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Einander in Liebe begegnen

Angelika Scholte-RehPastorin im Pfarrsprengel Lindenau-Kroppen
Angelika Scholte-RehPastorin im Pfarrsprengel Lindenau-Kroppen FOTO: Scholte-Reh
Es gibt Menschen, die vergisst man ein ganzes Leben nicht. Meine Religionslehrerin war so ein Mensch.

Wir gingen gern zu ihr, weil sie die biblischen Geschichten so packend und lebensnah erzählte und immer ein Bild oder eine Bastelei dazu mitbrachte. Das besondere an Fräulein Holtkamp waren ihre Augen. Sie blickten jedes von uns Kindern voller Wärme und Liebe an. Selten verlor sie die Geduld und immer hatte sie ein gutes Wort für uns.

Viele Jahre später, als ich selbst schon Vikarin war, bin ich ihr wieder begegnet, bei einem Besuch in meiner Heimat. Da saß sie im Gottesdienst und sah immer noch so aus wie zu meinen Kindertagen. Ich erzählte, dass ich ihrem Vorbild gefolgt bin, und wir kommen ins Gespräch. "Wie haben Sie das eigentlich gemacht?", will ich von ihr wissen. "Was denn?", fragte sie zurück. "Dass Sie selbst die größten Rabauken so geduldig angenommen und uns alle mit so viel Wertschätzung beschenkt haben?" Sie antwortete: "Ich habe mich gefragt, wie Jesus sie sieht. Und dann habe ich an jedem Kind etwas Besonderes und Liebenswertes gefunden." Nach einem kurzen Schweigen spricht sie nachdenklich weiter: "Manche Kinder haben es mir wirklich schwer gemacht, wenn sie nicht zuhören oder stillsitzen wollten, wenn sie mich nicht geachtet und mich beschimpft haben." Doch selbst das schwierigste Kind habe etwas, das es gut könne, und etwas, das liebenswert an ihm sei.

Das habe ich mitgenommen aus unserem Gespräch. Die Liebe ist die Atmosphäre, in der Menschen atmen und leben können.

Und Ihnen wünsche ich Menschen, die Ihnen voller Liebe begegnen, offene Augen für das Liebenswerte anderer und ein Herz haben, in dem die Liebe wurzelt!