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Ein rühriges Dorf mit vielfältigem Jagdglück

Hörlitz. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten und 32 Gemeinden plus Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Station heute: Hörlitz (Gemeinde Schipkau). Peter Aswendt

. Das Dorf Hörlitz mit industriellem Charme und Jagdglück gehört zu den größeren Dörfern im Landkreis Oberspreewald Lausitz. Schon in den 1930er-Jahren musste der ursprüngliche Ort der Braunkohle weichen. Bis nach der Wende bestimmte die Kohle das Leben in dem Dorf.

Ein markanter Leuchtturm der industriellen Zeit war die Brikettfabrik Meurostolln, die im Jahr 1995 das letzte Braunkohlenbrikett presste. Heute erinnert in der Ortsmitte, am Eingangsbereich der ehemaligen Fabrik, ein Freilichtmonument an diese die Region prägende Zeit.

Das ist übrigens auch ein Ort, um Rast auf einer Fahrradtour zu machen. Denn Hörlitz liegt auf der Route zweier Fernradwege, des Niederlausitzer Kreisels und des Fürst-Pückler-Radweges.

Ein weiteres lohnendes Aus- flugsziel ist der Aussichtsturm, der am höchsten Punkt des Ortes 27 Meter in die Höhe ragt. Er soll an einen ehemaligen Wasserturm erinnern und bietet einen Blick über den naheliegenden Lausitzring, über Senftenberg und bis nach Großräschen. Es wird behauptet, dass bei ganz klarem Wetter sogar am Horizont die Schneekoppe zu erahnen ist.

Auch ein historisches Mundloch (bergbaulich für Stolleneingang) von Meurostolln ist am Fuße des Turms zu bestaunen.

Zentrum des geselligen Lebens ist das Kulturhaus. Fest in Gemeindehand wird es aber auch von versammlungs- und feierwilligen Firmen und Bürgern genutzt. "Wir haben große Unternehmen, die regelmäßig unser Kulturhaus für Tagungen und Feierlichkeiten nutzen", bestätigt Ortsvorsteherin Helga Szthelo (70). "Wir organisieren auch selbst viele Veranstaltungen für das Dorf", verweist sie auf die jüngste Silvesterparty und den kommenden Fastnachtstanz (13. Februar, 18 Uhr).

Diesen Ort lässt sich die kommunale Führung auch einiges Kosten. Immerhin wurden im vergangenen Jahr knapp 80 000 Euro in das kulturelle Zentrum von Hörlitz investiert. In diesem Jahr wird mit etwa 100 000 Euro geplant.

Die großen Waldflächen, die auf dem Kippengelände rund um Hörlitz entstanden sind und zur Ortsgemarkung gehören, sind ein Eldorado für Wild. Diese Waldgebiete werden zwar vom Schipkauer Jagdverein und einigen privaten Jagdgemeinschaften intensiv bejagt, aber trotzdem ist Hörlitz für "die wilde Schweinerei eine Insel der Glückseligkeit", bestätigt Martin Konzag, Bauamtsleiter der Gemeinde Schipkau, mit einem Augenzwinkern.

Für das Jagdglück der anderen Art sorgt ein Geschäft mitten in Hörlitz, das in dieser Lage nicht zu vermuten ist. In einem ehemaligen Supermarkt betreiben Unternehmer aus Elbe-Elster ein Angelsportzentrum: "Wir sind zwar eine Insel, aber das bezieht sich mehr auf das Kippengelände der ehemaligen Tagebaue", sagt Helga Szthelo lachend. "Die jungen Unternehmer haben sich hier mit ihren Produkten auch fernab vom Wasser gut etabliert", stellt die Ortsvorsteherin anerkennend fest.

Unternehmerisch bietet Hörlitz eine große Vielfalt. Im Gewerbegebiet "Am Schießplatz" herrscht reges Treiben. Autoservice, Dachdecker und der Landkreis sind nur einige Vertreter auf diesem Gelände. Im Ort gibt es neben heimischen Unternehmen auch eine Fertigungsstrecke des Großrä-schener Gerüstbauers Plettac.

Die Einwohnerzahl von Hörlitz ist stabil. Nach den drei Geburten im vergangenen Jahr liegt die Altersspanne heute zwischen sechs Monaten und 94 Jahren.

Eine einzigartige Wohnungsstruktur hebt Hörlitz vom klassischen Dorf ab. Den Anger und die Höfe sucht man vergebens. Die Kommune selbst hat 132 Wohnungen in Eigenverwaltung. "Hörlitz hat eine gute Bausubstanz, da vieles erst in den 1950-ern entstanden ist", erklärt die Ortschefin. "In der Nachwendezeit ist der Ort von der Industriesiedlung zu einem bunten, vielfältigen Dorf geworden und durch die Umgehungsstraße auch sehr ruhig", hebt sie die wohnlichen Vorzüge hervor.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt, versichert Martin Konzag. "Wir werden in den nächsten fünf Jahren etwa 1,8 Millionen Euro in die Hand nehmen und die Straßen in Hörlitz sanieren." Mittelfristig ist auch noch ein Radweg durch Hörlitz mit Zielpunkt Lausitzring geplant, bestätigt der Bauamtsleiter.

Zum Thema:
Lage: An der L 60 und B 169 zwischen Senftenberg und Schipkau Einwohner: 920 Ausflugsziele: Aussichtsturm Hörlitz, Indus-triedenkmal "Meurostolln" Tourismus: Radwegenetz "Niederlausitzer Kreisel", Fürst-Pückler-Weg Veranstaltungsort: Kulturhaus Hörlitz Größter Sportverein: FSV Empor Hörlitz Internet: www.gemeinde-schipkau.de