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| 17:17 Uhr

Angeklagte versteckt Crystal im Polizeiauto
Erneut landet Senftenberger Drogenfall vor Gericht

Senftenberg/Cottbus. Während eine 28-Jährige noch vor dem Kadi in Cottbus steht, ist am Amtsgericht ein Dealer mit blauem Auge davongekommen. Von Jan Augustin

Amtsgericht, Landgericht, Bundesgerichtshof – der Senftenbeger Drogensumpf sickert derzeit durch alle Instanzen. Die Bundesrichter haben erst vor ein paar Tagen einen Fall abgeschlossen und zurück in die Lausitz geschickt, da müssen sie erneut ein Urteil gegen einen Drogendealer aus Senftenberg prüfen.

In Cottbus steht jetzt eine 28-jährige Frau vor dem Kadi. Vorgeworfen werden ihr 38 Taten. Vornehmlich geht es um gewerbsmäßigen Handel mit dem gefährlichen Methamphetamin Crystal Meth. Die Senftenbergerin gesteht den Großteil aus der Anklage. Aber Marihuana habe sie weder an- noch verkauft, erklärt sie am Mittwoch vor dem Landgericht. Das Rechtsgespräch zwischen den Mitgliedern der 1. Großen Strafkammer, der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft bleibt daher folgenlos. Der juristische Deal ist geplatzt. Die Angeklagte gibt jedoch zu, seit Jahren selbst Crystal zu konsumieren. Am Anfang reichen ihr 0,3 Gramm pro Tag. Das war 2012, als sie in Dresden eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen hatte, teilweise mit 16-Stunden-Schichten, wie sie sagt. Von einer befreundeten Kollegin habe sie dann zum ersten Mal Crystal bekommen. „Ich kannte die Droge damals nicht. Mir hatte das von Anfang an gefallen. Ich habe mich gut gefühlt“, schildert die heute 28- Jährige vor Gericht. Doch die Abstände zwischen den „Bahnen“, die sie durch die Nase zog, wurden immer kürzer. In Hochzeiten habe sie einen Gramm pro Tag gebraucht. Um das finanzieren zu können, habe sie die Droge mit Gewinn an- und verkauft.

Das ist auch ihr Plan für ein Geschäft in Dresden, wo sie von einem Lieferanten für 13 000 Euro insgesamt 500 Gramm Crystal erwerben wollte. Doch der verkaufte ihr nur 50 Gramm, weil er nicht mehr vorrätig gehabt habe. Verdeckte Ermittler stellten die Verdächtige kurz nach dem Deal. Das Crystal versteckte die Senftenbergerin im Polizeiauto, was einen Tag später aufgeflogen ist.

Wie dieser Prozess ausgeht, ist offen. Eine Verständigung hätte die Prozessdauer jedenfalls enorm verkürzt und für die Angeklagte womöglich ein milderes Urteil zur Folge gehabt. Der Cottbuser Staatsanwalt Olaf Jurtz etwa hätte sich eine Freiheitsstrafe von rund vier Jahren vorstellen können. Aber nur, wenn sich die Angeklagte voll geständig gezeigt hätte. Auch der Vorsitzende Richter Frank Schollbach hätte dann eine Strafe zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren als „durchaus realistisch“ in Aussicht gestellt. So aber wird der Prozess die Juristen noch einige Tage beschäftigen. Zeugen müssen gehört, Beweise zusammengetragen und bewertet werden. Die nächste Verhandlung findet am Donnerstag in einer Woche statt.

In einem anderen Fall ist jetzt ein zur Tatzeit in Neupetershain wohnender Drogenkonsument und -dealer mit blauem Auge davongekommen. Das Senftenberger Amtsgericht verurteilte den heute 33-Jährigen wegen Drogenbesitzes und -handels zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. In seiner Wohnung fanden Polizisten vor drei Jahren rund 800 Gramm diverser Cannabis-Produkte. Der heute nach eigenen Angaben drogenfreie Vater einer zweijährigen Tochter hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dass der Prozess erst jetzt stattfand, ist laut Staatsanwaltschaft auf einen Fehler bei der Polizei zurückzuführen.