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Elster schlängelt sich zwischen Kraut und Bäumen

Die Schwarze Elster, hier in Buchwalde, bahnt sich ihren Weg durch das fast zugewachsene Flussbett mit baumbestandenen Deichen.
Die Schwarze Elster, hier in Buchwalde, bahnt sich ihren Weg durch das fast zugewachsene Flussbett mit baumbestandenen Deichen. FOTO: Feller
Senftenberg. Die Fluss- und Deichschau an der Schwarzen Elster ist ernüchternd: Für die Pflege ist gerade noch so Geld vorhanden. Nennenswerte Investitionen sind Fehlanzeige. Das Vorland ist auszubaggern und die Deiche sind zu erneuern Manfred Feller

Der Kontrast kann nicht größer sein. An der Grenze Brandenburg - Sachsen treffen zwei Wasserwelten, zwei Hochwasserschutzphilosophien aufeinander. Dort drüben die kanalartig ausgebaute Schwarze Elster. Hier ist der Fluss ein herrlich grünes Paradies für Pflanzen und Tiere. Auf den ersten Blick scheinen Natur und Erfordernis im Einklang. Ob das im Hochwasserfall noch genauso sein wird?

Deichpflege. Die zweite Mahd auf den Deichen wird noch dieses Jahr erfolgen. Davon ausgenommen ist das Stadtgebiet von Senftenberg, kritisiert Ina Zschiesche, Sachgebietsleiterin der Unteren Wasserbehörde des Landkreises. "Es kann nicht sein, dass die ordnungsgemäße Unterhaltung nicht läuft", sagt sie. Der Grund liegt laut Christian Harig, Bereichsingenieur des Landesamtes für Umwelt, darin, dass Arbeiten aus 2015 mit Geldern aus diesem Jahr bezahlt worden sind. "Das ist eine Fehldisposition", moniert er.

Dagegen sieht das Deichvorland bei Biehlen wie frisch gemäht aus. Darum kümmert sich die Agrargenossenschaft "Elster/Pulsnitz" aus Frauendorf. "Die braucht das Futter", weiß Christian Harig.

Deichverteidigung. Um hinter den Deich zu gelangen, muss es Wege dorthin und vor allem parallel dazu geben, sogenannte Deichverteidigungswege. Im Hochwasserfall muss die Feuerwehr schnell mit schwerer Technik und Sandsackvorräten vorrücken können. Doch viele Wege, wie zwischen Brieske und Biehlen, sind in keinem guten Zustand, bemerkt Ina Zschiesche. Regen und aus den Deichen sickerndes Wasser würden sie für Fahrzeuge schwer passierbar machen.

Probleme gibt es seit Jahren in bebauten Gebieten, wie teilweise in Kleinkoschen. Die alte Richtlinie, so Eva-Maria Hein, wonach neben dem Deich drei Meter freizuhalten sind, gilt nicht mehr. Fünf Meter sind heute die Norm. In Senftenberg, so eine Vertreterin der Stadt, werden zum Beispiel Gärten der Sparte "Heimat- ruh" an der Elster nicht mehr weiterverpachtet, wenn sie aufgegeben werden. Was am Deich im Weg steht, wird abgerissen.

Krautung. Der Wasserlauf der Schwarzen Elster ist fast zugewachsen. Demnächst wird von der Landesgrenze bei Kleinkoschen bis zur Kreisgrenze Elbe-Elster gekrautet. Die Arbeiten beginnen laut Christian Harig in der zweiten Novemberwoche und enden Anfang Dezember.

Bäume. Im Gegensatz zu Sachsen werden hier die Bäume auf den Deichen und dem Vorland nicht rigoros gefällt. Lediglich die abgestorbenen werden entfernt, jedoch nicht nur neue ersetzt. Die vorhandenen Bäume seien wild gewachsen.

Wehr. Der nicht voll funktionsfähige Zustand des Wehres Buchwalde wird seit Jahren kritisiert. Errichtet hat es die LMBV. Das Land, so Eva-Maria Hein von der Wasserbehörde des Kreises, wird dieses erst dann übernehmen, wenn es mängelfrei ist. "Der Zustand ist noch wie vor einem Jahr", kritisiert Bereichsingenieur Christian Harig trotz Protokoll und Gesprächen. Weil die Steuerung nicht in Ordnung ist, sich ein Schütz nicht korrekt bedienen lässt, fließt mehr Wasser durch das Wehr, als gewollt. Dies sei - neben den Reparaturarbeiten am Verteilerwehr Kleinkoschen, ein Grund dafür gewesen, warum die Elster zwischen Kleinkoschen und Buchwalde im Juli trockengefallen war und Fische qualvoll sterben mussten.

Deichsanierung. Die altersschwachen Deiche der Schwarzen Elster müssen insgesamt angefasst werden. Von möglicherweise angelaufenen Planungen weiß Christian Harig nichts. Deshalb erhoffen sich die Teilnehmer der Fluss- und Deichschau neue Erkenntnisse von einer Informationsveranstaltung am 1. November, 16.30 Uhr, im Stadthaus Elsterwerda. Dann stellt das Landesamt für Umwelt seine Pläne für die Elster und deren Einzugsgebiet mit der Pulsnitz vor.

Flussbett und Vorland. Nach Kenntnis von Christian Harig ist die Schwarze Elster zuletzt 1991/92 ausgebaggert worden. Das Material wurde weggefahren. Anders zu DDR-Zeiten. Da sei es streckenweise einfach auf das Vorland gekippt worden. Dadurch verringerte sich die Durchflussmenge im Hochwasserfall. Die Erdmassen auf dem Vorland zwischen den Deichen müssten heute teilweise bis zu einem Meter tief abgetragen und das erforderliche Profil in Doppeltrapezform wieder hergestellt werden.

Brücken. Alle Elster-Brücken, für die die Stadt Senftenberg verantwortlich ist, kommen nach Aussage von André Nickel, Leiter des Ordnungsamtes, im Zuge der aktuellen Haushaltsdiskussion auf den Prüfstand. Wie ist der bauliche Zustand? Wird tatsächlich noch jedes Bauwerk gebraucht? Sanierungsbedarf bestehe auf jeden Fall, wie an der Brücke unweit der Steigerstraße.