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| 20:07 Uhr

Gedenken in Schwarzheide
Erinnerung an das KZ-Außenlager in Schwarzheide

 Silvia Zinke, Unternehmensarchivarin der BASF, berichtet Auszubildenden des Unternehmens von der Geschichte des Werks in Schwarzheide.
Silvia Zinke, Unternehmensarchivarin der BASF, berichtet Auszubildenden des Unternehmens von der Geschichte des Werks in Schwarzheide. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Schwarzheide. Vor 74 Jahren wurde das KZ-Außenlager am Chemiewerk in Schwarzheide aufgelöst. Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gibt es jedes Jahr nicht nur eine Kranzniederlegung, sondern es befassen sich auch Auszubildende der BASF mit der Geschichte des Werks. Von Daniel Roßbach

Vor 74 Jahren, am 18. April 1945, wurde die Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen am Chemiewerk in Schwarzheide aufgelöst. Daran hat die BASF, die heutige Betreiberin des Werkes, am Donnerstag mit einer Kranzniederlegung erinnert.

Das Chemiewerk in Schwarzheide wurde 1935 angelegt, um in Vorbereitung der Kriegspolitik Deutschlands unter den Nationalsozialisten synthetischen Treibstoff zu produzieren. Ab 1944 wurden dort Insassen der Konzenztrationslager in Sachsenhausen und Ravensbrück als Zwangsarbeiter eingesetzt. Nach den beginnenden Bombardierungen des militärisch wichtigen Werks mussten sie Aufräumarbeiten verrichten und Bunkeranlagen bauen. Die vornehmlich jüdischen Opfer waren dabei selbst den Gefahren der Bombenangriffe schutzlos ausgesetzt. Hunderte von ihnen starben sowohl während der Arbeit in Schwarzheide, als auch bei einem Gewaltmarsch nach der Auflösung des Lagers im April 1945 zum KZ Theresienstadt – das zum Zeitpunkt der Ankunft dort bereits von der Roten Armee befreit worden war.

Mit dem Ziel der „Vernichtung durch Arbeit“ war der Tod von Zwangsabeitern in Folge von Krankheit, Überlastung und Misshandlung explizit gewollt. Unter anderem davon berichtete Silvia Zinke, Unternehmensarchivarin der BASF, im Vorfeld der Gedenkveranstaltung auch Auszubildenden des Unternehmens. Zinke selbst hat in Gesprächen und im Schriftverkehr mit überlebenden Häftlingen über Jahre versucht, mehr über die Bedingungen und Qualen des Lageralltags zu erfahren. Die Schilderungen von besonders gefürchteten SS-Aufsehern oder dem Umgang mit dem Sterben von Mithäftlingen sorgen bei den Auszubildenden für Beklemmung.

Etwa bei Emily Michelle Scholta. Die 17-jährige kommt aus Schwarzheide, im September 2018 begann sie ihre Ausbildung. Von der Existenz des Außenlagers wusste sie zwar schon zuvor: „Mein Opa hatte mir manchmal etwas erzählt, weil er selbst in dem Synthesewerk gearbeitet hat.“ Eine Vorstellung davon, wie viele Menschen dabei zu Tode kamen, hatte sie aber nicht, bis sie Silvia Zinkes Vortrag hörte. Umso wichtiger findet sie, „dass Leute wissen, wie es mal war, damit es nie wieder so wird“.

 Jährlich zum Gedenktag findet an der Gedenkstätte der BASF eine Kranzniederlegung statt.
Jährlich zum Gedenktag findet an der Gedenkstätte der BASF eine Kranzniederlegung statt. FOTO: BASF Schwarzheide GmbH / Steffen Rasche

Darin pflichtet ihr auch Kornelia Hartmann bei. Seit 1973 arbeitet sie in dem Schwarzheider Chemiewerk, bildet dort heute junge Chemikanten aus. „Es ist sehr wichtig, sich damit zu befassen, was mit den Menschen passiert ist“, sagt Kornelia Hartmann, denn „aus der Sicht des Lebens der jungen Leute heute können sie sich diese Bedingungen kaum vorstellen.“

Dafür, die Erinnerung daran präsent zu halten, sind gerade Berichte der überlebenden Zeitzeugen wichtig. Von ihnen gibt es knapp 75 Jahre nach der Auflösung des Lagers aber nur noch wenige, wie Silvia Zinke sagt. Einer von ihnen ist Hans Gärtner, der heute inzwischen 93 Jahre alt ist. Seine Erinnerungen wurden auch schon in einem Film festgehalten, in dem seine Tochter und Enkeltöchter dem in Hamburg aufgewachsenen Hans Gärtner Fragen stellen. Diesen Film würde Silvia Zinke im nächsten Jahr, wenn sich die Auflösung des Außenlagers zum 75. Mal jährt, auch in Schwarzheide gern zeigen.