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| 16:08 Uhr

Freienhufen
Ein Holzveredler par excellence

In seinem Wohnhaus hat Bernd Raguse einen kleinen Raum eingerichtet, in dem ein Teil seiner bisherigen Arbeiten ausgestellt sind. Dass es im Großräschener Ortsteil Freienhufen einen begnadeten Holz(Kunst)Werker gibt, ist jedoch nur wenigen bekannt.
In seinem Wohnhaus hat Bernd Raguse einen kleinen Raum eingerichtet, in dem ein Teil seiner bisherigen Arbeiten ausgestellt sind. Dass es im Großräschener Ortsteil Freienhufen einen begnadeten Holz(Kunst)Werker gibt, ist jedoch nur wenigen bekannt. FOTO: Uwe Hegewald
Freienhufen. Mit Kreativität, handwerklichem Können und Leidenschaft verleiht Bernd Raguse erlesenen Hölzern eine neue Bestimmung.

Wenn andere es sich vor dem Fernseher gemütlich machen, zum Shoppen in die Stadt fahren oder die Seele baumeln lassen, zieht es Bernd Raguse noch einmal in die Werkstatt. Es vergeht kaum ein Nachmittag, an dem der Holz(Kunst)Werker nicht vor die Maschinen tritt oder zum Handwerkszeug greift. „Ich mache das aus Spaß und zur Entspannung. Kommerzielle Interessen bestehen nicht“, so der Freienhufener.

Momentan befasst er sich mit dem Bau eines Lokschuppens für die bekannte Holzeisenbahn-Modellreihe BRIO. Dank passgenauer Verarbeitung, können Loks und Waggons schon bald mittels vorgelagerter Drehscheibe im Lokschuppen „geparkt“ werden. Auftraggeber war der dreijährige Enkelsohn Nicolas, der sehr genau weiß, wie er seinen Opa aus der Reserve locken kann: „Opi, du bist doch Handwerker. Kriegst du so etwas hin?“ Und wie Opa Bernd das hinbekommt! „Man kann seinen Enkeln doch nur schwer einen Wunsch ausschlagen“, sagt er.

Ehefrau Beate sieht das genauso, zumal Momente mit den Enkelkindern Nicolas und Valerie (5) nicht alltäglich sind. Begegnungen mit dem in Bad Homburg lebenden Nachwuchs sind daher immer von besonderer Bedeutung. Erst Recht, wenn Bernd Raguse mit einem neuen Objekt überrascht. „Inzwischen sind es rund 30 Fahrzeuge, die ich produziert habe. Allesamt Unikate, für die es keine entsprechenden Vorlagen gibt“, so der Spezialist. Brummis, Radlader, Walze, ein Bus oder ein Autokran sind bereits in der Holzspielwaren-Manufaktur gefertigt worden und sogar eine Arche. Selbstverständlich mit funktionierenden Klappen, damit Noah seine Tiere vor Einsetzen der Flut auch zügig an Bord bekommt. Realistische Spielfunktionen sind dem Knobler und Tüftler ebenso wichtig, wie Robustheit und Langlebigkeit der Spielgeräte. Darüber hinaus verzichtet Bernd Raguse auf den Einsatz von Farben oder Beizen. Damit sich einzelne Bauteile farblich voneinander absetzen, setzt er bei der Verarbeitung auf verschiedene Edelhölzer wie amerikanischen Nussbaum, kanadischen Ahorn aber auch auf heimische Gehölze wie Eiche, Buche oder Kirsche. Oftmals wird er in der Großräschener Werkstatt des staatlich geprüften Restaurators Falk F. Petermann fündig, mit dem er eng befreundet ist. Bernd Raguse fühlte sich schon als Kind zum Basteln und Werkeln hingezogen. Später erlernte er den Beruf des Werkzeugmachers und genoss eine „private Lehrausbildung“: Bei seinem Schwiegervater, einem Tischler, erweiterte er seine Kenntnisse in einem Umfang, dass in der heimischen Werkstatt sogar eigene Möbelstücke in Produktion gingen. „Die Holzverarbeitung ist aber immer ein Hobby geblieben“, betont Bernd Raguse. Ein Schicksalsschlag hätte fast dazu geführt, die beliebte Freizeitbeschäftigung nur noch eingeschränkt ausüben zu können. Ein komplizierter Hand-Splitterbruch mit fünf nachfolgenden Operationen ließ das Hobby temporär ruhen. „In der Reha habe ich wieder mit kleinen Handgriffen begonnen. Die haben sich als perfekte, private Ergotherapie erwiesen und als probates Mittel, die Schmerzen loszuwerden“, blickt er heute zurück. Sein Können hat sich inzwischen bis nach Australien rumgesprochen, wo Bernd Raguse E-Mail-Kontakte mit einem weiteren Holzwerker pflegt. Wichtigste „Geschäftspartner“ bleiben jedoch die beiden Enkelkinder, denen er Wünsche aus den Augen ablesen kann. Manchmal genügt aber auch der zündende Begleitsatz: „Opi, du bist doch Handwerker. Kriegst du so etwas hin?“