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| 20:15 Uhr

Lauchhammer
Eine Lausitzer Arnika-Lichtung sorgt für Streit

In der Bergbaufolgelandschaft bei Lauchhammer sprießt Arnika. Naturschützer beurteilen dies als botanische Sensation. Aber auch der Vorwurf, das Vorkommen sei angesät worden, wird erhoben.
In der Bergbaufolgelandschaft bei Lauchhammer sprießt Arnika. Naturschützer beurteilen dies als botanische Sensation. Aber auch der Vorwurf, das Vorkommen sei angesät worden, wird erhoben. FOTO: Algirdas Gelazius/Shutterstock.c
Lauchhammer. Bei Lauchhammer wächst das bedrohte Wundkraut. Experten bestätigen die botanische Sensation und widerlegen den Schummel-Verdacht. Von Jan Augustin

Sie duftet aromatisch, hat gelbe Blüten ab Mai, ist giftig und verwandt mit dem Löwenzahn: die Arnica montana, auch Bergwohlverleih genannt. Sie gilt als eines der besten alternativen Heilkräuter bei schlecht heilenden Wunden und Verletzungen und wird auch in der Schulmedizin häufig vor und nach operativen Eingriffen verabreicht. Normalerweise wächst der vom Aussterben bedrohte Korbblüter in den Alpen und anderen Gebirgen. Aber auch in der Lausitz sprießt das Wundkraut.

Nach Experten-Einschätzung ist die knapp ein Hektar große Lichtung in einem Wald bei Kleinleipisch, einem Ortsteil der Stadt Lauchhammer, die größte Arnika-Fläche im nordostdeutschen Flachland. Dieses Gebiet soll jetzt zu dem geschützten Landschaftsbestandteil (GLP) „Blapius“ gemacht werden. Hinter der Bezeichnung verbergen sich die Namen von Werner Blaschke und Bernd Vulpius. Die Männer aus Lauchhammer haben die Pflanze dort vor gut 20 Jahren vorgefunden und „in Betreuung“ gehalten, erklärt Ferry Richter, Sachgebietsleiter der Naturschutzbehörde Oberspreewald-Lausitz. Der Schutzstatus sei für diesen vitalen und reproduktionsfähigen Bestand verhältnismäßig und geboten. „Die Schutzfläche ermöglicht eine weitere Entwicklung des Arnikabestandes und schließt weitere am Standort vorkommende Orchideen- und Wintergrünarten ein“, erläutert der Naturschutzfachmann. Ob diese Fläche einen geschützten Status erhält, darüber stimmen die Kreistagsabgeordneten am Donnerstag ab.

Der geplante Schutzstatus ist umstritten. Beim Eigentümer der Fläche kommt das Vorhaben der Naturschützer gar nicht gut an. Namentlich zitiert werden möchte der Inhaber eines Landwirtschafts- und Forstbetriebes nicht. Er sagt, schlecht von den Behörden informiert zu werden. Und er wirft ihnen vor, dass sämtliche beauftragte Gutachten ohne sein Einverständnis und ohne Abstimmung erstellt worden seien. „Die Vergabe von Aufträgen zu Eigentumsflächen muss mit dem Flächeneigentümer abgestimmt werden“, teilt er dem Landkreis mit. Er habe zwar Verständnis dafür, dass seltene Pflanzen nicht durch Maschinen bedroht werden dürften – das sei aber auch in seinem Interesse und könne ohne Totalschutz erreicht werden. Den beiden Ehrenamtlern unterstellt er ein fragwürdiges Vorgehen im Zusammenspiel mit der Behörde. Er schließe auch nicht aus, dass die Arnika „in neuerer Zeit dorthin verbracht“ wurde.

Die Heilpflanze ist begehrt für kosmetische Produkte und wird weltweit auch dafür angebaut.

Eine komplette Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten auf seiner Fläche will der Eigentümer nicht hinnehmen. „Dies käme einer Enteignung gleich und verletzt das Grundrecht des geschützten Eigentums“, argumentiert er.

Die Naturschutzbehörde des Kreises widerspricht dieser Darstellung. Der Eigentümer habe nachweislich mehrfach die Gelegenheit gehabt, sich zu äußern. Diverse Versuche mit ihm in Kontakt zu treten, seien erfolglos geblieben. Ein gemeinsamer Vorort-Termin sei abgesagt worden. Die Handlungsmöglichkeiten sollen auch nicht komplett eingeschränkt werden. Im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde könne der Eigentümer weiter forstwirtschaftlich aktiv bleiben. Auch die Jagd sei möglich, allerdings ohne den Bau von Hochsitzen und anderen jagdlichen Einrichtungen. Derartige Verfahrensweisen seien bundesweit gängige Praxis und „werden auch von Flächeneigentümern in der Regel mitgetragen“, argumentiert Umweltamts-Chef Bernd König. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der Eigentümer nach der Unterschutzstellung um etwaige Entschädigungsansprüche mit dem Landkreis auseinandersetzen werde.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass es sich bei der Arnika bei Kleinleipisch um einen autochthonen, also einen natürlichen, Bestand handelt. Das geht aus einem Gutachten von Prof. Dr. Thomas Borsch, dem Direktor des Botanischen Gartens der Freien Universität Berlin, hervor. Bestätigt wird diese Einschätzung zudem von Dr. Daniel Lauterbach vom Botanischen Garten der Universität Potsdam: „Das ist kein künstliches Vorkommen. Das ist mit sehr, sehr großer Sicherheit ein natürliches Vorkommen und deshalb schützenswert“, teilt er mit. Die Population bei Lauchhammer sei vermutlich das einzige stabile Vorkommen in Brandenburg.

Anhaltspunkte, dass es sich um eine nordamerikanische Sippe oder die erst seit den 1990er-Jahren im Feldanbau verwendete Sorte „Arbo“ handele, gebe es nicht.