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Eine Leidenschaft für alte Hutlampen

Auf diese Feststellung legt Dieter Müller wert: „Viele Leute sagen, ich sei Kohlesammler. Genau das stimmt aber nicht!“ Der 71-jährige Ex-Tagebauchef will mit seiner Ausstellung in Niemtsch alle Facetten der Bergbaugeschichte dokumentieren. Müllers Sammlerherz gehört in ganz besonderer Weise den Bergmannslampen. Von Oliver Sobe

Seitdem Dieter Müller vor neun Jahren am Dorfplatz sein Privatmuseum eröffnet hat, ist nicht nur der vorhandene Bestand an Schmuckbriketts von etwa 400 auf rund 1500 Kohlen angewachsen. Immerhin 75 historische Bergbauleuchten auf Öl-, Karbid-, Benzin-, und Elektrobasis nennt Museumschef Müller mittlerweile sein Eigen. Im Jahre 1996 zur 500-Jahr-Feier von Niemtsch waren es ganze fünf Modelle.
Vor allem nostalgische Hutlampen lassen die Augen des früheren Kumpels leuchten. Dieter Müller blättert in der dicken Fachliteratur: „Das ist ein riesiges Sammelgebiet.“ Allein vom alten Spitzenhersteller Friemann & Wolf seien 16 verschiedene Ausführungen an Hutlampen bekannt. Er besitze bislang lediglich vier davon, schwingt auch ein Schuss Wehmut in Müllers Stimme mit.
„Irgendwann lässt einen die Leidenschaft nicht mehr los“ , vergleicht der 71-Jährige seinen Trieb mit der Jagd des Briefmarkensammlers nach dem vollständigen Markensatz. Ob auf herkömmlichen Trödelmärkten oder modern im Internet - Müller hält überall die Augen nach weiteren Raritäten offen. Woher rührt allerdings die besondere Begeisterung für Hutlampen? Müller lacht über diese Frage. Er deutet auf eine historische Aufnahme seines Großvaters Edwin Hauschild mit einer am Filzhut befestigten Leuchte. Das Bild mit dem ehemaligen Lausitzer Fahrsteiger hängt an der Wand des kleinen Privatmuseums und entstand in den vierziger Jahren, erzählt Müller. Weil die Kumpel früher bei der Einfahrt in den Stollen beide Hände voll mit Werkzeug und Frühstücksbroten hatten, mussten die Leuchten mit einem Stahlstift am Bergmannshut befestigt werden.
Noch ein weiteres Anliegen treibt Dieter Müller zurzeit um. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen des Privatmuseums will der ehemalige Direktor des Tagebaus Niemtsch im kommenden Jahr mit einer Sonderausstellung ans Ende der Kohleförderung gleich neben dem Dorf und damit an die Geburtstunde des Senftenberger Sees erinnern. 1966 verließ der letzte Kohlezug den Tagebau. „Gleich danach wurde die noch die Abraumförderbrücke gesprengt“ , ist der frühere Kumpel gewissermaßen der ideale Zeitzeuge.
Das Niemtscher Bergbaumuseum in der Dorfstraße 47 ist für Besucher donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie in der Sommerzeit auch sonntags zwischen 9.30 und 11.30 Uhr geöffnet.