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Einstein vor unserer Zeit im Amphitheater

Den Mimen aus Großkoschen wird körperlicher Einsatz abgefordert – auch beim Holztanz.
Den Mimen aus Großkoschen wird körperlicher Einsatz abgefordert – auch beim Holztanz. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großkoschen. Die Mimen des großartigen Dorftheaters Großkoschen nehmen ur-komisch das Zusammenleben von Frauen und Männern aufs Korn. Kathleen Weser

Aus der Not heraus ist in Großkoschen ein großartiges Laientheater entstanden, das - auch am Wochenende wieder - die Arena des Amphitheaters am Senftenberger See füllt. Zum Glück waren schon vor Jahren die Künstler, die das Dorffest-Programm aufpeppen sollten, entschieden zu teuer geworden. In Ermangelung erschwinglicher Unterhalter sind selbstbewusste Großkoschener daher zu dem Schluss gekommen: "Das können wir selbst", erzählt Stefanie Horn, die im inzwischen hoch professionellen Dorftheater federführend Regie führt. Laien sind kreativ geworden - und haben das Festzelt mit ur-komischen Bühnenstücken so zum Beben gebracht, dass die besten Plätze immer heißer begehrt wurden. Denn die technisch noch wenig komfortabel ausgestatteten Mimen hatten es teilweise schwer, sich allseits verständlich zu machen. Das freilich ist Geschichte. Denn die Theaterleute rocken längst den gut ausgestatteten Amphi-Kessel. Im vergangenen Sommer haben sie hier mehr als 1000 Zuschauer bespaßt - und das verpflichtet auch für das neue Spektakel.

Mit "Einstein vor unserer Zeit" haben Sandra Noatnick, Doreen Löchelt, Doreen Lutibor, Marco Mendritzki, Stephanie Schmidt und Stefanie Horn den 30 Laiendarstellern wieder Parade-Rollen auf den Leib geschrieben. Sie gehen der spannenden Frage nach, wie Frauen und Männer naturgemäß ganz offensichtlich völlig unpassend zueinander dennoch zusammenfinden konnten. "Wir spielen mit den Vorurteilen", bestätigt Stefanie Horn. Und das absolut vergnüglich. Das hat eine der letzten Proben vor dem großen Auftritt dieser Tage im Hof der Pension "Radlerslust" schon gezeigt.

Einstein, der große Denker, lässt grüßen. Die Darsteller der Alltagssituationen, die aufs Korn genommen werden, treffen sich stets wieder an einem Stein - und in der bekannt bezaubernden Komik verpacken die Hobbymimen aus Großkoschen auch hier und da ein wenig vom Dorfklatsch. So das aktuelle Geschehen in die steinzeitliche Handlung passt. Denn das lieben die einheimischen Zuschauer besonders. Und das muss von den auswärtigen Gästen auch nicht zwingend bemerkt werden, um sich bei dem Stück gut zu amüsieren. Das verlangt den Laien neben Textsicherheit auch höchsten körperlichen Einsatz ab. Mit akkurat geschlagenen Scheiten wird beispielsweise der Holztanz auf die Bretter gesteppt. Das Training fordert die Erwachsenen gerade dieser heißen Tage stark. Die Kinder, die von Verena Goller regelmäßig bewährt und beschwingt angeleitet werden, sind leichtfüßig dabei. Das versichert die probende Eltern- und Großeltern-Generation.

Allein der Spaß zählt - auf der Bühne und davor. Doch ehrgeizig ist das Ensemble natürlich auch. Geprobt wird ernsthaft und derzeit täglich, damit auch jeder Witz sitzt und verstanden wird. Denn die flottesten Sprüche und besten Szenen behalten die Leute lange im Gedächtnis. Das ist erwiesen. Als legendär gilt bis heute der Auftritt der Häuptlingsmutter Zarte Feder, deren lieblicher Anblick sich dem Publikum nach gekonntem Drehen des Tippis auf der Bühne völlig unerwartet offenbart hatte. Als Original, der weniger wortgewandt, aber dafür absolut gestenreich darüber sprach, was in eine Schublade passt - oder nicht, hat Jens Goller in Großkoschen nachhaltig mit Theatergeschichte geschrieben.

Gemeinsam mit Andreas Rakel baut er zudem mit Hingabe an den Kulissen. Die Friedenspfeife, die aus einer Gardinenstange gezaubert wurde, bleibt unvergesslich.

Für die Premiere dieses Sommers läuft auch Bernhard Röser (74) erneut zur Höchstform auf. Die Damen im Laientheater schwärmen von seiner prägnanten Stimme als Erzähler und darüber hinaus auch vom ausdauernden Talent am Herd: "Seit Wochen kocht er für unser Stück schon Knochen", bestätigt Stefanie Horn lachend. Zum Einsatz dieser mühsam aufbereiteten Naturalien schweigt sie noch. Doch die über den Wortsinn hinaus erkennbaren Urgesteine, die die Bühne betreten, lassen Einiges erahnen. Denn sie strotzen vor Manneskraft. Schließlich haben sie das Feuer gebändigt, die Erdanziehung überwunden, sind auf den Mond geflogen und wissen auch um das Wetter von morgen … haben aber vor allem mit den keimfreien, vegetarisch gesund lebenden und streng auf das Äußere bedachten Mitmenschinnen so ihre Probleme - wie das auch umgekehrt der Fall und zu erleben ist.

Zum Thema:
Für "Einstein vor unserer Zeit" im Amphitheater Großkoschen sind nur noch Restkarten zu haben. Vorstellungen gibt's am Freitag, dem 23. Juni, 20 Uhr, und am Sonnabend, dem 25. Juni, 18 Uhr.Theaterkasse: 03573 801 286karten@theater-senftenberg.de