Der Pick-up schaukelt über das Feld. Das Auto bahnt sich den Weg durch Reihen von verzinkten Stangen, die in zentimetergenauen Abständen in die umgekrempelte Erde der aufgeschütteten Tagebaulandschaft gerammt sind. Darüber liegen Stangen aus Aluminium, wieder genau auf Linie gebracht. Das sind die "Unterkonstruktion" genannten Halterungen für Solarmodule auf einer der größten Solarparkbaustellen Europas. Gunter Kierstein ist für die Firma GP Joule hier Bauleiter. Gemeinsam mit Nils Dümcke sorgt er seit dem Baustart am 18. April vor Ort dafür, dass alles wie am Schnürchen läuft. Tiefbau, Unterkonstruktion, Montage der Solarmodule, elektrische Anbindung - alles im richtigen Rhythmus. Etwa 100 Beschäftigte und unterschiedliche Firmen sind zu koordinieren, Materialien zu beschaffen, Zeitpläne immer wieder neu abzustimmen.

Sein i-Phone kommt nicht zur Ruhe. Anruf, Mail, Kontakte knüpfen, Nachbetreuung der vorherigen Baustelle, Beratung mit Kollegen in Geislingen oder in Reußenköge. Kierstein stört das nicht. Der 42-Jährige ist konzentriert, organisiert, entscheidet schnell. Er ist stolz auf seinen Job und die Unternehmensgruppe, in der er seit zwei Jahren arbeitet. "Genau diese Arbeit habe ich angestrebt", erzählt er begeistert. Das Feld der erneuerbaren Energien habe ihn gereizt. Hier fühlt er, der bis 2009 Aufzüge in aller Welt gebaut hat, sich eins mit seinem Job. Er denkt dabei auch an seine zwei Söhne. Für die soll die Umwelt lebenswert bleiben. Und er denkt an das Häuschen der Familie, das er ganz bewusst aus Holz gebaut hat und in dem Warmwasser durch thermische Solarzellen aufbereitet wird. "Die Abkehr von der Atomenergie ist genau der richtige Weg", sagt er und freut sich, dass immer mehr Menschen so denken, gerade in seinem nun grün regierten Heimatland Baden-Württemberg.

Dass nun auf riesigen Agrarflächen Solarparks statt Getreide wachsen, ist für ihn kein Widerspruch. "Wäre das fruchtbarer Acker, würde das nicht in die Philosophie passen", erklärt er. Für die Kippenflächen sei es genau die richtige Verwertung. Außerdem würde die Fläche weiter durch die Bauern gemäht. Kierstein ist in seinem Element, schaut auf die unterschiedlichen Bauabläufe, die verschiedenen Anordnungen der Module, die wartungsarme Konstruktion. "Das Gelände wird computerüberwacht." Leistung oder Störung sind genau nachvollziehbar. Schon im August soll der Solarstrom fließen. Genug für eine Kleinstadt.

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Zahlen und Fakten Der Solarpark Meuro, den die GP Joule aus Reußenköge (Schleswig-Holstein) aufbaut, besteht aus zwölf Teilen, die in vier Solarfelder (SO) aufgeteilt sind: das SO 1 umfasst die Standorte Meuro 1 bis 3 (Leistung: 17,1 MWp), das SO2 Meuro 4 bis 6 (19,9 MWp), das SO 3 Schipkau 1 bis 3 (14,3 MWp) und das SO 4 Schipkau 4 bis 6 (18,7 MWp). Auf der bebauten Fläche von 152,61 Hektar werden 305 856 Module Strom liefern. Sie stehen - je nach Bauweise der Hersteller der Unterkonstruktion 30 Grad (Habdank) oder 25 Grad (Krinner) geneigt. Das gesamte Areal des Projektes umfasst eine Grundfläche von etwa 265,77 Hektar, deren Eigentümer die Agrargenossenschaft Großräschen ist. Es ist Bergbaufolgelandschaft des ehemaligen Tagebaus Meuro. Den erzeugten Gleichstrom wandeln 2559 Wechselrichter unterschiedlicher Größe zu Drehstrom. Sie synchronisieren sich dabei automatisch mit dem Stromnetz. Pro Solarfeld werden drei Mittelspannungsgebäude errichtet.500 000 Meter Solarkabel werden auf den vier Feldern verbaut, dazu 5769 Meter 240er Erdkabel. 19 902 Pfosten, 34 274 Meter Längsträger, 41 344 Modulträger stecken in den Unterkonstruktionen des Herstellers Habdank und 27 074 Schraubfundamente und 79 781 Meter Längsträger in denen des Herstellers Krinner. GP Joule, gegründet und geführt von den Agraringenieuren Ove Petersen und Heiner Gärtner, ist einer von drei Generalunternehmern der Solarfelder Senftenberg und Meuro. Insgesamt werden sie bis Ende des Jahres eine Leistung von 140 Megawatt ins Stromnetz einspeisen und nach eigenen Angaben gemeinsam der größte Solarpark Europas sein. Eine Webcam liefert einen Eindruck von der Baustelle: www.gp-joule.de/angebotsspektrum/solarenergie/webcam.html hs