ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:48 Uhr

Einst Bürger vor Feinden bewahrt

Werner Kranke (r.) ist der neue König der Ruhlander Schützengesellschaft. Präsident Hans-Joachim Glaser gratuliert ihm.
Werner Kranke (r.) ist der neue König der Ruhlander Schützengesellschaft. Präsident Hans-Joachim Glaser gratuliert ihm. FOTO: Sattler/sam1
Ruhland. Ein ganzes Wochenende lag die Kleinstadt Ruhland in der Hand der Schützen. Nicht weniger als 13 befreundete Vereine waren der Einladung der Gastgeber gefolgt, um sich beim 22. Schützenfest sportlich zu messen und gemeinsam zu feiern. Mirko Sattler / sam1

Bei herrlichem Sonnenschein wurde am Sonnabend das nunmehr 22. Schützenfest auf dem Marktplatz in Ruhland eröffnet. Einige Schaulustige haben sich diese Zeremonie in Regie der Schützengesellschaft Ruhland 1345 nicht entgehen lassen. Mit einem Festumzug ging es anschließend zum Schützenhaus.

Das Wirken der Schützen des Elsterstädtchens geht auf eine lange Tradition zurück. "Erstmals erwähnt wurde Ruhland im Jahre 1317. Um die Einwohner vor Feinden zu schützen, wurde 1345 die Schützengilde gegründet. Dies ist handschriftlich im Stadtarchiv belegt", weiß Schützengesellschaftspräsident Hans-Joachim Glaser. Er hat während der Eröffnung von Kreisschützenmeister Lothar Engler im Namen des Brandenburger Schützenbundes den Verdienstorden II. Klasse erhalten.

Einer der Brände in der Vergangenheit zerstörte nicht nur die Vereinsfahne, die die Gräfin von Bohm im Jahre 1740 geschenkt hatte, sondern die Schützengesellschaft verlor auch ihr Schießhaus im Jahre 1768.

Heute trainieren die 21 Mitglieder des ältesten Vereines Brandenburgs in einem modernen Haus gleich neben der Gaststätte "Schützenhaus". An zehn Schießständen wird überwiegend mit Luftgewehr geschossen. "Das Schießen mit scharfer Munition ist uns zu aufwendig. Deshalb haben wir uns für das Luftgewehr entscheiden", erläutert der Präsident. Dennoch muss er das Schießen mit scharfer Munition, wie auch einige andere Mitglieder im Verein, nachweisen. Nicht jedes Vereinsmitglied habe eine Waffenbesitzkarte.

Der Terminkalender der Ruhlander Schützen ist prall gefüllt. "Neben der Vereinsmeisterschaft und der Kreismeisterschaft bis hin zur Landesmeisterschaft im ersten Vierteljahr führen wir noch unser Schützenfest durch und schießen in der Landesliga Brandenburg", so Hans-Joachim Glaser weiter.

An sieben Wettkampftagen wird so die beste Mannschaft in Brandenburg, ähnlich dem Fußball, gesucht. Derzeit steht die Ruhlander Mannschaft, die aus zehn Schützen besteht, wovon aber jeweils nur fünf schießen dürfen, auf Platz 4 im Feld der acht Vereine. Die neue Saison startet im Oktober.

In den 90er-Jahren wurde Ruhland sogar schon einmal Landesmeister und konnte eine deutsche Vizemeisterin in ihren Reihen begrüßen.

Gute Leistungen hat auch das diesjährige Königshaus errungen. "Unser jüngstes Mitglied Werner Kranke hat das bisher beste Ergebnis geschossen. Solch eine super 10 gab es unter allen Königen noch nicht", freut sich der Präsident. Werner Kranke ist erst seit Januar dabei. Mit einer zu D-Mark-Zeiten angeschafften Teilerauszählmaschine konnte der Teiler von 2,7 ermittelt werden. "Der beste Teiler ist 0, doch den zu erreichen ist fast unmöglich", weiß Hans-Joachim Glaser.

Seit vier Jahren im Verein und schon einmal im Königshaus vertreten konnte sich Ursula Jentsch erneut einen Platz im Königshaus sichern. Als 1. Dame (2. Platz) schießt sie im Training schon mal eine glatte 300 und ist das beste weibliche Mitglied.

Vor fünf Jahren war Stephan Pochert bereits König. Diesmal reichte es nur zum 2. Ritter (3. Platz). Der Ruhlander war bereits Landesschützenkönig.

Nicht nur die angereisten Schützenvereine suchten ihren Besten beim Pokal des Bürgermeisters und beim Adlerschießen. Die Bevölkerung durfte bei den Stadtmeisterschaften auch einmal an das Luftgewehr.

Mit der Ehrung des Königshauses und der Verleihung des Königsordens beginnen auch Pflichten. "Der neue König oder die Königin müssen ein Fass Bier spendieren, ein Königsfrühstück herrichten und an den Schützenfesten der Gastvereine teilnehmen. Weil manche Mitglieder wenig Zeit haben, will nicht jeder König werden", weiß Hans-Joachim Glaser. In der Geschichte des Schützenfestes hält sich die Anzahl der Könige und Königinnen in Waage. Mit Beschluss der Mitgliederversammlung ist es ab sofort möglich, jedes Jahr König zu werden. Einst musste man fünf Jahre aussetzen.