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Wetterbilanz März 2018
Der meiste Schnee des Winters fällt so spät wie nie zuvor

Rudolf Kupfer.
    
Rudolf Kupfer.   FOTO: privat
Lindenau. Wetterbilanz des Monats März 2018: Die Schneeglöckchen haben die Froststarre erstaunlich gut überlebt. Die Sonne ist unter der Norm geblieben. Von Rudolf Kupfer

Der erwartete und übliche Sieg der Natur im März über Kälte und Eis ist in diesem Jahr ausgeblieben. Frühlingsträume erfüllten sich bisher noch nicht. Auch zu Ostern, am Monatsende, blieben die Temperaturen im Keller. In der Lausitz war der März ein ausgesprochener Wintermonat. Es fiel der meiste Schnee, das Eis auf den flachen stehenden Gewässern trug in diesem Winter ersts die Schlittschuhläufer. Auf dem gefrorenen Boden waren keine Bestellarbeiten möglich, und die Kröten konnten noch nicht auf ihre notwendige Wanderschaft gehen. Nur gut, dass der Winterdienst die Schneezäune nicht abgebaut hatte, die ersten verkehrsbehindernden Schneeverwehungen des Winters gab es um den 17. März. Nach Beobachtungen von Klaus Kreter aus Ortrand entstanden in diesen Tagen durch starken Nordwind aus einem Gemisch von Schnee und Sand aufgetürmte und gepresste Fantasiegebilde in der Landschaft und am Senftenberger See bizarre Eisskulpturen. Tolle Motive für den nächsten Fotowettbewerb der Wetterfrösche hat der Ortrander dort gefunden.

Für Käthe Sommer aus Buchwalde war besonders außergewöhnlich, dass die Schneeglöckchen als Frühlingsboten bereits sehr zeitig, Ende Januar, zu blühen begannen, und sich dann, nach einer längeren Froststarre, wieder erholten und bis Ende März in den Gärten strahlten. Das hat sie so noch nicht beobachtet.

Die in diesen Apriltagen sprunghaft steigenden Temperaturen werden dafür sorgen, dass dieser Kälteschock sehr schnell überwunden und der Frühling einen Blitzstart hinlegen wird, ist sich Klaus Hirsch in Großkoschen ziemlich sicher. Die Natur holt immer wieder Versäumtes auf, weiß auch Dieter Georgie aus Lauchhammer aus seinen langjährigen Erfahrungen. Allerdings beobachtet er seit langem schmerzlich, dass die Zeit des Frühlings immer kürzer wird. Im März 2013 gab es noch viel mehr Schnee und Eis erinnert er sich, und es folgte damals ein sehr kurzes Frühjahr.

Im Zusammenhang mit der befürchteten Klimaerwärmung sind solche Kälteperioden eine Möglichkeit, diese Bilanz positiv zu beeinflussen, stellt Ingo Nowak aus Schipkau fest. Der März 2018 war in seiner Statistik zum langjährigen Durchschnitt um 2,3 Grad zu kalt und hatte immerhin fünf Eistage (ganztägig Frost). Das hat zur Folge, dass sich die Natur noch im Ruhezustand befindet. Dazu folgende Wetterregeln: „Ist die Märzenwiese grau wie ein Has’, gibt es im Sommer viel Gras,“ und „Ein grüner März erfreut kein Bauernherz.“

Der extrem lang anhaltende Winter beeinflusste auch die heimische Vogelwelt. Während die ersten Weißstörche Ende März, am 27. in Lindenau und am 31. in Biehlen, zum gewohnten Zeitpunkt eintrafen, war das Trällern der Feldlerchen bisher leider noch nicht zu hören. Beeindruckt war Günter Kobel in Ortrand dieser Tage. Noch während des Anbaus einer Nisthilfe nahmen Blaumeisen dieses Angebot dankbar an und begannen sofort mit dem Nestbau. Auch in Großkoschen und anderen Orten haben Naturfreunde die Mietwohnungen für ihre gefiederten Freunde bereitet und verfolgen mit Interesse das Geschehen.

Am Senftenberger See haben scharfer Nordwind und offenes Wasser am Rande reizvolle Eisgebilde wie dieses noch am 19. März geschaffen.
Am Senftenberger See haben scharfer Nordwind und offenes Wasser am Rande reizvolle Eisgebilde wie dieses noch am 19. März geschaffen. FOTO: Renate Kupfer