ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:15 Uhr

Amtsgericht Senftenberg verurteilt Eindringling
Diebe rauben schlafenden Rentner aus

Während Walter P. im Zimmer nebenan fest und friedlich schläft, räumen Diebe seine Wohnung des Nachts aus.
Während Walter P. im Zimmer nebenan fest und friedlich schläft, räumen Diebe seine Wohnung des Nachts aus. FOTO: dpa / Nicolas Armer
Senftenberg. Einen großen Batzen Bargeld haben Eindringlinge des Nachts einem Senftenberger aus seiner Wohnung gestohlen. Von Jan Augustin

Was für eine Horrorvorstellung: Mitten in der Nacht schleichen Diebe ins Haus und bestehlen den Bewohner, der im Nebenzimmer in den tiefsten Träumen liegt. „So fest habe ich noch nie geschlafen“, sagt Walter P.* am Donnerstag als Zeuge im Senftenberger Amtsgericht. „Ich bin aufgestanden wie immer, habe die Jalousien hochgelassen“, erinnert sich der 78-Jährige. Aber den Haustürschlüssel habe er nicht finden können. „Ich dachte, hier ist irgendetwas faul“, sagt er. Als er ins Wohnzimmer tritt, bestätigt sich seine Annahme: Der Fernseher fehlt. Die Schränke sind durchwühlt. Doch nicht nur das. Verschwunden ist auch die Geldkassette mit 13 000 Euro an Bargeld. Und das Sparbuch, eine DDR-Münzsammlung, drei Eheringe, Ausweispapiere und andere Wertgegenstände.

Was die Eindringlinge in der Augustnacht im vergangenen Jahr nicht finden, sind weitere 15 000 Euro, die der Rentner ebenfalls in seinem Haus versteckt hält. „Warum haben Sie so viel Geld zu Hause? Sie wissen doch, was hier in Senftenberg los ist“, fragt Strafrichter Harald Rehbein. „Ja Mensch, das ist meine Dummheit“, sagt Walter P. verzweifelt. Auf der Bank gebe es ja kaum Zinsen. „Das schlimmste für mich war, die Tür war abgeschlossen“, schildert der Rentner. Raus kann er also nicht, aber auch niemanden rein lassen. Er ruft seinen Cousin an und bittet ihn, mit dem Ersatzschlüssel vorbeizukommen. Dann kommt auch die Polizei, nimmt Aussagen auf und sichert Spuren.

Einer der beiden Täter sitzt am Donnerstag als Angeklagter im Gerichtssaal. Seine Kumpanin von damals wird gesondert verfolgt. Ihr Name taucht aber im Zusammenhang mit der gefährlichen Droge Crystal Meth auch in anderen Strafverfahren auf.

Der 29-jährige Senftenberger räumt ein, Walter P.* bestohlen zu haben. „Das können wir kurz machen: Das war so“, sagt Rechtsanwalt Armin Krahl nach Verlesung der Anklageschrift. Ins Haus gekommen sind die beiden Eindringlinge demnach mit einem Zweit-Hausschlüssel, der in einem nicht abgeschlossenen Nebengelass gelegen hat.

Insgesamt zehn Anklagen trägt die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses vor. Mal soll er Wodkaflaschen aus dem Rewe-Markt geklaut haben. Ein anderes Mal sind es vier Sonnenbrillen, die er – ohne zu bezahlen – aus einer Tankstelle mitnimmt. Fahrräder soll er gestohlen haben und Waren für 50 Euro aus dem Toom-Baumarkt. Die meisten der vorgeworfenen Straftaten gibt er zu, was ihm später beim Urteil strafmildernd angerechnet wird. Verschärfend ins Gewicht fällt dafür sein langes Vorstrafenregister. Harald Rehbein verliest Einträge aus dem Bundeszentralregister, in denen unter anderem von Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Diebstahl die Rede ist. Zudem ist der Angeklagte zweifacher Bewährungsbrecher. Sein Motiv bleibt vage. Des Richters Frage nach dem Warum, beantwortet der von Hartz IV lebende Vater eines siebenjährigen Kindes mit den Worten „Ich brauchte Geld“. Verlegen kratzt er sich dabei am tätowierten Hals. Drogenabhängig sei er heute nicht mehr, sagt der gelernte Industrieelektriker.

Verurteilt wird er am Ende wegen Diebstahls in fünf Fällen sowie wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung. Das Urteil liegt damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre und sechs Monate für angemessen hält. Die Verteidigung hat indes für anderthalb Jahre plädiert.

Eine für den Baumarkt-Diebstahl mitangeklagte 33-jährige Senftenbergerin ist indes freigesprochen worden. Sie ist die derzeitige Lebensgefährtin des Verurteilten. Sie habe nichts von dem Diebstahl ihres neuen Partners mitbekommen. „Ich wusste nichts davon“, sagt sie. Ihr Freund bestätigt das. Und auch die als Zeugen geladenen Baumarkt-Angestellten können nicht belegen, dass sie an dem Diebstahl direkt beteiligt war.

*Name geändert