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Eine Rückkehr nach verlorenen Illusionen und Shakespeares Werke leicht gekürzt

Shakespeares sämtliche Werke hatten im April 2015 Premiere und sind nach wie vor ein Renner.
Shakespeares sämtliche Werke hatten im April 2015 Premiere und sind nach wie vor ein Renner. FOTO: Rasche
Senftenberg. Von der tief berührenden Geschichte der Lola Blau über eine sinnstiftende Liebe bis zum wahnwitzigen Leben in der DDR setzen das Ensemble und Gäste der Neuen Bühne Senftenberg das Januar-Programm fort. Theater-Sprecherin Christiane Freitag-Pittasch macht Lust auf einen Theaterbesuch. red/kw

Mit dem außergewöhnlichen Musical "Heute Abend: Lola Blau" setzt die Neue Bühne Senftenberg das Januar-Programm fort. Eine singende Schauspielerin und ein Musiker erzählen in der Intimität des Rangfoyers eine gleichsam unterhaltende wie tief berührende Geschichte. Die Karriere der jungen Bühnenkünstlerin Lola Blau gerät durch Krieg und Faschismus ins Stocken. In berückender Parallelität zu Georg Kreislers eigener Karriere und Biografie geht Lola nach Übersee ins Exil und wird nach einigem Hin und Her berühmt. Über die Jahre verliert sie all ihre Illusionen und kehrt nach dem Krieg nach Europa zurück. Kreislers Texte und Songs zeigen dabei eine enorme Spannweite zwischen den anrührenden Momenten und seiner virtuosen Beherrschung der Klaviatur des Komödiantischen.

Georg Kreisler Heute Abend: Lola Blau Freitag, 15. Januar, 19.30 Uhr, Rangfoyer

In "Wir waren" erzählt ein älteres Ehepaar eindringlich und berührend von seinem Versuch, selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen. Er und Sie planen, bei klarem Verstand, sich am Ende des alljährlichen Urlaubs gemeinsam das Leben zu nehmen, solange sie noch selbstbestimmt über den Moment ihres Todes entscheiden können.

Die Entscheidung der Eheleute ist gut überlegt, alles ist geregelt: Ihre Rechnungen sind bezahlt, das Einfamilienhaus spenden sie einer Stiftung, ihr Geld dem Tierschutzverein. Den Pudel, den nehmen sie mit in den Tod. Es muss nur noch das Holzgeländer in der Kurve der Serpentinenstraße losgeschraubt werden. Vorher wollen sie aber noch ihren Urlaub genießen.

Als sie bei ihrem Versuch scheitern und der Mann nach dem Tod der Frau allein im Pflegeheim zurückbleibt, entpuppt sich das Eheleben in all seiner Banalität rückblickend als sinnstiftende Liebesgeschichte. "Wir waren" trifft ins Zentrum der Realität unserer Gesellschaft und ist doch mehr als ein Sozialreport, denn es erzählt in zu Herzen gehender Weise von einem gelebten Leben und stellt die Frage nach dem Umgang der Menschen damit.

Premiere William Pellier Wir waren Sonnabend, 16. Januar, 19.30 Uhr, Studiobühne

In "Im Bann des schwarzen Müllers" spielen Kinder für Kinder. Wie in jedem Jahr verbringen Jan und Julia einige Tage in den Sommerferien bei ihrer Oma. An diesem Abend zelten sie im Garten, sitzen gemütlich am Lagerfeuer und lassen den erlebnisreichen Tag noch mal Revue passieren. Als Julia fragt, was denn so morgen auf dem Programm steht, hat Oma eine tolle Idee. Sie will mit den Kindern zur Krabatmühle nach Schwarzkolm fahren. Jan ist das zu langweilig und stöhnt. Er ist eher für Action und Abenteuer zu begeistern.

Um Jan aber vielleicht doch noch neugierig zu machen, erzählt Oma ein wenig aus der echten Krabatsage. "Krabat, ein Waisenjunge, zog bettelnd von Haus zu Haus . . . und gelangte in den Bann des Schwarzen Müllers."

Jan beeindruckte diese Geschichte wenig. Im Gegenteil, er machte sich heimlich über den Schwarzen Müller lustig. Das sollte er bald bereuen. Denn in der Nacht hörte auch Jan zum ersten Mal die düstere Stimme des Schwarzen Müllers, der ihn zu sich in den Koselbruch ruft. So gerät auch Jan in den Bann des Müllers. Und genauso, wie in der Sage, kann ihn nur die bedingungslose Liebe eines anderen Menschen retten . . .

