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Entspannung blieb diesmal in der Burger Bleiche aus

Michael Proehl im Gespräch mit Hotelchefin Christine Clausing.
Michael Proehl im Gespräch mit Hotelchefin Christine Clausing. FOTO: Elsner
Burg. Der Berliner Tatort-Autor Michael Proehl hat am Mittwochabend in den Landtherme-Lichtspielen der "Bleiche" mit zwei Frühwerken seinen Einstieg als erster Spreewald-Literatur-Stipendiat des Jahres 2016 gegeben. Das Publikum genoss den Schauer des Thrillers und unerwartete Wendungen einer düsteren Liebesgeschichte und dankte mit großer Wissbegier. Ulrike Elsner

Ein Journalist interviewt einen Serienmörder. Keine ungewöhnliche Ausgangssituation für einen Thriller. Doch wie dann Wendung auf Wendung folgt, lässt den Zuschauern im kleinen Kinosaal des Hotels Bleiche keine Chance zur Entspannung. "Interview", ein Psycho-Krimi à la Hitchcock, zu dem Michael Proehl das Drehbuch geliefert hat, versetzt das Publikum in Debattierlaune. Der Drehbuchautor des vielfach preisgekrönten Kurzfilms zeigt sich zudem äußerst auskunftsfreudig. So ergeben sich trotz Schummerlichts und halbliegender Sitzposition der Gäste immer neue Fragen.

Er liebe es, wenn ein Thriller mit den Erwartungen der Zuschauer spielt, gesteht Proehl. Andererseits sei es ihm als Autor lieber, wenn von Anfang an feststeht, wer der Täter ist. Dann könne er seine Ängste und Bedürfnisse zeigen. "Möglicherweise wünscht man sich dann auch", so Proehl, "dass der Täter nicht entdeckt wird."

Mittlerweile stehen fünf Tatorte im Werksverzeichnis des Autors. "Weil sie böse sind", ein mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneter ungewöhnlicher Tatort mit Andrea Sawatzki und Matthias Schweighöfer, wird am

Mittwoch in der Bleiche gezeigt.

Auch der Hauptfilm vom vergangenen Mittwoch, "Katze im Sack", ist preisgekrönt. Erzählt wird von der Kellnerin Doris, ihrer Affäre zum alternden Sicherheitsfachmann Brockmann und ihrer seltsamen Reisebekanntschaft Karl. "Die Figuren verhalten sich anormal", räumt der Autor ein. Warum, wird nicht erklärt, lässt sich jedoch erahnen. Proehls Befürchtung: "Sie werden den Film vielleicht nicht mögen", bestätigt sich jedoch nicht. Was in einer langen Nacht voll

Karaoke, riskanten Wetten, heimlichen Blicken und unheimlichen Gefühlen geschieht, macht vielleicht im ersten Moment sprachlos, lässt aber keinen kalt.

Die Jury, die vier Literatur-Stipendiaten aus 150 Bewerbern auszuwählen hatte, bewies wieder eine glückliche Hand.

Zum Thema:
13. Januar: Tatort "Weil sie böse sind" 20. Januar: "Driften" 27. Januar: Tatort "Im Schmerz geboren" Beginn jeweils 17 Uhr, Eintritt frei, Reservierung: Telefon 035603 620 oder reservierung@bleiche.de