| 18:56 Uhr

Ehrenamt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Ein Leben für die Feuerwehr

Feuerwehr-Nachwuchsarbeit wird in Wormlage groß geschrieben. 2016 richtete die Freiwillige Feuerwehr um ihren damaligen Ortswehrführer Ditmar Nauert (kleines Foto) den Großräschener Stadtfeuerwehrtag aus.
Feuerwehr-Nachwuchsarbeit wird in Wormlage groß geschrieben. 2016 richtete die Freiwillige Feuerwehr um ihren damaligen Ortswehrführer Ditmar Nauert (kleines Foto) den Großräschener Stadtfeuerwehrtag aus. FOTO: Uwe Hegewald
Wormlage. Ohne Ehrenamtler wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Ditmar Nauert, Feuerwehrmann aus Wormlage. Von Uwe Hegewald

Als Mitte voriger Woche Sturmtief „Burglind“ über Mitteleuropa hinwegfegte und auch die Lausitz streifte, wurden bei Ditmar Nauert in Wormlage (Stadt Großräschen) Erinnerungen wach. 2007 bekam die Familie die ganze Kraft des Orkans Kyrill zu spüren. Kurz vor 20 Uhr wackelte damals das ganze Haus und mündete in ein dumpfes Grollen. Fragend zog es Familienmitglieder ins Freie. Mit Entsetzen stellten sie fest, dass Kyrill ein riesiges Loch in die östliche Giebelwand geschlagen hat. Glück im Unglück: Mensch und Tier blieben unversehrt. „In den Folgetagen war erst einmal Aufbauarbeit angesagt. Zum Glück haben wir drei zupackende Jungen und konnten zudem auf externe Hilfe zurückgreifen“, blicken Barbara und Ditmar Nauert an die dramatischen Stunden und Tage vor elf Jahren zurück.

„Ein mulmiges Gefühl bleibt. Bei jedem stärkeren Sturm hoffen wir, dass Schäden ausbleiben – egal, ob bei uns oder anderen Familien“, sagt Ditmar Nauert. Besorgnis hallt in seinen Worten mit, wurde die Region doch zuletzt immer häufiger von Sturmtiefs heimgesucht. „Und die Klimaexperten prophezeien eine Zunahme der Wetterextreme“, hadert er mit der Prognose.

Als Waldbesitzer sind die Nauerts im Umgang mit der Motorkettensäge vertraut. Auch in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Wormlage hat das Gros der Einsatzkräfte einen entsprechenden Befähigungsnachweis zum Führen einer Motorkettensäge in der Tasche. Sturmschäden können schnell behoben werden, anders als bei der Bahn, wo Strecken oft tagelang gesperrt blieben. Für Ditmar Nauert, der die Wormlager Wehr von 1993 bis 2016 leitete, ist das nur ein Beweis, welchen Stellenwert die freiwillige Feuerwehr generell einnimmt.

Das Feuerwehr-Einmaleins hat der heute 63-Jährige bei den Jungen Brandschutzhelfern in Groß Mehßow (Stadt Calau) erlernt. „Ich bin dort geboren, aufgewachsen und irgendwann mit Kumpels zur Nachwuchsfeuerwehr gestoßen“, so der Ehrenamtler, der 1976 zu den Floriansjüngern von Wormlage stieß. „Es war naheliegend und von den Kameraden im Dorf auch so gewollt. Nach einer Versammlung der Ortsfeuerwehr besuchten sie unseren Polterabend, um zu gratulieren. Einen Tag später war ich in der Feuerwehr“, erinnert sich Ditmar Nauert.

Seitdem liegen intensive vier (Feuerwehr-)Jahrzehnte hinter dem diensteifrigen Uniformträger, der auch die Brandkatastrophe im Chransdorfer Forst 1983 miterlebt hat, das furchtbare Feuer in der Ilse-Apotheke Großräschen 1996 sowie den Großbrand auf dem Freienhufener Recyclinghof 2015 mitgelöscht hat. „Zwei Tage waren wir dort ununterbrochen im Einsatz“, so Nauert. Den Staffelstab des Ortswehrführers hat er vor einem Jahr an Daniel Roick weitergereicht hat. „Ein patenter und couragierter Bursche, der für eine generelle Verjüngung der Wormlager Wehr steht“, betont er.

Wenn im Dorf das Wort Feuerwehr fällt, geschieht das sehr oft in Verbindung mit dem Familiennamen Czornack. Marcus Czornack ist Vorsitzender des Feuerwehrvereins, der das jährliche Weihnachtsbaumverbrennen organisiert, das Maibaumaufstellen oder das Zampern mit dem eine Woche später stattfindenden Schwartenabend (Eierkuchenessen). Mandy Czornack leitet die Kinder- und Jugendfeuerwehr Wormlage, die einst durch eine Initiative von Mutter Barbara Czornack erneut zum Leben erweckt wurde. „2008 hat sie mit einem Handwagen die Zamperleute begleitet und für Feuerwehrnachwuchs geworben“, erzählt Ditmar Nauert.

Der Ortswehr attestiert er einen „außergewöhnlichen Zusammenhalt“. Seine Auszeichnung zum Tag des Ehrenamtes im Dezember 2017 durch den Landkreis und die Sparkasse nimmt Ditmar Nauert daher „nur stellvertretend für die gesamte Truppe entgegen“. Kurios: Bis heute sind dem 63-Jährigen Dankesurkunde, Ehrenplakette und die Ehrenamtskarte des Landes Brandenburg noch nicht überreicht worden. An der Festveranstaltung konnte er aufgrund einer lang geplanten Urlaubsreise nach Marokko nicht teilnehmen. „Halb so schlimm“, sagt er, schließlich seien er und „seine“ Wormlager Feuerwehrleute „geduldiges Warten“ gewohnt.

Ditmar Nauert bedauert das „ewige Taktieren in Sachen Feuerwehrdepot-Erweiterung“. „Ein Dachausbau wurde abgelehnt, die alternative Container-Lösung auf Eis gelegt. Wir brauchen die Räumlichkeiten, um die erfahrenen Feuerwehrleute, aber auch den Nachwuchs bei der Stange zu halten“, sagt er in Richtung Stadtverwaltung Großräschen. Man gönne der Stadt die Entwicklung am Hafen, solle dabei aber nicht die Belange der freiwilligen Feuerwehren aus den Augen verlieren, mahnt er. Land, Städte und Gemeinden bräuchten die ehrenamtlichen Helfer – ob bei Einsätzen in Gebäuden, auf Straßen, in Wäldern oder wenn wieder mal ein Sturmtief übers Land hinweggezogen ist.