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| 14:43 Uhr

2370 Mitarbeiter bei der DTM
Eine Kleinstadt auf Rädern für ein Wochenende

Die DTM überzeugte mit einem neuen Veranstaltungskonzept. Doch das Pfingstfest bremste den Zuschauerstrom.
Die DTM überzeugte mit einem neuen Veranstaltungskonzept. Doch das Pfingstfest bremste den Zuschauerstrom. FOTO: Peter Aswendt
Klettwitz. Die DTM hat mit einem neuen Veranstaltungskonzept gepunktet. Doch das Pfingstfest bremste den Zuschauerstrom aus. Von Peter Aswendt

Seit dem Jahr 2000 ist die neue Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) regelmäßig auf dem Lausitzring zu Gast. Ob Regengüsse oder Hitzeschlachten: Die Lausitzer Motorsporthochburg ist immer für Superlative gut. Am vergangenen Pfingstwochenende gab es wieder eine Premiere auf dem Ring. Jedoch gab es in Bezug auf die Durchführung von Großveranstaltungen seit der Übernahme der Prüfgesellschaft Dekra viele Fragezeichen. Die Erleichterung der Motorsportfans war groß, als der Veranstaltungskalender bekannt gegeben wurde. Blieb bloß noch die Frage zu klären: Wer veranstaltet denn? Test-Center-Geschäftsführer Volker Noeske machte immer klar, wenn es Veranstalter gibt, ist der Lausitzring offen. Für die DTM bedeutete dies, dass der Serienbetreiber, die Internationale Tourenwagen Rennen (ITR), das Heft selber in die Hand nehmen musste. „Wir sind extrem kooperativ und freundlich von den Dekra-Verantwortlichen aufgenommen worden“, beschreibt Frederic Elsner, Chef für das Operative- und Programm-Management, die ersten Kontakte. „Für uns ist die 100-prozentige Veranstalterrolle eine Premiere und wir lernen hier sehr viel“, fügt er hinzu.

Der RUNDSCHAU-Überblick beantwortet die wichtigsten Fragen:

Personelle Engpässe

Neben der ungewohnten Rolle bei der Eventdurchführung kam auch noch die Veranstaltungsvielfalt des Pfingstwochenendes dazu. Der gewohnte Partner bei der sportlichen Ausrichtung, der ADAC Berlin-Brandenburg, war bei der Formel-E in Berlin gebunden. Auch hier hatte die ITR-Manager eine pragmatische Lösung parat: „Wir sind sehr froh, dass die Racing Academie aus Oschersleben diesen Part übernommen hat“, freut sich Frederic Elsner. Oschersleben und Lausitzring muss kein Gegensatz sein, beschloss Academie-Chef Ralph Bohnhorst und rekrutierte die altbewährte Streckenpostcrew der Safety Course Team EuroSpeedway Lausitz: „Immerhin sind wir mit 130 Mann im Einsatz“, weiß Mario Kirk, Leiter der Streckenposten und Vereinschef. „Wir hätten auch nach Berlin gehen können, aber der Lausitzring ist unsere Heimatstrecke, da ist man doch patriotisch“, schmunzelt er.

Superlative für ein Wochenende

Aber nicht nur die Zahl der Streckenposten ist beeindruckend. Einer, der von Anfang an dabei ist, kennt noch beeindruckendere Zahlen. Joe Franz, seines Zeichens Projektmanager für Logistik und Sicherheit sowie unumstrittener Chef im Fahrerlager, ist seit Januar dieses Jahres mit der Vorbereitung des Lausitzringrennens beschäftigt. „Gegen Ende der Vorbereitungszeit bin ich wöchentlich in die Lausitz zu den Meetings geflogen“, lächelt der Manager. Die Notwendigkeit dieser Koordination wird durch beachtliche Zahlen belegt. So sind bei der gesamten DTM an dem Wochenende 2370 Mitarbeiter beteiligt. 700 Kilometer Kabel werden verlegt, allein 70 Kilometer an Glasfaserkabel. Bei den Lkw müssen 49 Vierzigtonner ihren Platz finden, und knapp 50 Lkw unterer Tonnage wollen ihre Last loswerden. 279 Zeltbauer mussten innerhalb von drei Tagen eine Kleinstadt errichten.

Veranstaltungskonzept punktet

Obwohl der Zuschauerstrom etwas dünner als in den vergangenen Jahren war, was an der Veranstaltungsvielfalt am Pfingstwochenende lag, zeigten sich die Veranstalter zufrieden. Mit Konzert, Public Viewing des Pokalfinales und einer großen Eventfläche, dem Fan-Village, wurde der Nerv der Besucher getroffen. In den Sitzsäcken machte es sich Familie Mittelstedt aus Großenhain bequem und genoss das Angebot sichtlich: „Für uns ist die DTM jedes Jahr ein Muss“, stellt Klaus Mittelstedt klar. „Das Angebot zum Relaxen im Fahrerlager hat uns positiv überrascht“, ist sich die Familie einig. Claudia Schmidt, die mit Freund Patrick Kleinschmidt in die Lausitz gereist ist, fand das Samstagskonzert mit der Band „Gestört aber Geil“ super. Dass im Anschluss ihr Freund das Pokalfinale erleben konnte, war der gerechte Ausgleich: „Es war proppe voll am Abend“, staunten die beiden Dresdner noch immer.

Sorge schwingt mit

Ein paar Sorgenfalten waren bei einigen Motorsportfreunden aber doch zu sehen. So konnte man ein Spruchband an der Haupttribüne lesen mit der Aufschrift „Lausitzring für immer“. Initiatoren waren die Lausitzringfreunde aus Leipzig und Berlin: „Wir kommen schon zehn Jahre hierher und haben uns auch alle hier kennengelernt“, berichtet Martin Zinn aus Leipzig. Alle zusammen übernachten sie auf einen der drei Campingplätze, die an diesem Wochenende freigegeben waren. Die Befürchtung, dass sie jährlichen Treffen aufgeben müssen, ist groß. Auch die Fans des Lausitzer Motorsportareals aus Oberröblingen bei Sangerhausen teilten die Sorge um den Lausitzring: „Er muss eine Motorsportstrecke bleiben, auf welcher Strecke kann man schon von der Haupttribüne alles sehen“, sind sich die Fans aus Sachsen-Anhalt einig.

Verkehrschaos befürchtet

Alles in allem ein gelungenes Premierenwochenende unter alleiniger Herrschaft der ITR. Auch das befürchtete Verkehrschaos blieb aus: „Wir konnten vereinbaren, dass wir die gesamten Parkflächen nutzen konnten und auch, dass der gesperrte Teil der Straße vor dem Ring zur Abfahrt geöffnet wurde“, freut sich Joe Franz über die gelungene Organisation.

Gut ausgebucht zu Pfingsten war auch der Campingplatz in Ortrand. Seit Eröffnung der Anlage ist es bisher das beste Ergebnis.
Gut ausgebucht zu Pfingsten war auch der Campingplatz in Ortrand. Seit Eröffnung der Anlage ist es bisher das beste Ergebnis. FOTO: Mirko Sattler