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| 16:53 Uhr

Lausitzer Geschichte
Ein tiefer Fall am Dresdner Hof macht Altdöbern stark

 Premiere im Rahmen der bundesweiten Initiative „Lust am Garten“: Erstmals schlüpften mit Hans Anacker und Katharina Sprigode zwei Cottbuser in die Rolle ehemaliger Altdöberner Barockschlossbesitzer. Sie verkörperten Carl Heinrich von Heineken (1707-1791) und seine Gemahlin Friederike Magdalena, geborene Noeller (1721-1790). Fotos: Uwe Hegewald/uhd1  Im Altdöberner Schlosspark – hier bei einer szenischen Führung zu „Lust am Garten“ im Juni – können Besucher flanieren. Archivfoto: uhd
Premiere im Rahmen der bundesweiten Initiative „Lust am Garten“: Erstmals schlüpften mit Hans Anacker und Katharina Sprigode zwei Cottbuser in die Rolle ehemaliger Altdöberner Barockschlossbesitzer. Sie verkörperten Carl Heinrich von Heineken (1707-1791) und seine Gemahlin Friederike Magdalena, geborene Noeller (1721-1790). Fotos: Uwe Hegewald/uhd1 Im Altdöberner Schlosspark – hier bei einer szenischen Führung zu „Lust am Garten“ im Juni – können Besucher flanieren. Archivfoto: uhd FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Carl Heinrich von Heineken hat das Kupferstichkabinett in Dresden und Altdöbern entscheidend geprägt. Ein neues Buch erzählt vom Wirken des gefallenen Brühl-Günstlings am sächsisch-kurfürstlichen Hof in der Lausitz. Von Kathleen Weser

Schloss und Park Altdöbern gehören zum „bedeutenden Kulturerbe des Landes Brandenburg“. Das hat Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Sonnabend beim Vorstellen des Buches „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“ gewürdigt.

Das Buch widmet sich der spannenden Geschichte von Schloss und Park Altdöbern und dem Wirken von Carl Heinrich von Heineken. Er war ein enger Vertrauter und Privatsekretär von Heinrich Graf von Brühl. Im Jahr 1747 wurde er Direktor des sächsischen königlich-kurfürstlichen Kupferstichkabinetts. Hier regte er die 1764 erfolgte Gründung der Dresdner Kunstakademie an, förderte den Aufkauf von Kupferstichen Dürers und erwarb Werke Rembrandts und van Dycks in den Niederlanden und Hamburg.

 Dr. Thomas Ketelsen (l./Köln) und Martin Schuster (r./Dresden) sind Herausgeber des edel verarbeiteten Buches „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“. An der Publikation des bedeutenden Kunstgelehrten des 18. Jahrhunderts, der in Altdöbern beigesetzt ist, hat ein internationales Autorenteam mitgewirkt.
Dr. Thomas Ketelsen (l./Köln) und Martin Schuster (r./Dresden) sind Herausgeber des edel verarbeiteten Buches „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“. An der Publikation des bedeutenden Kunstgelehrten des 18. Jahrhunderts, der in Altdöbern beigesetzt ist, hat ein internationales Autorenteam mitgewirkt. FOTO: Martin Schuster / privat

Als Vertrauter und Günstling des Grafen von Brühl, dem nach seinem Tod vorgeworfen worden war, sächsische Staatsgelder veruntreut uns sich bereichert zu haben, galt auch von Heineken als tatverdächtig und wurde angeklagt. Denn er hatte bei seinem Dienstantritt bei Brühl als mittellos gegolten, war aber zu beträchtlichem Vermögen gelangt. Dazu gehörten die Rittergüter Altdöbern, Bollensdorf (bei Ihlow/Teltow-Fläming) und Muckwar und das Taschenberg-Palais in Dresden. Wie sich später herausstellte, alles ererbt – vom Vater seiner Frau, dem sehr wohlhabenden Küchermeister und kurfürstlich-sächsischen Hofkoch Johann Jakob Nöller.

In Dresden zwar rechtlich rehabilitiert, aber tief gefallen, zog sich Heineken 1764 nach Altdöbern zurück und widmete sich kunstwissenschaftlichen Forschungen. Das Schloss Altdöbern hat er ab 1750 prunkvoll ausbauen, den Park fast erweitert und mit Kanälen, Wasserspielen, Brücken und Plastiken versehen. Von Heineken arbeitete als Schriftsteller und Kunstsammler - und förderte die Landwirtschaft, besonders den Obstanbau auf seinen Gütern und die Tabakverarbeitung in einer eigenen Fabrik.

Das Schloss- und Park-Ensemble Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz)  gehört heute zu den bestens erhaltenen Anlagen des sächsischen Barock. Es war im 18. Jahrhundert auch eine wichtige Brücke für Kunst- und Kulturtransfers zwischen Dresden und Potsdam und steht damit auch in besonderer Weise für die oft fruchtbare, aber nicht immer spannungsfreie Beziehung zwischen Preußen und Sachsen.

Die Brandenburgische Schlössergesellschaft hat das Ensemble in  den vergangenen 20 Jahren restauriert und damit vor dem Verfall gerettet. In die Schlossanlage ist wieder Leben eingezogen. Als Einsatzstelle der Internationalen Jugendbauhütte wird die Anlage noch bekannter. Junge Leute aus dem In- und Ausland arbeiten hier im Freiwilligendiensten dafür, den Park wiederherzustellen und zu pflegen.

Vom barocken Garten ist nur noch der Frannzösische Garten erhalten. Denn Pückler-Schüler Eduard Petzold hatte das Areal später in den heutigen 55 Hektar großen Landschaftspark umgestaltet.

Seit 1996 wurden etwa  13,7 Millionen Euro in das Schlossgebäude, eine Million Euro in die Parkanlage und 1,2 Millionen Euro in die Jugendbauhütte investiert.