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| 02:52 Uhr

Ein Typ der kurzen Wege

Seit Oktober 2014 ist Steffen Philipp Vorsitzender des Sedlitzer Ortsbeirates. Er will den Ort weiter im Seenland etablieren.
Seit Oktober 2014 ist Steffen Philipp Vorsitzender des Sedlitzer Ortsbeirates. Er will den Ort weiter im Seenland etablieren. FOTO: trt1
Sedlitz. Bergmann, Sanierer, Unternehmer und jetzt Kommunalpolitiker: Der neue Sedlitzer Ortsvorsteher Steffen Philipp ist ein viel beschäftigter Mann. Der 48-Jährige will seinen Heimatort weiter voranbringen. Sein meistbenutztes Arbeitsgerät ist dabei das Telefon. Torsten Richter-Zippack / trt1

Steffen Philipp weiß, wo bei seinen Sedlitzern der Schuh klemmt. Nicht nur wegen seiner beiden, zumeist gut besuchten monatlichen Sprechstunden im Ortsvorsteherbüro. Denn Philipp empfängt täglich viel Besuch. Oder besser gesagt Kunden. Denn der Kommunalpolitiker betreibt hauptberuflich einen Getränkemarkt in seinem Heimatort. Seit Kurzem darüber hinaus das Lebensmittelgeschäft neben der Kirche. "Da erzählen die Bürger öfter von ihren Sorgen und Nöten", berichtet Philipp. Beispielsweise, wenn im Jugendklub mal zu lange Krach war. Oder irgendwo im Ort eine Straßenlampe defekt ist.

Der Ortsvorsteher versucht dann, schnell zu helfen. "Ich greife zum Telefonhörer und versuche, das Problem gleich zeitnah zu klären. Oder ich fahre gleich ins Senftenberger Rathaus, spreche mit dem zuständigen Bearbeiter", sagt Steffen Philipp. Und weiter: "Ich bin ein praktischer Mensch, der Typ der kurzen Wege." E-Mails schreibe der 48-Jährige zwar auch, aber diese seien ihm zu unpersönlich. "Außerdem ist es mir lieber, mein Gegenüber zu hören oder zu sehen. Dann kann der jeweilige Gesprächspartner nicht ausweichen", lautet die schlüssige Begründung.

Manchmal könne es auch etwas länger dauern, bis eine Lösung in Sicht ist. Doch Philipp lasse dann nicht locker. Ein langer Atem sei seine besondere Stärke. Kein Wunder musste er diesen bereits in seinem früheren Berufsleben beweisen. Beispielsweise während des Winterkampfes im Tagebau. "Während meiner Armeezeit in den 1980er-Jahren durfte ich unter anderem die Bandanlagen freischippen. Ein echter Knochenjob", erinnert sich der Sedlitzer.

In der Kohle begann auch seine Laufbahn. "Als Maschinist für Tagebaugroßgeräte habe ich in Meuro auf der Förderbrücke gearbeitet", berichtet Philipp. Später sei er in der Grubenentwässerung tätig gewesen, anschließend in der Sanierung. "An der Flutungsleitung zum Tagebau Greifenhain habe ich mitgebaut", erzählt der Bergmann nicht ohne Stolz. Derzeit speise die Trasse die Teiche im Altdöberner Schlosspark.

Anfang 2006 folgte dann der Sprung in die Selbstständigkeit. "Eckehards Sohn sein Getränkehandel" heißt das Sedlitzer Unternehmen. Philipp hatte die Firma von einer befreundeten Familie übernommen, die sich zur Ruhe setzte. Der etwas ungewöhnliche Name des Getränkeshops resultiere zur Erinnerung an seinen Vater, erklärt Steffen Philipp. Ende Januar 2015 öffnete das zweite Geschäft, der Lebensmittelmarkt in der Ortsmitte.

Wenige Monate zuvor hatte der rührige Sedlitzer eine ganz besondere Unternehmung begonnen. Nämlich die Führung des Ortsbeirates. Mit sagenhaften 57Prozent, das entspricht gleich zwei Sitzen, wählten die Bürger den Firmenchef auf den Chefsessel im Bürgerhaus. Kurioserweise musste während der Wahl des Ortsvorstehers das Los herhalten. Philipp hatte das Glück auf seiner Seite. Seitdem führt er gemeinsam mit dem Elektrounternehmer Frank Ciesielski die Geschicke des Ortes.

Steffen Philipp ist sich durchaus bewusst, dass er dabei in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Wolfgang Kaiser tritt. Kaiser hatte, mit wenigen Jahren Unterbrechung, das Dorf seit der Wiedervereinigung geführt. "Wenn immer ich Fragen habe, der Wolfgang hilft mir mit Rat und Tat", sagt Philipp anerkennend. Die "Antrittsbesuche" im Senftenberger Rathaus lägen nun hinter ihm. Jetzt gehe es an die praktische Arbeit. Und die halte im neuen Jahr mehrere Großprojekte bereit. Da wäre zunächst der Radweg nach Senftenberg. Dort müssten die Bergbausanierer noch mal ran. Rütteldruckverdichtung des Kippenbodens heiße das Zauberwort. Um eine längerfristige Sperrung der Trasse zu verhindern, wolle sich Steffen Philipp in die Bresche werfen. "Es wäre super, würde der Radweg weitestgehend offen bleiben. Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden", kündigt der Sedlitzer Ortsvorsteher an. Nächste Baustelle: die Ortsdurchfahrt. "Im Sommer soll es endlich losgehen. Die Einwohner freuen sich vor allem auf die Ampel am Bahnhof. Die sorgt dann für Sicherheit", so Philipp. Bevor die Bauarbeiter anrücken, werde es eine Einwohnerversammlung geben.

Wenn alles am Schnürchen läuft, solle ebenfalls noch in diesem Jahr der Bau des neuen Feuerwehrdomizils neben dem Reitplatz beginnen. "Die Sedlitzer wollen das unbedingt. Denn die jetzigen Bedingungen sind unzumutbar", weiß der Ortsvorsteher. Der 48-Jährige ist übrigens seit wenigen Wochen selbst ein Floriansjünger. "Ich muss doch wissen, wenn es im Ort einmal brennt", begründet Philipp schmunzelnd.