Von Torsten Richter-Zippack

Einen ganz besonderen Schatz hütet das Weißgerbermuseum in Doberlug-Kirchhain: Denn dort wird eine Urkunde bewahrt, in der Drochow erstmals urkundlich erwähnt wird. Datiert ist das Dokument auf das Jahr 1419. Damals ging die Siedlung als alter Köckritscher Besitz in das Eigentum des Klosters Dobrilug über, hat Kerstin Most, Vorsitzende des Kulturvereins Drochow, recherchiert. „Aber unser Ort ist älter“, erklärt die Frau, die sich einst um die Ortschronik kümmerte. „Ich habe einen Hinweis auf das Jahr 1397 gefunden. Darin geht es um eine Auskunft, wohin mehrere Orte zugeschlagen wurden. Da ist Drochow mit dabei“, ergänzt Ortsvorsteher Joachim Kniep.

Jetzt sind laut der Urkunde genau 600 Jahre ins Land gegangen. „Wir planen deshalb unsere erste Jahrfeier in Drochow überhaupt“, kündigt Kerstin Most an. Am Wochenende 31. August/1. September ist es soweit. Schon seit längerem hält das sechsköpfige Festkomitee, bestehend aus Mitgliedern des Kulturvereins und der örtlichen Feuerwehr, die Fäden in der Hand. „Organisiert sind bereits ein Kinderprogramm, ein Trödelmarkt sowie diverse Schausteller“, zählt Most auf. Vieles sei noch in Planung. Darüber hinaus überlegen die Drochower, einen historischen Festumzug auf die Beine zu stellen. Dabei gibt es aber ein Problem: „Im Dorf leben rund 230 Menschen. Davon würden viele im Umzug mitwirken. Wer soll denn dann noch an den Straßenrändern stehen und uns zuwinken?“, fragt Kerstin Most. Bis zum Frühsommer werde aber feststehen, ob es den Festzug gibt oder nicht. Den bislang letzten seiner Art gab es zum Jubiläum 50 Jahre Feuerwehr anno 1984. Damals hatte sich ein großer Tross mit Blaskapelle durch den Ort bewegt.

Auf jeden Fall wollen die Protagonisten eine historische Ausstellung zum Ortsjubiläum in die Wege leiten. Material über Drochow wurde bereits eine Menge gesammelt. So verweist Kerstin Most beispielsweise auf ihre Sammlung uralter Sportzeitungen. Denn während der 1950er-Jahre waren die Drochower ganz stark im Handballspiel. Die örtliche Mannschaft mischte sogar im Landesspielbetrieb mit. Darüber hinaus gibt es mehrere Ansichtskarten des Ortes. Diese zeigen unter anderem das einstige Gutshaus mit Turm. Das Gebäude existiert zwar noch, heute als Kinderheim genutzt, allerdings fehlt der markante Turm. „Es wird erzählt“, berichtet Joachim Kniep, „dass sich auf ihm am Ende des Zweiten Weltkrieges eine Maschinengewehr-Stellung befand. Von dort wurden die sowjetischen Panzer auf der nahen Autobahn beschossen. Letztlich zielten die Rotarmisten auf den Turm und schossen ihn herunter.“

Feuerwehr und Kulturverein sind in Drochow die Protagonisten für Veranstaltungen. In diesem Jahr gesellen sich neben der 600. Wiederkehr der Drochower Ersterwähnung weitere Jubiläen. Die Feuerwehr wurde am 24. April 1934, also vor 85 Jahren, gegründet. Heute engagieren sich unter der Leitung von Kai-Uwe Krahl rund 40 Kameraden. Der erste Wehrleiter hieß Max Krause, sein Stellvertreter Erich Bauer. Vor genau einem Vierteljahrhundert wurde der Kulturverein ins Leben gerufen. Dessen Namen ist untrennbar mit seinem geistigen Vater Udo Bauer verbunden. Darüber hinaus erfolgte am 5. September 2009 die Eröffnung des Vereinsheims auf dem Sportplatz.

Mehr noch: 115 Jahre sind ins Land gegangen, als der Ort die erste Schule erhielt. Vorher mussten die Kinder den beschwerlichen, rund drei Kilometer langen Weg ins benachbarte Saalhausen zurücklegen, freilich zu Fuß. Kein Wunder, dass sich in den alten Akten noch heute die verschiedensten Entschuldigungen Drochower Eltern nachlesen lassen: krank, schlechtes Wetter, keine Zeit wegen der Ernte und so weiter. Das hat Ortsvorsteher Kniep recherchiert. Er selbst wurde selbst noch in die Drochower Schule eingeschult, die bis zum Beginn der 1950er-Jahre Bestand hatte. „Es war einfach eine richtig schöne Zeit“, resümiert der 75-Jährige noch heute.