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| 02:43 Uhr

Erste Finanzspritze für den Kroppener Petzold-Park

Die Bogenbrücke über die begradigte Pulsnitz im Kroppener Park, der wieder stärker der Idee seines Schöpfers folgen soll.
Die Bogenbrücke über die begradigte Pulsnitz im Kroppener Park, der wieder stärker der Idee seines Schöpfers folgen soll. FOTO: Steffen Rasche/str1
Kroppen. Eine Finanzspritze aus dem europäischen Topf der ländlichen Entwicklung ist für den Kroppener Petzold-Park bestimmt. Gut 190 000 Euro will die Gemeinde nun einsetzen, um das grüne Dorfzentrum wieder und weiter auf Vordermann zu bringen. Kathleen Weser

Der Petzold-Park in Kroppen hat schon viele schmerzliche Eingriffe, auch durch laienhaft geführte Menschenhand, erfahren. Die Pulsnitzbegradigung veränderte den Charakter stark. Die Grundidee des Meisterschülers von Pückler ist immer stärker zurückgedrängt worden. Dafür ist im Kroppener Park fast ein Wald entstanden. Viele Neupflanzungen sind nach der Wende ohne Abstimmung mit der Landesdenkmalbehörde völlig falsch erfolgt. Das hat auch Gartendenkmalpfleger Alexander Niemann bestätigen müssen. Die Wiesenraum-Komposition des Parks ist damit auch systematisch weiter zerstört worden.

Die Gemeinde Kroppen hat auch deshalb jetzt Fördermittel aus den europäischen Programmen der ländlichen Entwicklung beantragt und nunmehr eine erste Finanzspritze erhalten. Das Park-Ensemble soll auf den Spuren der Ideen des genialen Landschaftsgestalters Eduard Petzold wieder schrittweise vervollkommnet werden, aber auch modernen Nutzungen genügen. Schon das ist eine schwere Gratwanderung. Doch weitere Herausforderungen liegen auf dem Weg, den die kleine Gemeinde nun beschreitet: Die Gesetzeskeule schlägt dreifach zu. Das Park-Areal unterliegt zumindest im Kernbereich dem Denkmalschutz. Zudem ist es als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen. Und der Hochwasserschutz an der Pulsnitz genießt Priorität.

Das Dorf mit Bürgermeister Reiner Krämer und der rührigen Interessengemeinschaft für den Park Kroppen aber lässt sich davon nicht beeindrucken. "Wir müssen gute Kompromisse finden, die letztlich allen Interessen bestmöglich gerecht werden. Das wird schwer. Aber wir packen es an", sagt Reiner Krämer kämpferisch. Der Schlosspark, dessen Herrenhaus nach dem Zweiten Weltkrieg auf Anweisung des damaligen Hoyerswerdaer Landrates abgerissen worden ist, ist das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes und auch ein großes Stück Identität der Kroppener Bewohner. Und das beflügelt.

Die Konturen des Schlosses sollen mit Bruchsteinfundamenten wieder sichtbar gemacht werden. Die frühere Idee, die Grundmauern ansatzweise durch Hecken wieder auferstehen zu lassen, hat die Gemeinde verworfen. Eine pflegeleichte Variante ist gefragt, mehr überfordert den Bauhof. Ein Holzrelief soll das Herrenhaus hier auch wieder zeigen. Das Fachwerkhaus wird barrierefrei zugänglich gemacht und erhält auch Sanitäranlagen für Behinderte, erläutert Reiner Krämer zum lebenspraktischen Teil. Die Eingangstore zum Park sollen wieder hergestellt werden. Die Brücken und deren Geländer, die Wege und vor allem der Baumbestand müssen bearbeitet werden. Naturgemäß verschwundene Solitäre sollen nachgepflanzt und die alten Sichtachsen wieder hergestellt werden. Das erste Behördengespräch wird in der nächsten Woche stattfinden. Ein Jahr ist für die Arbeiten Zeit.

Zum Thema:
Der Kroppener Park wurde von Eduard Petzold (1815 1891), einem Meisterschüler des berühmten Parkschöpfers Fürst Herrmann Pückler-Muskau, 1884/85 geplant. Der Gartenkünstler schuf auch den Schlosspark Altdöbern. Die tiefste und nicht mehr heilbare Wunde wurde der Kroppener Parklandschaft in den 70er-Jahren mit der Begradigung der Pulsnitz zugefügt. Die wasserbautechnische Anlage wurde damit völlig zerstört. Durch das Aufschütten der großen Parkwiese verschwand außerdem ein einmalig geschlossener Orchideenstandort. Auch Baumsolitäre sind mit der Zeit naturgemäß verschwunden und nicht ersetzt worden.