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Einmal noch den Sohn besuchen

Für Käthe Mittig geht ein Herzenswunsch in Erfüllung: Einmal noch kann sie ihren Sohn besuchen und sich von ihm verabschieden.
Für Käthe Mittig geht ein Herzenswunsch in Erfüllung: Einmal noch kann sie ihren Sohn besuchen und sich von ihm verabschieden. FOTO: ASB-LV Brandenburg
Pulsnitz/Senftenberg. Die 83-jährige Käthe Mittig aus Senftenberg hat Krebs im Endstadium. Einmal noch ihr Kind sehen – das ist ihr größtes Begehren. Der Wünschewagen erfüllte jetzt diesen letzten Traum. Jan Augustin

Für Käthe Mittig ist es der größte Wunsch - und einer ihrer letzten: Einmal noch den Sohn besuchen. Die 83-jährige Senftenbergerin hat Krebs im Endstadium. Seit März wohnt sie im Hospiz Friedensberg in Lauchhammer. Mutter und Sohn haben eine innige Beziehung. Besuche stehen auf der Tagesordnung. Doch hat ihn ein Schlaganfall vor einigen Wochen an den Rollstuhl gefesselt. Nun lebt er in einer Rehaklinik im sächsischen Pulsnitz. Ein Wiedersehen ist schwierig, mit dem Wünschewagen nun aber wahr geworden.

Seit September vorigen Jahres gibt es dieses Ehrenamtsprojekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) auch in Brandenburg. Mehr als 80 erfahrene Helfer mit fachlichem Hintergrundwissen engagieren sich, vom Rettungsassistenten bis hin zum Palliativmediziner. Organisationstalente für die Vor- und Nachbereitung der Reise verstärken das Team. "Jeder Mensch, der sich auf seinem letzten Lebensweg befindet, soll die Möglichkeit auf die Erfüllung seines Herzenswunsches erhalten. Mit dem Wünschewagen geben wir den Brandenburgern ein respektvolles und würdevolles Ehrenamtsprojekt, das für alle Beteiligten schöne Erinnerungen bereithält", erläutert ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht. Für den Fahrgast und seine Begleitung entstehen dabei keine Kosten, weder für die Reise noch für Aktivitäten am Wunschort. Finanziert wird das Projekt mit Spenden.

Für Käthe Mittig und Sohn Bengt hat Simone Heduschka den Wünschewagen ins Rollen gebracht. Die 58-Jährige ist die Tochter und Schwester. "Wir sind familiär sehr eng verbunden. Bruder und Mutter waren ein Team", sagt sie. Nach dem Schlaganfall mit den damit verbundenen Einschränkungen will Simone Heduschka die beiden noch einmal zusammenbringen. Eher durch Zufall stößt sie auf den Wünschewagen und bewirbt sich beim ASB. "Ich habe das Glück gehabt, dass das möglich wird", sagt Simone Heduschka. Die Fahrt nach Pulsnitz erlebt sie selbst mit. Das Auto ist toll, schwärmt sie. Blauer Innenraum mit Sternenhimmel und eine komfortabel gepufferte Liege machen die Reise zu einem schönen Erlebnis, erzählt sie. An Bord sind auch zwei ehrenamtliche Fachkräfte: Holger Wolfram, im Berufsleben Feuerwehrmann, und Krankenpfleger Manuel Möller. "Für mich ist es jedes Mal auch eine Ehre, sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllen zu dürfen. Diese Momente und Erlebnisse werde ich nicht vergessen", sagt Möller.

Vor Ort habe Simone Heduschka mit ihrer Familie sehr bewegende Momente erlebt. "Das war sehr emotional", erinnert sie sich. Eis haben sie gegessen und sich viel unterhalten, nur über die Krankheit haben sie kein Wort verloren.

Zum Thema:
Das Ehrenamtsprojekt "Der Wünschewagen - Letzte Wünsche wagen" ist ursprünglich im ASB Regionalverband Ruhr nach niederländischem Vorbild der "Ambulance Wens" entstanden. Der Arbeiter-Samariter-Bund Brandenburg ist seit September 2016 mit seinem Wünschewagen unterwegs. 15 Fahrten sterbenskranker Menschen hat der Wunscherfüller auf vier Rädern seither durchgeführt - kostenfrei. Der Wünschewagen ist ein komplett ausgebauter Krankentransportwagen mit großen Fenstern und vielen Extras, die auch bei längerer Fahrzeit ein angenehmes Reisen ermöglichen. Mehr als 80 Helfer engagieren sich in dem Projekt, vom Rettungsassistenten bis hin zum Palliativmediziner. Der Wünschewagen erhält keine staatlichen Zuwendungen und wird ausschließlich mit Spendengeldern finanziert.