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Prozess
Drogendealer sagt vor Gericht aus

Ein vorbestrafter Drogenhändler aus Senftenberg muss sich vor dem Cottbuser Landgericht verantworten.
Ein vorbestrafter Drogenhändler aus Senftenberg muss sich vor dem Cottbuser Landgericht verantworten. FOTO: Jan Augustin / LR
Cottbus/Senftenberg. Ein wegen Drogenhandels verurteilter und in Haft sitzender 35-jähriger Senftenberger hat am Donnerstag vor dem Landgericht Cottbus als Zeuge ausgesagt. An Details will er sich aber nicht erinnern. Von Jan Augustin

„Weiß ich nicht mehr“ - diesen Satz hören Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht am Donnerstag des Öfteren. Sie stammen von einem 35-jährigen Senftenberger, der wegen Handels mit Betäubungsmitteln hinter Gittern sitzt und als Zeuge eigentlich für mehr Klarheit im Prozess sorgen soll. Er gibt zwar zu, Drogen des Angeklagten gekauft, auch welche selbst genommen und verkauft zu haben. Auch an die Skaterbahn, wo die Drogen des Angeklagten in einem Gebüsch versteckt gewesen sein sollen, erinnert er sich noch. Bei weiteren Detailfragen wie nach Mengen, Personen, Preisen oder Zeiten bleiben die Aussagen aber unscharf bis schwammig. „Keine Ahnung, ist ja eine ganze Weile her“, antwortet er fast flüsternd zum Beispiel auf die Frage des Vorsitzenden Richters Frank Schollbach, wegen wie vieler Taten er denn verurteilt worden ist. Das Landgericht hatte den Senftenberger im Dezember vorigen Jahres zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Nachgewiesen wurden ihm vier Fälle von unerlaubtem Handel mit Drogen, einmal davon bewaffnet.

Um eine scharfe Pistole mit Schalldämpfer geht es auch im aktuellen Fall. Die Waffe wurde im April bei einer groß angelegten Razzia in einer Senftenberger Wohnung gefunden. Sie soll dem 37-jährigen Angeklagten gehören. Genauso wie die 1,6 Kilogramm Crystal Meth, 80 Gramm Kokain, 700 Gramm Haschisch, 770 LSD-Trips und Tausende Euro Bares. Die Staatsanwaltschaft wirft dem wegen Drogenhandels vorbestraften Senftenberger insgesamt 115 Taten vor. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Mindeststrafe von fünf Jahren. Allerdings hält die Staatsanwaltschaft eine Strafe von mindestens elf Jahren für angemessen. Hinzukommen würde eine erhebliche Zahlungsforderung von 165 000 Euro. Diese Summe, so schätzt die Staatsanwaltschaft, habe der Angeklagte mit dem Handel umgesetzt und müsse an die Staatskasse gezahlt werden. Grund ist das geänderte Gesetz zur strafrechtlichen Vermögensabschöpfung.

Mehr Licht ins Dunkle der Drogengeschäfte hat diese Zeugenvernehmung am Donnerstag nicht gebracht. Nach einer halben Stunde wird der Zeuge wieder entlassen - aus dem Gericht und mit Handschellen angelegt wieder direkt in den Strafvollzug. Davor gibt es für einen Bruchteil noch einen kaum wahrnehmbaren, aber zwinkernden Blickkontakt zum Angeklagten.