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| 13:04 Uhr

Eisiges, aber herzliches Großräschen

Großräschen. Mit knapp 60 Teilnehmern ist am Montagvormittag der Bürgermarsch für Aleppo fortgesetzt worden. Vom Großräschener Marktplatz führte die verschneite Route nach Ruhland. Von den Kommunen ist die Gruppe freundlich aufgenommen worden. Es gab aber auch spannende Momente. jag

Stefanie Ring ist die Wanderschaft wohl bekannt. Die Tischlerin aus Bad Belzig kennt lange beschwerliche Wege. Schon als Gesellin war sie vier Jahre lang auf der Walz. Nun geht sie wieder wandern. Ende Dezember schließt sich die 49-Jährige dem Bürgermarsch für Aleppo an. Am zweiten Weihnachtsfeiertag zieht sie mit Gleichgesinnten vom Tempelhofer Feld in Berlin in Richtung Süden durch die Lausitz, über Golßen, durch Calau, Großräschen nach Ruhland.

Fernsehsender, Zeitungen und Radios aus der ganzen Welt berichten von der unkonventionellen Friedensaktion. Fast 4000 Kilometer lang ist der Marsch, dem sich jeder Bürger anschließen kann. Er führt über einen Teil der Flüchtlingsroute rückwärts durch Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei. "Wir wollen der Welt zeigen, dass es nicht zu spät zum Handeln ist. Die europäischen Politiker helfen nicht. Deswegen müssen wir Bürger Europas handeln", erklärt die Initiatorin Anna Alboth. Mit dem Marsch wolle sie die Botschaft senden, dass es noch Hoffnung für Frieden in Syrien gibt.

In der Lausitz sind die Teilnehmer bisher herzlich empfangen worden. Das bestätigen die Teilnehmer. Die Kommunen haben kurzfristig Schlafmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. In Großräschen übernachtet ein Teil im Vereinsgebäude des SV Großrä-schen. Die andere Hälfte kommt bei syrischen Familien unter, die in der Stadt in Wohnungen leben. Die Ehrenamtlerin Christiane Baborowski organisiert für den Abend ein fröhliches Miteinander mit Essen im Gemeindezentrum der Baptisten.

"Es gab aber auch spannende Momente", sagt Sebastian Olényi aus dem Organisations-Team. In Golßen habe es eine kleine Gegendemo gegeben. Und auch in Großräschen habe sich am Abend eine etwa 20 Mann große Gruppe formiert, die am Vereinsheim vorbeigelaufen ist. "Wir sind ins Gespräch gekommen. Letzten Endes ist aber nichts passiert", sagt Sebastian Olényi. Im Gegenteil: "Wir bekommen sehr viel Unterstützung, das ist überwältigend und herzerwärmend."

Eingepackt in dicke Wintersachen stapft Stefanie Ring am Montagvormittag gemeinsam mit etwa 60 Teilnehmern vom Großräschener Markt aus entlang der Bundesstraße. Der Schnee peitscht ihr ins gut durchblutete Gesicht. Nichts tun in der Flüchtlingskrise - das komme für sie nicht infrage. Nur was? Als ihr eine Freundin vom Bürgermarsch erzählt, "war sofort klar, dass ich mitmache".

Zum Thema:
Für die Kommunen ist der bei den Behörden angemeldete Bürgermarsch für Aleppo eine logistische Herausforderung. Drei Einsatzwagen der Polizei begleiten die Aktion ständig. Auch die kurzfristige Bereitstellung von Übernachtungsmöglichkeiten ist nicht einfach. "Die Organisation ist schon grenzwertig und ein schmaler Grat zwischen Spontanität und Unvernunft", sagt Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD). Für ihn habe aber von Beginn an festgestanden: "Bei uns muss keiner in Zelten schlafen."