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| 01:06 Uhr

Ein Senftenberger will nach oben

Senftenberg.. Angenommen, Steven Spielberg sähe in einem seiner Filme eine Rolle für einen deutschen Mann vor. Und wäre auf der Suche nach einem Schauspieler im mittleren Alter, einem ganz normalen, ohne offensichtliche Ecken und Kanten. Dann könnte es gut sein, dass er sich für Hans-Peter Rößiger entschiede. Der Senftenberger ist immerhin schon einige Male im Fernsehen aufgetreten, hat sogar eine Nebenrolle in einem Kinofilm gespielt. Jetzt versucht er sich als Theaterschauspieler. Am Freitag ist er im Amphitheater in der Verwechslungskomödie Amphitryon von Moliére als Offizier Naukrates zu sehen. Von Dörthe Hückel


 „Berühmt will ich nicht werden.“
 Hans Peter Rößiger


Eigentlich verrückt, findet Rößiger, der in seinem Leben schon Museumschef und Bauunternehmer war. Dass er seine ersten Gehversuche auf der Theaterbühne ausgerechnet in einer Komödie unternimmt. Wo die doch nun wirklich am schwierigsten zu mimen sei. Zwar spielt er in dem Fünf-Mann-Stück die kleinste Rolle, aber eine Stunde lang würde er alles in allem immerhin auf der Bühne stehen.

Gut gemeistert
„Ich hätte mir für den Anfang eine kleinere Rolle gewünscht, mit nicht ganz soviel Witz.“ Aber er hat sich der Herausforderung gestellt und sie ganz gut gemeistert, findet der 52-Jährige. Das Selbstlob kommt nicht von ungefähr. In Berlin, wo Amphitryon am vergangenen Freitag seine Bühnenpremiere hatte, gab es jedenfalls Szenenapplaus. Für den Offizier Naukrates, einen Mann, der in der Doppelgängerkomödie nicht so recht weiß, wo er hingehört und der ein bisschen naiv durch die Welt geht.
Fast verschmolzen ist er mittlerweile mit der Rolle, sagt Rößiger. Je länger er sich mit dem Naukrates beschäftigt, je öfter er geprobt und seinen Text geübt hat, auf der Bühne und zu Hause, desto mehr hätte er den Part verinnerlicht. Ein bisschen davon ist wohl auch in den Menschen Rößiger gedrungen.
Kokett dreinzuschauen beherrscht der frisch gebackene Schauspieler jedenfalls ziemlich perfekt. Während er von seinen Visionen erzählt, hebt er die himmelblauen Augen gen Himmel, zieht die Stirn dabei leicht kraus. „Eines steht fest: Berühmt will ich nicht werden.“ Der Ruhm, ständig beobachtet zu werden, das wäre nichts für ihn. Aber Schauspieler sein, einer, der von seiner Kunst auch leben kann, das schon. „Ich weiß, dass der Markt hart ist. Und ich bin mit 52 Jahren auch nicht mehr ganz jung.“ Zuversichtlich ist Rößiger dennoch.
Nach seinem ersten Auftritt in der ZDF-Show „Streit um Drei“ wären die Regisseure begeistert gewesen. Sonst hätten sie ihn ja auch kaum noch mehrfach gebucht, als Bauunternehmer und Fliesenlegermeister. Und Horst Krause, der von Polizeiruf 110, mit dem er in dem Film gespielt hat, der bald in die Kinos kommen soll, der sei auch sehr angetan gewesen von dem Senftenberger. Dass jetzt auch noch die Brüder Ingo und Ralph Woesner angeklopft haben, weil sie ihm in ihrer Amphitryon-Inszenierung eine Chance geben wollten, das gebe ihm jedenfalls mächtig Auftrieb.
Wenn es denn klappen würde mit der Schaupielerkarriere, dann hätte sich für Rößiger ein lang gehegter Traum erfüllt. Schon als Kind hat er sich zu einem Leben auf der Bühne berufen gefühlt. Sich wegen der Eltern dann aber doch für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften entschieden. Und als das Angebot kam, die Stelle des Leiters vom Kreismuseum in Senftenberg zu übernehmen, hätte er nicht nein sagen können. Nach der Wende versuchte er sich ein paar Jahre als Bauunternehmer, 1999 stieg er aus, weil das knallharte Geschäft seinem Gemüt nicht entsprochen hätte.
Er besann sich auf seinen Jugendtraum. Nahm Schaupielunterricht, bewarb sich bei Castings, bekam die ersten Rollen. Und die Branche hat gehalten, was er sich von ihr versprochen hat. Er habe bisher nur gute Erfahrungen gesammelt. Hätte Menschen getroffen, die es gut mit ihm meinen.
Dass ihm das gelingt, davon sind auch die Zwillingsbrüder Woesner überzeugt. Beide haben schon als Schauspieler und Regisseure an der Neuen Bühne Senftenberg gearbeitet, vor zwei Jahren ihr eigenes Theater-Unternehmen in Berlin gegründet. Mit Projekten wie Amphitryon ziehen sie durch das ganze Land, versuchen, sich einen Namen zu machen. Mit Theatergänger Rößiger waren die beiden seit ihrer Senftenberger Zeit befreundet. „Ich dachte, dass da Talent sein könnte“ , erklärt Ingo Woesner seine Wahl. Und er habe Recht behalten. „Er ist sehr lernwillig, konnte den Text schneller als wir. Und er kann mit Kritik gut umgehen.“ Besonders das komödiantische Talent sei deutlich zu erkennen.

Manchmal belächelt
Dass es für jemanden, der hoch hinaus will, nicht einfach ist in einer Stadt wie Senftenberg, das weiß Rößiger. Viele Leute würden ihn belächeln. Versuchen will er es trotzdem. Nächstes Jahr, wenn seine ABM-Stelle am Theater ausläuft - er soll die Geschichte des Schauspielhauses erforschen - will er Castings abklappern, um neue Aufträge zu ergattern. Und für eine Rolle würde er eine Menge tun. Sich die Haare abrasieren oder Gewicht anfuttern, wenn sein Part es erfordert - da würde er nicht zögern. Dass er noch längst nicht so tief im Geschäft ist, dass er wählerisch sein kann, sei ihm klar. „Ich würde erstmal nehmen, was man mir anbietet.“

Service Termine
 Die Komödie „Amphitryon“ von Jean-Baptiste Moliére ist am Freitag und Samstag jeweils ab 21 Uhr im Amphitheater zu sehen. Weitere Termine sind für den 8. und 9. August anberaumt. Die Brüder Woesner sind am Sonntag, 27. Juli, außerdem mit ihrem „Herricht & Preil“ -Programm zu sehen. Los geht es um 19 Uhr im Amphitheater.