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| 01:28 Uhr

Eine Bierflasche ist letztes Zeitzeugnis

Jürgen Ittmann und Tochter Anja vor ihrem Gasthof „Zum Anker“ in Klein Partwitz: Das Jubiläum zum 110-jährigen Bestehen der Gaststätte wurde am vergangenen Wochenende mit einem Festprogramm gefeiert.
Jürgen Ittmann und Tochter Anja vor ihrem Gasthof „Zum Anker“ in Klein Partwitz: Das Jubiläum zum 110-jährigen Bestehen der Gaststätte wurde am vergangenen Wochenende mit einem Festprogramm gefeiert. FOTO: Gernot Menzel
Klein Partwitz.. Zum 100. Geburtstag konnte nicht gefeiert werden: Vor zehn Jahren stand der Gasthof leer, war zum Verkauf ausgeschrieben. Erst im Jahr 2004 übernahmen die jetzigen Besitzer, die Familie Ittmann, das Haus. „Deshalb holen wir die Jubiläumsfeier jetzt eben nach“ , sagt Jürgen Ittmann. Von Anja Wallner

1898 baute die Familie Michala den noch original erhaltenen ursprünglichen Hof mit Ziegelmauerwerk auf. „Das Einzige, was uns aus dieser Zeit erhalten blieb, ist eine Bierflasche“ , sagt Jürgen Ittmann. Das braune Keramikgefäß mit dem Namenszug seiner Besitzer ziert jetzt den Gastraum, in dem ansonsten in puncto Dekoration der Name des Restaurants Programm ist: Schiffsmodelle, Muscheln, Kapitänsmütze und Steuerrad füllen Wände und Ablagen. So viel Wasser wie heute gab es damals in der Region nicht, dennoch heißt der Gasthof seit eh und je „Zum Anker“ .
„Hier war ein Rast- und Ankerpunkt für Handelsreisende“ , klärt Jürgen Ittmann auf. Die Schlesische Handelsstraße Richtung Görlitz führte geradewegs am Gebäude vorbei. Ein Ankerrelief ist auch Blickfang an der Fassade des Saals. Dieser Teil des Hauses sticht mit seinem breiten, hohen und geschwungenen Giebel wie ein großer Schiffsrumpf aus dem Dorfensemble mit den Vierseithöfen heraus: „Der Gebäudeteil wurde 1912 errichtet und ist im Stil der Hafenstädte gebaut.“

Tradition aufrechterhalten
In den 1920er-Jahren übernahmen die Sarodnicks den Hof. Johann Wuschko heiratete in die Familie ein und leitete die Gaststätte bis in die 1970er. Dessen Sohn Gerd hatte bis 1998 die Geschäfte inne. „Altersbedingt und mangels Nachfolger musste er schließen“ , sagt der heutige Besitzer, der vor elf Jahren nach Klein Partwitz gezogen ist.
Seine Frau Petra stammt aus dem Dorf. „Wir hatten die Kneipe seit über 30 Jahren gekannt“ , erzählt Jürgen Ittmann. Über die Geschichte des Gasthofs sind ihm keine Aufzeichnungen geblieben.
„Es ist schade, dass uns wenig Historie übermittelt wurde“ , bedauert der gelernte Kellner und Koch, der 1986 als jüngster Gaststättenleiter der DDR im Laubuscher Ratskeller arbeitete. Die Tradition des „Ankerplatzes“ möchte er aber aufrechterhalten: „Der Anker passt gut ins Seenland.“ Überhaupt hat sich der Familienbetrieb dem Seenland verschrieben: Tochter Anja führt Touristen durch die Landschaft, Sohn Andreas verleiht Quads.
Und die hauseigene Ferienwohnung wird vielleicht erweitert: Jürgen Ittmann plant den Bau von zehn behindertengerechten Ferienhäusern.