Beate Bergmann (Hermsdorf), Stefan Baier (Landeschef Potsdam) und Kathrin Puhahn (Schipkau). FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Die Notfallseelsorgerin Beate Bergmann verschenkt beim Gottesdienst unter freiem Himmel Wollengel für ihre Kameraden. Von Peter Aswendt

Es sind die Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Polizei oder Feuerwehr, die bei Katastrophen, Feuersbrünsten oder Verkehrsunfällen die Ersten vor Ort sind. In vielen Fällen bieten sich ihnen Bilder von großem menschlichen Leid, das kaum zu ertragen ist. Selbstlos helfen sie, auch unter Einsatz ihres Lebens. Um diese Menschen zu ehren, fand am Sonntag zum zweiten Mal der Tag der Rettungskräfte in Senftenberg statt. Initiatoren sind die Evangelische Kirchengemeinde Senftenberg sowie der Evangelische Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg um Pfarrerin Dorothee Michler.

Knapp 200 Rettungskräfte versammelten sich zum Gottesdienst auf dem Senftenberger Markt. Unter ihnen: die Notfallseelsorgerin Beate Bergmann, die mit besonderen Geschenken für ihre Kameraden dabei war. „Wir haben gemeinsam mit Kindern, die im Sommer im Kinderferienlager waren, Engel aus Wolle für diesen Tag gebastelt“, freut sich Beate Bergmann, die als Katechetin (Religionslehrerin) im Bereich Senftenberg und Klettwitz arbeitet. Mit den Wollengeln möchte sie die vielen Retter, die sie als „ihre Kameraden“ bezeichnet, eine kleine Freude bereiten und ihnen einen Begleiter für die schweren Stunden schenken. Die 47-jährige Ehefrau und Mutter zweier Töchter weiß, wovon sie redet. Seit 15 Jahren wird sie gerufen, wenn es um schwerste Verkehrsunfälle geht oder gemeinsam mit der Polizei eine Todesnachricht überbracht werden muss.

Eigentlich ist Beate Bergmann eine robuste Frau. Sie beschreibt sich selbst als ein wenig groß, ein wenig schwer, ein wenig laut: „Ich bin eben bunt“, lacht die Frau mit den blauen Haaren. Es ist es ihre Lebensfreude und die Familie, die ihr den nötigen Rückhalt gibt. Auch das persönliche Schicksal des zeitigen Todes ihrer Mutter, das spätere Versterben des Vaters und des Bruders haben sie geprägt. „Ich bin der letzte Mohikaner“, sagt sie.

Nicht nur die Betroffenen selbst erfahren die Hilfe der Notfallseelsorgerin: „Ich spüre eine gewisse Erleichterung bei den Kameraden oder den Rettungskräften, wenn ich da bin“, erzählt sie. Bei einem Unfall oder einer bedrohlichen Situation sind die Rettungskräfte mit dem Bergen oder Beseitigen der Gefahren beschäftigt. Auch sie kommen sehr oft an ihre Grenzen. Beate Bergmann erinnert sich an einen Zugunfall, bei dem einer der Einsatzkräfte die verunglückte Person sehr gut kannte, und obwohl die Person das Unglück überlebte, war der Feuerwehrmann mit der Psyche am Ende. „Auch Retter müssen manchmal gerettet werden“, sagt sie.

Für die Notfallseelsorgerin ist es eines der erschütternsten Erleb­nisse, wenn eine Mutter den Tod ihres Kindes erleben muss: „Die Schreie einer Mutter sind das Schlimmste, was es für mich gibt“, sagt sie ergriffen. Auf diese Erfahrung möchte sie gerne bei ihren Einsätzen verzichten, sie weiß aber: „Man kann es sich aber nicht aussuchen und auch dort werden wir gebraucht.“

Bis zu 60 Einsätze gibt es für die ehrenamtlich tätige Notfallseelsorgerin im Jahr: „Wenn mein Handy oder der Pieper sich meldet, dann ist meine Familie ein eingespieltes Team“, lacht sie. Meistens sind die Sachen gepackt, und der Autoaufsatz mit dem Schriftzug „Notfallseelsorge“ ist vom Ehemann schon auf dem Auto montiert. Natürlich kann sie nicht alle Situationen im Landkreis alleine bewältigen. Ein sechsköpfiges Team unterstützt Beate Bergmann bei der ehrenamtlichen Arbeit: „Ohne meinem Team könnte ich nicht so erfolgreich arbeiten“, erklärt sie stolz.

Für Beate Bergmann ist der Tag der Retter ein gutes Signal – dass ihre Kameraden in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ihre Wollengel begleiten jetzt viele Retter auf so manche schwierige Mission.