Von Andrea Budich

Im Dorf im südwestlichen Zipfel des  Landkreises brennt die Luft. Zu viele Schulkinder, zu wenig Platz in der  Grundschule, in der es weder Werken- noch Physik- oder Musikraum gibt. Mit  Ranzen,  Brotbüchse und Federmappe unterm Arm müssen die 173 Kinder deshalb regelmäßig ausquartiert werden und im Kindergarten und Sportlerheim zum Unterricht Unterschlupf finden. Platznot, fehlende Fachräume und Kritik  an den Lern- und Lehrbedingungen machen Kindern,  Pädagogen und Eltern seit Jahren zu schaffen. Eine engagierte Elterninitiative trommelt für die Interessen der Kinder und hat bereits öffentlich den Bau einer neuen modernen Landschule diskutiert.

Dass jetzt auch noch die Container-Notlösung geplatzt ist, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Das Modul mit den zwei Klassenräumen sollte als temporäre Zwischenlösung etwas mehr Luft im Großkmehlener Schulalltag  schaffen und war  zwischen allen Beteiligten fest vereinbart.

Die Container gegen den Platzmangel wird es als schnelle Lösung nicht geben. „Da haben uns die strengen Brandenburger Bauvorschriften einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bestätigt Ort­rands Amtsdirektor  Kersten Sickert. Ein Angebot bei einer  renommierten Container-Firma aus Dresden war bereits eingeholt. Die Ausführung entsprach aber nicht den Brandenburger Erfordernissen. Beispielsweise was die Türbreite von 1,20 Meter  betrifft.

Inzwischen sind zwar Kontakte zu einer Brandenburger Container-Firma geknüpft, die sämtliche Vorgaben erfüllt, das Vorhaben schiebt  sich aber dennoch deutlich in die Länge.

„Die neuen Container kosten 10 000 Euro mehr als  das Vorgängermodell aus Sachsen. Die Entscheidung, ob die Gemeinde Großkmehlen sie als Schulträger  kauft oder nicht, kann erst  bei der  nächsten Gemeindevertretersitzung fallen“, erklärt Sickert. Termin für die  konstituierende Sitzung der neuen Großkmehlener Gemeindevertretung ist der 13. Juni. Ob dann aber gleich bei der allerersten Zusammenkunft  das strittige Schulthema auf die Tagesordnung gesetzt wird, ist zumindest noch offen.

„Wir wissen  daher  nicht, ob das neue Schuljahr im August  mit oder ohne Container beginnt“, räumt Großkmehlens Schulleiterin  Martina Lorenz ein großes Fragezeichen in der bereits laufenden Planung fürs nächste Schuljahr ein.

Die  geplatzte Container-Notlösung hat die Elternschaft hingegen weiter aufgebracht. „Es reicht. Wir drehen uns im Kreis, und es passiert  nichts, was die Platznot auch nur ansatzweise lindern würde“, sagt Diana Wunderlich als Vorsitzende der Elternkonferenz und Mitglied der Elterninitiative. „Jeder Termin verstreicht und nichts passiert“, wollen sich auch Denise Mantai und Mirko Wieden nicht länger vertrösten lassen. Beide verweisen auf die nach wie vor fehlenden Unterrichtsräume im sanierten Wasserschloss nebenan.

Die Zusage von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zur Nutzung dieser  Räume  gibt es seit anderthalb Jahren. Der Fördermittelbescheid hat aber nach sechs Monaten  die Gemeinde als Schulträgerin noch nicht erreicht. „Ob die Klassenräume im Schloss jemals kommen, erscheint daher auch für die Schulleiterin in weite Ferne gerückt.

Container und Schloss - beides sind für die Elterninitiative Notlösungen, die das eigentliche  Problem nicht lösen. „Wir müssen stattdessen perspektivisch  in die Zukunft denken“, bringt  Diana  Wunderlich den Standpunkt der Elterninitiative auf den Punkt. Als langfristige Lösung kommt für die Großkmehlener Eltern daher nur der Bau einer neuen zeitgemäßen Grundschule in Frage. Auch die Schulkonferenz hat inzwischen einem Neubau zugestimmt.

Container und Schloss sind auch für den Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert nur  kurz- und mittelfristige Behelfs-Brücken. Perspektivisch hält auch er einen Schul-Neubau am sinnvollsten.  Dafür  sei aber eine Übergabe der Schulen in die Trägerschaft des Amtes Ortrand eine zwingend notwendige Voraussetzung.