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Eltern in Aufruhr wegen Mammutklasse

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Lauchhammer. Die Zuckertüten für den ersten Schultag sind gerade einmal gekauft, geschweige denn befüllt und verteilt. Dennoch haben die Eltern der Abc-Schützen in Lauchhammer beim Thema Schule den Kanal bereits gestrichen voll. Andrea Budich

Die Kinder, die ihre Schultüten in der Waldschule in Lauchhammer-Ost ausgeteilt bekommen, werden in einer Klasse mit 30 Schülern Rechnen und Schreiben lernen. Diese Situation halten die Eltern für inakzeptabel und unzumutbar - zumal die Gesamtkapazität der Schule und die Schülerzahlen eine Klassenbildung von zwei Eingangsklassen rechtfertigen und zulassen. Eltern und die Stadt als Schulträgerin sowie das Stadtparlament kritisieren die Entscheidung des Staatlichen Schulamtes auf das Schärfste.

Auf der Suche nach einer Lösung, die für alle akzepabel ist, hat es am Dienstagabend im Rathaus eine sachliche, aber zugleich auch sehr emotionale Aussprache zwischen Eltern, Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) und der zuständigen Schulrätin Dagmar Kittel vom Staatlichen Schulamt Cottbus gegeben. Gut zwei Dutzend Eltern haben mitdiskutiert. Nach anderthalbstündiger Debatte steht fest, dass für die Elternschaft die Entscheidung des Schulamtes zur Bildung von nur einer Klasse an der Waldschule nicht nachvollziehbar bleibt. Gemeinsam mit dem Bürgermeister wollen sie in der Sache kräftig Dampf machen. Nachdem sie bereits den Bundes- und Landeselternrat einbezogen haben, ist am Mittwochabend von Lauchhammers Stadtverordneten eine Protestnote an Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske verabschiedet worden. Darin wird gefordert, die Entscheidung des Staatlichen Schulamtes kritisch zu prüfen und möglichst zu revidieren. "Das letzte Wort hat jetzt das Land", so der Bürgermeister.

Trotz des heftigen Eltern-Ummutes verteidigt Schulrätin Dagmar Kittel die Entscheidung des Schulamtes zur Klassenbildung in Lauchhammer. Sie verweist zum einen auf die "erheblich abgerutschten Schülerzahlen". Die von der Stadt Lauchhammer im Rahmen des Einschulungsverfahrens noch im November beantragten fünf ersten Klassen wurden daher auf vier reduziert. Mit insgesamt aktuell 103 Lernanfängern im gesamten Stadtgebiet ist nach Sicht des Schulamtes die Bildung von fünf Klassen nicht gerechtfertigt.

In der Waldschule wird es somit nur eine erste Klasse mit 30 Schülern geben. Alle Kinder, die im Schulbezirk wohnen, können die Waldschule besuchen. "Kein Kind muss einer anderen Schule zugewiesen werden", bestätigt die Schulrätin. Allerdings ist mit der Klassenstärke 30 auch die maximale Aufnahmekapazität ausgereizt. Das bedeutet, dass alle Eltern, die einen Antrag auf den Besuch einer anderen als der zuständigen Grundschule gestellt haben, einen Ablehnungsbescheid für die Waldschule im Briefkasten hatten. Aufgrund der ausgereizten Aufnahmekapazität wurden in diesen Fällen wichtige Gründe der Eltern überhaupt nicht mehr geprüft.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, an der Waldschule nur eine erste Klasse zu bilden, war aber auch die Lehrer-Not. Das hat Schulrätin Dagmar Kittel eingeräumt und erklärt, dass aus diesem Grund streng auf die Klassenbildung geschaut werden müsse. Die Situation sei so dramatisch, dass derzeit für vier Klassen im Landkreis OSL noch Grundschullehrer fehlen. Das betrifft auch die Regenbogen-Grundschule und die Grundschule "Am See" in Senftenberg. "Wir haben niemanden, den wir vor diese Klassen stellen können", so Kittel.

Um die Not an der Waldschule zu lindern, bekommt die Mammutklasse zwei Teilungsstunden zugesprochen. Von den 21 Unterrichtsstunden können acht Stunden mit Zweitlehrer-Besetzung abgefedert werden. An der Elternkritik ändert das wenig. "Es geht immer nur um Zahlen. Unsere Kinder zählen nicht", bringt Vater Henry Tschacher seine Meinung auf den Punkt.