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| 01:01 Uhr

Erst Ärgernis, nun Bodenwunder

Gärtnermeister Christian Seidel ist zufrieden mit der Wurzelbildung bei den Azaleen. Im Traditionsbetrieb für Rhododendron in Grüngräbchen gedeiht die Nachzucht von mehr als 350 verschiedenen Sorten und Arten auf luftig-lockerem Boden – veredelt mit Xylit, einem Nebenprodukt der Braunkohlegewinnung im Lausitzer Revier. Im Zuge der Wiederinbetriebnahme des Tagebaus Reichwalde (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) will die Vattenfall Mining AG nun Xylit im großen Stil vermarkten. Von Uwe Menschner <br> und Kathleen Weser

Xylit macht etwa zehn bis 15 Prozent der geförderten Kohlemenge aus. „Früher stellte es für die Bergleute ein Ärgernis dar, weil es die Siebe zusetzte“ , erklärt Helga Schulze, die kaufmännische Leiterin Veredlung des Unternehmens. Heute dagegen wird das nicht vollständig in Kohle umgewandelte organische Material aus der Entstehungszeit der Braunkohle als das „Nonplusultra“ auf dem Gebiet der Bodenverbesserung betrachtet. Auch in der Rhododenron-Gärtnerei Grüngräbchen. „Xylit macht den Boden luftig, gibt ihm Struktur“ , erläutert der Inhaber. Vor vier Jahren hat er über Kontakte in Fachkreisen den Einsatz-Versuch gestartet. „Davor wurden bei uns Holzabfälle und Hackschnitzel mit der Erde vermischt, um günstigere Eigenschaften zu erreichen“ , blickt Christian Seidel, dessen Urgroßvater Rudolf Seidel die Traditionsgärtnerei 1898 gegründet hat, zurück. „Doch das Holz bindet beim Düngen den Stickstoff. Und der steht den Pflanzen so nicht zur Verfügung“ , benennt der Fachmann den großen Nachteil beim Namen. „Kokosfasern könnte man auch verwenden. Aber die sind zu teuer.“
„Im Zuge des Kraftwerksneubaus in Boxberg soll eine Anlage zur Gewinnung und Aufbereitung von Xylit, speziell aus dem Tagebau Reichwalde, entstehen“ , klärte Helga Schulze kürzlich bei der Lausitzintitiative in Hoyerswerda auf. Die Reichwalder Kohle gilt als besonders reich an Xylit - der Anteil liegt bei 15 bis 20 Prozent. Für Vattenfall stellt die Vermarktung des Beiproduktes einen erklecklichen Nebengewinn dar. „Wir haben das Xylit 2004 auf den Markt gebracht. Mittlerweile erfolgt die Endproduktion exklusiv bei einer Firma in Luckau“ , so Helga Schulze. Anwendbar ist es sowohl für Kleingärtner als auch im großflächigen Bereich, also „in der Landschaftsgestaltung oder für Baumschulen“ , betont sie. Der natürliche Rohstoff Xylit besitzt eine ganze Reihe von Eigenschaften, die ihn von anderen Bodenverbesserern abheben. Dazu zählen der außerordentlich hohe Humussäure-Gehalt, die gute Weitergabe des gespeicherten Stickstoffs an den Boden sowie äußerste Beständigkeit gegen Schädlingsbefall oder Fäulnis. Erfolgreich erprobt wurde der Bodenverbesserer auch im Findlingspark Nochten.