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Ein neues Feld für die Wissenschaft

Landwirt Thomas Domin will gemeinsam mit BTU-Forschern mehr aus seinem leichten Ackerboden herausholen.
Landwirt Thomas Domin will gemeinsam mit BTU-Forschern mehr aus seinem leichten Ackerboden herausholen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Peickwitz. Wenn ein gestandener Bauer einen Doktor zum Forschen auf seine Schläge lässt, dann erhofft sich der passionierte Landwirt auch einen ganz praktischen Nutzen davon. Thomas Domin aus Peickwitz will mehr aus seinen leichten Ackerböden herausholen und sein Hauptproduktionsmittel schonen. Andrea Budich

Die zwei reden nicht aneinander vorbei, die zwei machen. Der eine praktisch, der andere wissenschaftlich. Nach dem Start des Forschungsprojektes "Aufwerten" ist nach einem guten halben Jahr auch schon Handfestes enstanden. Thomas Domin, seines Faches Meister in der Landwirtschaft, hat gleich hinter seinem Hof die erste Demonstrationsfläche für das gemeinsame Projekt angelegt. Im Februar und März hat er rund 40 000 Sträucher und Bäume auf knapp fünf Hektar Gehölzstreifen gepflanzt. Je Hektar stehen unterm Strich 4000 Euro an Investitionskosten. Die Knochenarbeit ist da noch nicht einmal eingerechnet.

Um später die Voraussetzungen ermitteln zu können, die notwendig sind, solche alternativen Landbausysteme zu etablieren, geht das Projekt mit der Auswahl der Baumarten an den Start. Zwischen dem Mais der Peickwitzer Bauern stehen jetzt in Streifen gepflanzt Robinien, Pappeln, Roterlen, Feldahorn, Spitzahorn, Roteichen und Grauerlen in Reih und Glied. Das Aufforsten entgegen der Hauptwindrichtung war aufgrund der extremen Trockenheit in diesem Frühjahr besonders arbeitsaufwendig. "Das Bewässern hat uns besonders an dem Wochenende mit der Sahara-Glut auf Trab gehalten", sagt Thomas Domin. Das Ergebnis überzeugt: Die Robinien sind schon auf einen Meter Höhe emporgewachsen. Auch die Pappeln stehen nicht schlecht im Saft. Bis zum Jahresende sollen sie zwei Meter messen.

Der Ertrag der Bäume, den Thomas Domin frühestens nach vier Jahren einfahren wird, ist für ihn jedoch nicht allein ausschlaggebend. Viel wichtiger ist ihm der Schutz des Ackerbodens, der sein Hauptproduktionsmittel ist. Leichte Böden wie die seines Hofes, wirbeln bei ordentlich Wind schnell durch die Lüfte. Mit dem Windschutzeffekt der angelegten Flurgehölzstreifen soll sich das ändern. Die Wissenschaftler um Projektleiter Dr. Christian Böhm vom Lehrstuhl Bodenschutz und Rekultivierung an der BTU Cottbus-Senftenberg führen daher auf dem Acker regelmäßig Windmessungen und Bodenuntersuchungen durch. Forschungsergebnisse auf ähnlichen Demonstrationsflächen belegen, dass Winderosion und Verdunstung dank der Gehölzstreifen bis zu 90 Prozent verkleinert werden können. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse will sich Landwirt Domin auf seinen Schlägen in der Peickwitzer Flur zu Nutze machen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt ist bis zum Sommer 2019 angelegt. Ein erstes Resümee fällt durchweg positiv aus: "Wir sind ein schönes Beispiel der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft", erklären der Bauer und der Doktor.

Zum Thema:
Thomas Domin hat 1997 den Hof von seinem Vater übernommen. Mit viel Pioniergeist haben sie den Betrieb Schritt für Schritt ausgebaut und den heutigen Herausforderungen angepasst. Nach dem Kauf des alten Schweinestalls der Agrargenossenschaft Biehlen und zusätzlicher Ackerflächen, begann die Entwicklung. Wichtige Stationen waren im Jahr 2000 die Eröffnung des Hofladens zur Direktvermarktung, 2005 Bau eines der ersten Biogasanlagen in der Region und 2010 der Bau einer Photovoltaikanlage auf Hofdächern. Zum Landwirtschaftsbetrieb gehören 20 Mutterkühe und 40 Schweine. Bewirtschaftet werden knapp 260 Hektar zwischen Meuro, Schwarzheide und Hosena.