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| 02:42 Uhr

Eine halbe Million für Drochower Heimkinder

Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (Mitte) und Drochows Ortsvorsteher Joachim Kniep (r.) überzeugen sich vom Baufortschritt. Heimleiterin Elke Schmidt zeigt, wo im Erdgeschoss später eine der beiden Trainingswohnungen für Jugendliche, die auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden sollen, entsteht. Das Entkernen ist so gut wie abgeschlossen.
Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (Mitte) und Drochows Ortsvorsteher Joachim Kniep (r.) überzeugen sich vom Baufortschritt. Heimleiterin Elke Schmidt zeigt, wo im Erdgeschoss später eine der beiden Trainingswohnungen für Jugendliche, die auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden sollen, entsteht. Das Entkernen ist so gut wie abgeschlossen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Drochow. Aus dem Kinderheim Drochow ist eine bewohnte Großbaustelle geworden. Abriss und Entkernung sind so gut wie durch. Jetzt legen die Trockenbauer los. In die nach Jahrzehnten dringend notwendige Modernisierung des Hauses investiert die Arbeiterwohlfahrt als Träger etwa 650 000 Euro. Andrea Budich

Die neun Heimkinder haben sich unters Dach zurückgezogen. Im Keller, im Erdgeschoss und in der mittleren Etage haben Bauleute und Handwerker das Zepter übernommen. Es staubt wie verrückt, Presslufthammer rotieren, die Dielen liegen blank, Wände sind herausgerissen, der Putz ist abgeschlagen, Türen sind zerlegt. "Eine Baustelle, die von Kindern bewohnt bleibt, ist schon etwas Besonderes", hebt Heimleiterin Elke Schmidt hervor. Sie hat mit ihrem sechsköpfigen Erzieherstamm dafür gesorgt, dass ihre Schützlinge oben gut abgeschirmt sind. Während der Bauarbeiten von 7 bis 16 Uhr sind die Kinder zum Großteil in der Schule und bleiben von Lärm verschont.

Die seit Jahren herbeigesehnte Sanierung des 1880 erbauten Drochower Gutshauses läuft inzwischen auf Hochtouren. "Es war ein steiniger, langer Weg", erklärt Elke Schmidt sichtbar erleichtert. Sie ist seit 30 Jahren im Kinderheim tätig. Eine Grundsanierung hat es in all den Jahren nicht gegeben. Etliche Anläufe, zig Konzepte und immer wieder Zeitverschiebungen habe das Vorhaben in die Länge gezogen. Seit den 1970er-Jahren sind immerhin 570 Heimkinder hier ein- und ausgegangen.

Die im Januar gestarteten Arbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Komplett erneuert werden dann erstmals nach vielen Jahrzehnten Heizung, Elektroanlage, Sanitärbereich und Brandmeldeanlage. Für 20 Heimkinder werden die einzelnen Etagen teilweise komplett umgekrempelt. Im Erdgeschoss entstehen neu zwei Trainingswohnungen für Jugendliche, die auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden sollen. Die hat es bisher in Drochow nicht gegeben. Nach der Schließung des betreuten Jugendwohnens in der Senftenberger Krankenhausstraße ist das ein in der Region einmaliges Angebot. Neu entsteht zudem eine Elternwohnung, damit die Erziehungsberechtigten ihre Kinder in wichtigen Phasen begleiten können. In der mittleren Etage wird Platz geschaffen für eine zusätzliche Intensivgruppe für verhaltensauffällige Kinder.

Verschwinden wird auch das Fassaden-Einheitsgrau. Ein heller, freundlicher Anstrich ist geplant. Den hat das dorfbildprägende Haus auch dringend nötig. Für Drochows Ortsvorsteher Joachim Kniep ist wichtig, dass die neue Farbe ins Dorf passt. "Und sie darf ruhig ein bisschen auffallen", sagt er. Beim Farbkonzept für die Räume haben die Kinder ein Mitspracherecht. Spätestens zu Weihnachten sollen sie dann wieder alleinige Hausherren sein - in ihrem Zuhause auf Zeit, das hell und freundlich viel Nestwärme ausstrahlt.