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Eisdecke auf Senftenberger See wird überschätzt

Bello am Stöckchen auf dem Eis zu trainieren, ist auf dem dünnen Eis des Senftenberger Sees derzeit noch zu gefährlich für die Familie.
Bello am Stöckchen auf dem Eis zu trainieren, ist auf dem dünnen Eis des Senftenberger Sees derzeit noch zu gefährlich für die Familie. FOTO: Renate Hensel/rhs1
Senftenberg/Lauchhammer. Der Tritt aufs Eis ist verlockend. Derzeit auch am Senftenberger See. Mutige wagen sich auf das gefrorene Wasser. Das aber ist derzeit lebensgefährlich, warnt Gerhard Kaergel eindringlich. Und der hiesige Wasserwächter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) kennt den See sehr gut. Kathleen Weser und Mirko Sattler

Der Temperatursturz zur Nacht ist nicht tief genug. Tags ist die Quecksilbersäule in den vergangenen Tagen bei Plus-Graden stehen oder deutlich über der zweistelligen Minusmarke geblieben. Das bestätigt RUNDSCHAU-Wetterfrosch Rudolf Kupfer aus Lindenau. Die Eisschicht auf dem Senftenberger See trägt Mensch und Tier deshalb keinesfalls schon sicher.

Das sagt auch Gerhard Kaergel, der oberste der hiesigen Wasserwächter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der geraden den Senftenberger See sehr gut kennt. "Ich kann nur davor warnen, das Eis zu betreten", erklärt er. Dass Eltern mit Kindern auf der zu dünnen Eisschicht zu sehen sind, beurteilt er "als sehr leichtsinnig". Wenigstens eine Woche durchgängig tiefen Frost im zweistelligen Temperaturbereich unter null Grad Celsius brauche der See, um eine tragfähige Eisschicht mindestens in einer Mächtigkeit von mehr als 20 Zentimetern zu bilden. In der Zeit sei auch absolute Windstille erforderlich. Tag und Nacht. Derzeit sei das Eis höchstens etwa halb so dick. "Der Senftenberger See wird als Speicherbecken bewirtschaftet. Elsterwasser fließt ihm mit Temperaturunterschieden zu", erklärt Kaergel weiter. Wasser werde auch abgelassen. Dann werde es besonders gefährlich auf zu dünnem Eis. "Unter der Eisschicht entstehen dann Hohlräume, die Decke hängt durch und kann schneller brechen", erläutert der Chef der Senftenberger Wasserwacht. Der große See unterliege zudem ganz verschiedenen Strömungsverhältnissen und habe auch nicht flächendeckend die gleiche Wärme gespeichert. Das mache ihn auch im Winter unberechenbarer als kleine Gewässer. Die böten auch Spaß auf dem Eispanzer und seien sicherer. Vom Gang auf den Senftenberger See über das sichere Ufer hinaus rät der Wasserwächter eindringlich ab.

Frank Habich (56) aus Lauchhammer-Süd hat sich im Strandbad Lauchhammer-West zum Eis angeln eingefunden. An bis zu acht Eislöchern versucht er sein Glück dieser Tage. Das Eis ist derzeit zwölf Zentimeter dick. Er sagt, es trage ihn und seine Angelutensilien sicher. Plötzen und Bleie hat er gefangen, allerdings nur als Köderfische. Aber der Hecht, den er im Visier hat, beißt nicht, bedauert er. Der Raubfisch darf nur noch bis Ende des Monats gefangen werden. Vier Stunden am Tag sitzt er auf dem kleinen Gewässer. "Meine Frau hat schon geschimpft, weil sie Angst um mich hatte", bestätigt er. "Aber ich konnte sie beruhigen. Früher war ich schon bei einer sechs Zentimeter dicken Eisdecke hier", sagt Frank Habich. Im Strandbad beißen die Fische am besten, behauptet er. Freunde indes berichteten, am Senftenberger See erfolglos gewesen zu sein.

"Ich angele seit meinem 13. Lebensjahr", erzählt Frank Habich. Inzwischen vorwiegend im Winter. Denn im Sommer sei er in Österreich auf Montage. Bis auf die Angelruten, die für das Eisangeln kleiner seien, sei die Ausrüstung aber ganzjährig nutzbar. Das Eis werde sanft behandelt. "Früher sind die Löcher mit der Axt eingeschlagen worden. Heute kommt ein Eisbohrer von 17,5 Zentimetern zum Einsatz", erklärt er. Mit bis zu fünf Lagen Kleidung frönt der leidenschaftliche Angler jetzt seinem Hobby. Und an den Wochenenden hat er Gesellschaft von bis zu 20 Gleichgesinnten.

Zum Thema:
Wetter-Experten bestätigen: Richtwerte für ein gefahrloses Betreten von Eisflächen gibt es nicht. In der Regel aber sind Mensch und Tier auf stehenden Gewässern mit einer Eisdicke von 15 Zentimetern auf der sicheren Seite. Auf fließenden Gewässern müssen mindestens 25 Zentimeter vorhanden sein. Erfahrungsgemäß sind Seen und Flüsse sicher betretbar, wenn sich der Eispanzer in der Mitte zu wölben beginnt. Denn Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus und die Wasserfläche wird durch das Ufer begrenzt.