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| 02:44 Uhr

Einbrecher in Eigenheim sind geschnappt

Einbrecher dringt in ein Haus ein.
Einbrecher dringt in ein Haus ein. FOTO: © Gina Sanders - Fotolia.com
Senftenberg. Ermittler der Polizei in Senftenberg legen Intensivtäter-Gruppe das Handwerk. Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen übergreifend erfolgreich verfolgt und großen Schaden durch Identitätsklau verhindert. Kathleen Weser

Die dreisten Einbrecher in das Eigenheim von Lore und Heino Seidel in Senftenberg sind geschnappt. "Wir sind erleichtert und den Ermittlern der Polizei dankbar", sagt die Hausherrin. Eine schwere Zeit liegt hinter dem Paar. Denn das schlimme Gefühl, dass Fremde schamlos in den privatesten Bereich eingedrungen sind, ist nicht einfach abzulegen.

Rückblick: Mitte Februar kommt das Ehepaar in Vorfreunde auf das gemütliche Heim aus dem Urlaub zurück und trifft auf ein Chaos. "Ich habe beim Betreten unseres Hauses sofort gedacht, so haben wir es nie verlassen", schildert Lore Seidel den ersten Schock. Im Hausflur liegen persönliche Sachen auf dem Boden. Der Blick in die Räume lässt keinen Zweifel daran: Hier haben Einbrecher gehaust. Schubfächer und Schränke sind geöffnet und durchwühlt, die Terrassentür steht offen. Die Richterin, die selbst nicht in der Strafverfolgung tätig ist, ruft die Polizei - und ist hin und her gerissen zwischen dem Drang, die verwüstete Wohnung sofort genau in Augenschein zu nehmen und das Vernichten wichtiger Spuren am Tatort zu verhindern. Trotz größter emotionaler Betroffenheit behält die Vernunft die Oberhand.

Die Beamten des Wach- und Streifendienstes der Polizei sind sehr schnell am Tatort und rufen auch umgehend Kriminalisten der operativen Fahndung hinzu. Denn Einbrüche und Diebstähle gehen in und um Senftenberg meist auf das Kerbholz von Drogenabhängigen - für den nächsten Schuss. Deren Hemmschwelle für Straftaten fehlt. Und das soll sich auch hier bewahrheiten.

Die Täter sind der heimischen Drogenszene zuzuordnen. Das bestätigt Kriminaloberkommissar Matthias Baumgärtner. Seit mehr als drei Jahren ist er Intensivtätern in Oberspreewald-Lausitz auf den Fersen. Und die Ermittlungsgruppe Rauschgift hat die Szene wieder das Fürchten gelehrt - Hand in Hand mit den Ordnungshütern vom Streifendienst bis zu den Aufklärern von Straftaten. Das ist das Erfolgsrezept. Und deshalb kann sich Matthias Baumgärtner auch persönlich sofort ein Bild vom Tatort machen. Ihm fällt im frischen Schnee auf dem Grundstück der Familie Seidel ein Schuhabdruck mit einem markanten Sohlenprofil auf, das er instinktiv im Gedächtnis abspeichert. Die Treter haben auch im Haus deutliche Spuren hinterlassen, die die Kriminaltechniker natürlich gesichert haben. Doch dem akribischen Rauschgift-Ermittler fallen bei einem Hausbesuch in Senftenberg wegen eines ganz anderen Verfahrens auf der Schuhbank eines Tatverdächtigen ein Paar Schuhe ins Auge, die genau zu den Abdrücken im Haus der Seidels passen. Die Schlinge zieht sich langsam zu.

Aufgeflogen aber sind die Einbrecher durch wilden Konsum im Versandhandel - mit den persönlichen Daten von Lore Seidel, die von im Haus geklauten abgelaufenen Geldkarten und einem alten Pass stammen. Im Namen der Juristin sind offensichtlich mehrere Kundenkonten bei Versandhändlern eröffnet und Waren - unter anderem Anlagegold im Wert von etwa 700 Euro - an Scheinadressen in Senftenberg bestellt worden. Ein Benachrichtigungsservice der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) hat Lore Seidel vor noch größerem materiellen Schaden über den Einbruch hinaus durch den Identitätsklau bewahrt. Denn die Schufa informiert sie über alle Abfragen. "Ich hatte nichts bestellt. Aber im Mail-Posteingang kamen immer mehr Bestätigungen über Aufträge an, die ich nie ausgelöst habe", erzählt sie. Lore Seidel erstattet Anzeige. Und die Betrugsermittler finden mit Hilfe des einzigen Versandhandels, der wirklich kooperiert, mehrere

Otto-Kundenkonten unter verschiedenen Namen - aber mit der gleichen Telefonnummer. Die können zu einer Person zurückverfolgt werden. Über die Paketzustellung an eine leer stehende Wohnung, an deren Briefkasten der Name von Lore Seidel prangt, wird die Täterin dingfest gemacht. Die Frau hat sich von Kopf bis Fuß neu eingekleidet - vom BH über die Jeans bis zu Accessoires. Und bei der polizeilich bereits bestens bekannten Senftenbergerin werden auch einige wenige persönliche Dinge der etwa 150 Teile umfassenden Beute vom Schmuckstück bis zur Unterhaltungselektronik aus dem Eigenheim gefunden. Das meiste wird Familie Seidel nie wiedersehen, bestätigt auch der erfahrene Kriminalbeamte. Denn das Diebesgut wird für den nächsten Drogenrausch verscherbelt - weit unter dem Wert, die die Stücke für die Einbruchsopfer haben. Das ist auch bei Lore und Heino Seidel so. Sie vermisst schmerzlich Schmuck aus dem Familienerbe, er trauert der guten alten Fotokamera mit dem Zubehör nach. Ein Trost ist, dass die Tätergruppe gefasst ist und bald vor dem Kadi steht. Die Juristin wird in dem Strafverfahren als Nebenklägerin auftreten.