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| 17:16 Uhr

Künstlervisionen für das Bildungshaus in Schwarzheide
Kunst soll Seecampus mehr Seele einhauchen

In einer Ausstellung in der Aula des See-Campus werden die Entwürfe der sechs internationalen Künstler noch bis zum kommenden Freitag gezeigt. Paul-Gerhard Thiele (r.), Fördervereinsvorsitzender See-Campus, schaut das Ergebnis zusammen mit Gerrit Gohlke und Marit Neeb vom Brandenburgischen Kunstverein an.
In einer Ausstellung in der Aula des See-Campus werden die Entwürfe der sechs internationalen Künstler noch bis zum kommenden Freitag gezeigt. Paul-Gerhard Thiele (r.), Fördervereinsvorsitzender See-Campus, schaut das Ergebnis zusammen mit Gerrit Gohlke und Marit Neeb vom Brandenburgischen Kunstverein an. FOTO: LR / Catrin Würz
Schwarzheide. Der Seecampus in Schwarzheide soll mit künstlerischen Mitteln mehr als bisher eine eigene Identität und Wohlfühlzonen für Schüler erhalten. Nun liegen sechs hoch interessante Künstlerentwürfe und damit Visionen für eine Weiterentwicklung des Bildungszentrums vor. Von Catrin Würz

Hochmodern, super effizient und ökologisch vorbildlich – der Seecampus Niederlausitz hatte schon vor seiner Eröffnung im Jahr 2011 viele Superlative für sich verbuchen können. Der Vorzeige-Schulneubau war nicht nur der erste seiner Art als energiesparendes vollständiges Passivhaus, sondern wurde auch mittels ungewöhnlicher Finanzierungsmethode als Projekt des Public Private Partnership (PPP) realisiert. Für seine technische Innovation ist das Gebäude mehrfach ausgezeichnet worden. Dennoch scheint dem Schulhaus auch heute im siebenten Jahr seines Bestehens noch immer so etwas wie eine eigene kleine Seele, eine Identität zu fehlen – und Räume, die sich die Schüler für die Lernpausen wünschen, Sitzmöglichkeiten und Treffpunkte, in denen sich die Jugendlichen wiederfinden. Kurz gesagt, eine Auflockerung der strikten, funktionalen Architektur.

Das soll nun ein Kunstprojekt ändern, das der Förderverein Seecampus Schwarzheide-Lauchhammer gemeinsam mit dem europäischen Netzwerk „Neue Auftraggeber“ und dem Brandenburgischen Kunstverein Potsdam auf den Weg gebracht hat. „Dass wir uns gefunden haben, war ein Glücksfall“, freut sich Paul-Gerhard Thiele, der Vorsitzende des Fördervereins Seecampus. Der Verein habe schon seit Jahren versucht, Partner für ein Konzept zu begeistern, um mit „Kunst am Bau“ oder über künstlerische Projekte mit Schülerbeteiligung das Schulgebäude besser „als zukunftsweisenden Lernort fühlbar zu machen“.

Jetzt ist der Stein in Schwarzheide bereits ins Rollen gebracht. Das Netzwerk „Neue Auftraggeber“, das seit den 90er-Jahren schon gut 500 Projekte in ganz Europa umgesetzt hat, hat sechs international renommierte Künstler gewinnen können. Alle sechs haben sich in den vergangenen Monaten im Seecampus in Schwarzheide vor Ort umgeschaut und sind mit den jungen Nutzern der Schule in den Gedankenaustausch gekommen, haben sogar teilweise in Workshops erste Ideen ausprobiert und das Gebäude mit seinen Möglichkeiten erkundet. Auch eine Schülerbefragung zu Wünschen war Teil des Projektes.

Seit dieser Woche liegen nun sechs hoch interessante, sehr unterschiedliche Entwürfe, Visionen und Ideen der Künstler vor und sind in einer Ausstellung in der Seecampus-Aula ausgestellt. Das Ergebnis ist genauso verblüffend wie faszinierend: Der Niederländer Joep Van Lieshout schlägt unter dem Titel „King Kong“ zum Beispiel einen Gemeinschaftsort vor, der einem Affenfelsen nachempfunden ist – mit Plätzen für die Schüler zum Sich-Darstellen und ebenso zum Zurückziehen. Die deutsche Installationskünstlerin Franka Hörnschemeyer favorisiert eine flexibel montierbare Konstruktion, die wie ein frei schwebendes Dach zusätzlichen Raum neben dem genormten Schulgebäude schafft. Unter der Überschrift „Klappe“ hat die Niederländerin Hester Oerlemans eine Innenwandgestaltung entwickelt mit ausklappbaren Sitzen in Form von Sprech- und Gedankenblasen. Eine außen angebaute Wendeltreppe zum Dach könnte den verschlossenen Eindruck des Gebäudes aufbrechen, findet der niederländische Künstler John Körmeling. Der Berliner Martin Kaltwasser will das Schulumfeld gemeinsam mit den Schülern als einen Ort kreativer Gestaltungsfreiheit entdecken - von Fassadenmalerei über Schulgarten bis zu einerTerrassenlandschaft. Und der Pole Pawel Alt­hamer schlägt ein kreatives Sommercamp mit jungen Leuten vor, die sich grundsätzlich mit der Schul­erfahrung (dem Gebäude mit zwei Schulen) auseinandersetzen und dazu passend äußerliche Veränderungen vornehmen. Eine Fachjury wird aus allen sechs Entwürfen ein favorisiertes Konzept auswählen.

Gerrit Gohlke vom Netzwerk „Neue Auftraggeber“ ist begeistert, wie der ganze Prozess zwischen Künstlern und Schule bisher als ein großer Dialog mit Offenheit und Vertrauen abgelaufen ist. Die Exzellenz von Schulen werde heutzutage immer stärker an Kreativität und Eigenbeteiligung der Schüler gemessen. „Und das ist hier in Schwarzheide bisher besonders toll gelungen.“