Von Catrin Würz

Großer Andrang im kleinen Guteborn: Mehr als 100 Menschen waren am gestrigen Dienstag zu dem Areal gekommen, wo einst das Schloss Guteborn prachtvoll aufragte. Es war genau jenes denkwürdige Datum 13. November zur gleichen Nachmittags-Uhrzeit, als vor 100 Jahren der letzte Sachsenkönig Friedrich August III. just in diesem Schloss in den unruhigen Tagen der Novemberrevolution von 1918 seine Abdankung friedlich und mit knappen Worten auf einem einfachen Blatt Papier notierte.

„Eine Zäsur in der sächsischen Geschichte. Hier in Guteborn wurde sozusagen das Ende des Fürstenzuges besiegelt, wie wir ihn alle aus Dresden kennen“, sagt Werner Lindner, Mitglied im Heimatverein Königsbrück und Umgebung. Die historischen Ereignisse seien so bedeutsam, dass es dafür am Ort des Geschehens eine Stätte der Erinnerung geben sollte. Darin waren sich die drei Heimatvereine in der Nachbarschaft - aus Königsbrück, Ruhland und Ortrand - einig. Gemeinsam initiierten sie das Aufstellen des Gedenksteines zum Jahrestag des Thronverzichts.

Das Denkmal aus Granitstein steht nun genau auf dem alten Fundament des vor 70 Jahren gesprengten Schlosses Guteborn. Der heutige Grundstückseigentümer Udo Herrmann, der eine Tischlerei betreibt und als Bauherr derzeit die noch verbliebenen Nebengebäude des Schlosses zu Ferienwohnungen und einem Schlosscafé umbauen lässt, hat den Platz für das Denkmal bereitwillig zur Verfügung gestellt. Er hofft, dass dies für die Besucher des Cafés interessant sein könnte.

Der neue Gedenkstein hat die Form eines Schreibtisches bekommen, auf dessen Tischfläche ein Blatt Papier in den Stein stilisiert wurde. Darauf sind die ziemlich unspektakulären Worte der Abdankung in der Schreibschrift des Sachsenkönigs nachzulesen: „Ich. verzichte auf den Thron. Friedrich August“. Mehr stand darauf nicht.

An der Frontseite des steinernen Schreibtisches sind die Initialen PvSW nachzulesen. Sie symbolisieren die Herrschaft des Prinzen von Schönburg-Waldenburg. In seinem Schloss in Guteborn fand die königliche Familie dazumal Zuflucht.

Die kleine Feier zur Gedenksteinenthüllung hat am Dienstag auch eine echte Adelsfamilie besucht. Agnes von Kopp-Colomb (74) ist eine geborene Gräfin zu Münster. Ihr Großvater Ernst Graf zu Münster war es vor 100 Jahren, der von seinem Schloss in Linz nahe Ortrand mit dem Fahrrad aufbrach, um bei der Prinzenfamilie in Guteborn um Aufnahme für den sächsischen König, der auf der Flucht war, zu bitten.

Für die Nachfahrin des Grafen Münster aus Linz und für ihren Ehemann Henning von Kopp-Colomb (80) – der auch Leiter der historischen Kommission des sächsischen Adels ist – war die Gedenksteinent­hüllung „eine würdige und ausgesprochen gut vorbereitete Zeremonie“. „Schön, dass es nun eine Erinnerung an diesen Tag gibt.“