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Arbeitsmarkbilanz
Eindringlicher Appell an Lausitzer Unternehmer

Senftenberg. Hoher Anteil an geringfügig Beschäftigten in Oberspreewald-Lausitz.

Etwa 4000 arbeitsfähige Menschen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz leben von Hartz IV. Etwa 1000 weitere Bürger sind geringfügig beschäftigt, können vom Lohn ihrer Arbeit allein nicht leben.  Anke Pätzold, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters, hat deshalb in der jüngsten Diskussion zur Zukunft der Lausitz in Großräschen einen dringenden Appell an die Unternehmer gerichtet: Statt den Fachkräftemangel in der Region zu beklagen, müsse ernsthaft darüber nachgedacht werden, Sicherheit im Arbeitsverhältnis zu schaffen. Teilzeitangebote seien für viele Firmen letztlich sogar günstiger als geringfügige Beschäftigungen.

Das Eingliedern von Menschen in den heimischen Arbeitsmarkt, auf dem die Nachfrage nach Fach- und auch Hilfskräften steigt, scheitert der Arbeitsbehörde zufolge weniger an mangelndem Wissen und Willen der Langzeitarbeitslosen. Bei deutlich flexibleren Betreuungszeiten für Kinder sind die Städte und Gemeinden gefragt. „Vermittlungen von alleinstehenden Müttern, die gern berufstätig sein wollen, scheitern beispielsweise oft nur an den Randbedingungen“, bringt Anke Pätzold das Problem auf den Punkt. Diese Standortfaktoren seien im härter werdenden Ringen der Regionen um Arbeitskräfte wichtig für die Positionierung der Lausitz.    

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Oberspreewald-Lausitz ist im Oktober weiter leicht rückläufig gewesen. Jobcenter-Geschäftsführer Christian Napp warnt jedoch vor zu viel Euphorie: „Trotz der weiterhin hohen Nachfrage nach Arbeits- und vor allem Fachkräften in der Region, ist die positive Entwicklung seit Jahresbeginn nicht nur auf das Einstellungsverhalten der Unternehmer oder die wachsenden Teilnehmerzahlen in Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zurückzuführen. Seit Januar werden die Menschen, deren Löhne aufgestockt werden, nicht mehr im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II erfasst.“

Für einzelne ausgewählte Personengruppen zeichnen sich vergleichbare Tendenzen wie bei der Gesamtentwicklung der Arbeitslosigkeit ab. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die ohne sozialversicherungspflichtige Arbeit sind, liegt bei 2085 Personen. Das sind im Vergleich zum Vormonat 39 weniger. Im Oktober 2016 waren es noch 658 mehr.