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Ein Senftenberger schrieb Musikgeschichte

Senftenberg.. Der musikinteressierte Pädagoge Abraham Schadaeus, der 1603 nach Speyer kam, um das wichtigste Schulamt der Stadt zu übernehmen, erwarb als Sammler von Kompositionen sowie Herausgeber der ersten drei Teile des „Promptuarium musicum“ nachwirkenden Lorbeer. Martin Stolzenau

Das Sammelwerk enthält in Quantität und Qualität neben vielen deutschen und niederländischen Kompositionen auch die wichtigsten Zeugnisse des italienischen Musikimports seiner Zeit und fand in Deutschland einst über Generationen eine enorme Verbreitung. Damit schrieb der Hobby-Musiker, der selbst nicht komponierte und mit dem Komponisten Caspar Valentius eng befreundet war, Musikgeschichte.
Schadaeus, der auch als „Abraham Schade Senftenbergensis Misnicus“ bekannt ist, wurde 1566 in Senftenberg als Sohn eines Diakons und späteren Pfarrers geboren. Er studierte ab 1584 an der Universität Frankfurt/Oder, wo er den Magistergrad erwarb. Anschließend fungierte der junge Gelehrte als Tertius an der Fürstenschule St. Afra in Meißen. Doch 1592 wurde Scha-deaus wegen calvinistischer Umtriebe von der streng lutherischen Einrichtung verwiesen. Noch im gleichen Jahr konnte er sich rehabilitieren und erlangte die Kantorenstelle am Gymnasium zu Bautzen. Er gründete eine Familie und heiratete nach dem frühen Tod seiner ersten Frau in zweiter Ehe Katharina Bernauer.
Als er bei der Besetzung der Konrektorenstelle zweimal ignoriert wurde, drehte er Bautzen den Rücken und zog mit seiner Familie zu Valentius nach Speyer, wo er 1603 zum Rektor der Lateinschule berufen wurde.
Der Schulmann, der Kompositionen sammelte, und der Musikus, der komponierte, wurden Freunde. Aus dem riesigen Vorrat erstellten beide das „Promptuarium musicum“ , dessen erster Teil 1611 erschien und dem Rat von Speyer gewidmet war. Aber nach dem Tod seiner dritten Frau war dem Schulmann die Stadt verleidet.
1613/14 kehrte er mit seinen verbliebenen Kindern über einen längeren Zwischenaufenthalt in Torgau nach Bautzen zurück, wo er ab 1614 als Konrektor und nach 1615 als Rektor des Gymnasiums wirkte. Nach neuerlicher Heirat und Rücktritt aus dem Schulamt verbrachte Schadaeus seine letzten Lebensjahre in Finsterwalde, wo er 1626 starb, zwei Jahre nach Vincentius, der zuletzt in Würzburg gewirkt und den vierten Teil des „Promptuariums“ herausgegeben hatte. Das Sammelwerk ist beeindruckend: Teil 1 besitzt 83, Teil 2 umfasst 100 und der 3. Teil 121 Kompositionen. Diese wurden vor allem in den deutschen Schul- und Stadtkantoreien genutzt.