Mädchen und Jungen der Theatergruppe des Horthauses der Arbeiterwohlfahrt (AWO) spielen. Die Stücke haben die Kinder mit ihren Erzieherinnen geschrieben.

Kinder spielen für Kinder: Im Bann des schwarzen Müllers Sonnabend, 17. Januar, 15 Uhr, Hauptbühne

"Das gibt's in keinem Russenfilm" ist eine Lesung mit Thomas Brussig überschrieben. 1991 erscheint in der DDR der erste Roman von Thomas Brussig. Auf einer Lesung lässt er sich zu einer pathetischen Rede hinreißen: Solange es nicht alle können, wird auch er keine Reise in den Westen machen. Solange nicht jeder ein Telefon haben kann, wird auch er keins haben. Das macht ihn schlagartig berühmt. In den folgenden Jahren wird er, der eigentlich ein kleiner Feigling ist, für einen Dissidenten gehalten, knutscht im Harz unter Eiffeltürmen aus Holz und beeinflusst mit seinem Schreiben und seiner Guerilla-Statistik die Meinung im Osten wie im Westen. Doch die DDR hält sich - bis heute.

Brussig erzählt die Biografie von Brussig und schreibt nebenbei unsere Gegenwart um: ein zutiefst komisches und wahnwitzig ernsthaftes Spiel über fünfzig Jahre Leben in der DDR.

Senftenberger Lesung Thomas Brussig: Das gibt's in keinem Russenfilm, Sonntag, 24. Januar, 19.30 Uhr Rangfoyer

Kabarett à la Carte mit Martin Zingsheim und das im "Kopfkino" erwartet die Theatergäste. Wäre Assoziations-Hopping olympisch, Martin Zingsheim könnte sich Hoffnung auf Medaillen machen. Im Sturm hat er die Kleinkunstszene erobert, zahlreiche Kabarettpreise eingeheimst und den Sprung ins Radio sowie ins Fernsehen geschafft. Jetzt ist das 31 Jahre junge Ausnahmetalent aus Köln mit seinem neuen Soloprogramm auf Welttournee durch den deutschsprachigen Raum und präsentiert eine rasante Ein-Mann-Show jenseits aller Schubladen.

Am Rande des Scharfsinns redet, spielt und singt sich der Senkrechtstarter durch seine eigenen Geistesblitze.

Kabarett à la Carte Martin Zingsheim: Kopfkino, Montag, 25. Januar, 20 Uhr, Hauptbühne Shakespeares sämtliche Werke kommen Ende Januar "leicht gekürzt" auf die Neue Bühne. Das geht nicht? Zugegeben, es handelt sich um 38 (erhaltene) Stücke mit 1834 zu spielenden Rollen sowie sechs Versdichtungen - darunter die berühmten Sonette. Gespielt ergäbe dies ohne die Versdichtungen etwa eine Aufführungsdauer von 150 Stunden. Aber keine Sorge: Keiner soll eine Woche im Theater verbringen. Denn ohne auch nur eine einzige Komödie, Tragödie oder Historie auszulassen, gehen drei Darsteller an diesem Abend auf eine rasende Fahrt durch die wohl bekanntesten Stücke der Theaterliteratur.

Das Ganze ist eine Comedy in feinster Slapstick-Tradition, ist geistvolles und humorvolles Entertainment für alle, die Shakespeare, Schauspiel und das Lachen lieben.

Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield: Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt), Donnerstag, 28. Januar, 19.30 Uhr Studiobühne

Die Zugabe folgt im Dämmerschoppen. Der Abend wird von den Schauspielern monatlich neu entwickelt und auf die Bühne gebracht. Ob Improtheater, Musik oder Tri tra trullala - die Darsteller machen für die Gäste und mit ihnen Theater.

Dämmerschoppen Donnerstag, 28. Januar, 21.40 Uhr, Rangfoyer

Zum Thema:
Neue Bühne Senftenberg(Theaterpassage 1)Karten-Telefon:03573 801286 www.theater-senftenberg.de

Martin Zingsheim präsentiert im Kabarett à la Carte sein "Kopfkino".
Martin Zingsheim präsentiert im Kabarett à la Carte sein "Kopfkino". FOTO: Rodriguez/Theater
Thomas Brussig liest aus "Das gibt's in keinem Russenfilm" eine irre DDR-Geschichte.
Thomas Brussig liest aus "Das gibt's in keinem Russenfilm" eine irre DDR-Geschichte. FOTO: Theater