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Erfolgsrezept gegen Schrotthäuser

Die Stadt Großräschen hat die leer stehende Gaststätte Lausitz ersteigert und sucht jetzt Investoren.
Die Stadt Großräschen hat die leer stehende Gaststätte Lausitz ersteigert und sucht jetzt Investoren. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Großräschen hat dem Verfall von Gebäuden, die Stadtbild prägend sind, den Kampf angesagt – und ist Sieger auf ganzer Linie. Nach dem Kurmärker, dem Bahnhof und dem Haus der Landwirtschaft hat die Stadt jetzt eine weitere Schrottimmobilie ersteigert: die Gaststätte Lausitz. Kathleen Weser

Leerstand und Verfall sind ein gewaltiges Problem aller schrumpfenden Städte in der Lausitz. Auch in Großrä schen. Dort ist allerdings dank eines aktiven kommunalen Immobilienmanagements das Problem wenig sichtbar. Aus der Not heraus und mit einem gesunden Maß an Risikobereitschaft erwirbt die Stadt leer stehende, weil nicht rentierlich zu betreibende Gebäude, die das Antlitz oder mit ihrer Geschichte die Identität der Stadt prägen. Jetzt die Gaststätte Lausitz. "Wir haben zwar als Stadt für die Gaststätte Lausitz nicht sofort eine Lösung in der Schublade", dämpft Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) zu hohe Erwartungen. "Eine Verpflichtung zur Stadt-Schönheit gibt es nicht", betont er. Nur bei Gefahren für die Sicherheit der Bürger könnten die Eigentümer von Schrottimmobilien ordnungsrechtlich in die Pflicht genommen werden. "Aber so schnell ist das nicht der Fall", erklärt das Stadtoberhaupt. Schandflecken rückt die Stadt seit nunmehr zehn Jahren trotzdem ausgesprochen konsequent zu Leibe -in finanzieller Vorleistung, mit viel Kraft und sehr erfolgreich. Großräschen ersteigert nur leer stehende Gebäude "in prominenter Stadtlage", wie Thomas Zenker betont, um den Verfall zu stoppen und "Einfluss auf die Zukunft der Objekte zu bekommen". Denn erklärtes Ziel ist und bleibt: Für die Gebäude müssen wirtschaftliche Nutzungen und private Investoren gefunden werden. Mit dem ersten Haus am Platze, dem von den Räschenern heiß geliebten Kurmärker, und dem wertvollen Dreiseitenhof am Markt ist die Stadt als Eigentümerin dauerhaft bereits stark gefordert.

Während der Kurmärker als Bürgerzentrum in kommunaler Regie mit Fördermitteln saniert worden ist und in Stadthand bleibt, wird das Haus der Landwirtschaft mit Wirtschaftseinheiten und gesellschaftlichen Nutzungen von einem Förderverein betrieben.

Gute Erfahrungen hat Großrä schen auch mit dem Bahnhof gemacht, der in privater Regie auf Vordermann gebracht und vermietet worden ist. "Auch das Konzept für den Bahnhof ist nicht vom Himmel gefallen", sagt Zenker. Die Räschener verbinden mit der Gaststätte Lausitz viele schöne Jahre ihrer bewegten Jugend und Familienfeiern. Mindestens eine halbe Million Euro sei in die Bausubstanz zu investieren, um das Haus wieder nutzbar zu machen. Zwei bis drei Jahre Zeit werde sich die Stadt schon geben müssen, um Investor und Betreiber zu finden, schätzt Thomas Zenker ein. Als Plan B könne dann noch immer der Abriss im Stadtumbau-Programm ins Auge gefasst werden. In jedem Fall sei der Ankauf somit gut für das Stadtbild. Zunächst aber "ist jede gute Idee gefragt", erklärt er.

Kommentar: Bemerkenswerte Leistung

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Leerstand und Verfall von ungenutzten Wohnhäusern und Gewerbe-Immobilien wachsen den Städten und Gemeinden im Landkreis zunehmend über den Kopf. Um rechtssicher Ersatzvornahmen vornehmen zu können, plant der Kreis im Haushalt jährlich etwa 10 000 Euro ein. Damit kann aber nur bei Gefahren mit ordnungsrechtlichen Sanktionen gegenüber dem Eigentümer reagiert werden.