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| 12:15 Uhr

Naturschutz
Ein Haus mit Wohnungen für Vielflieger

 Mit vereinten Kräften wird das Schwalbenhaus hochgezogen. An den Seilen sind (v.l.) Barbara Seidl-Lampa, Uwe Kminikowski (Bürgermeister Ruhland), Gregor Halpick (Bauamt Ruhland), Thomas Höntsch (Vorsitzender Fraktion Ruhland), Karl-Heinz Marschka (Nabu Senftenberg), René Dreißig (Bio Clean) und Günter Walczak (Nabu Senftenberg).
Mit vereinten Kräften wird das Schwalbenhaus hochgezogen. An den Seilen sind (v.l.) Barbara Seidl-Lampa, Uwe Kminikowski (Bürgermeister Ruhland), Gregor Halpick (Bauamt Ruhland), Thomas Höntsch (Vorsitzender Fraktion Ruhland), Karl-Heinz Marschka (Nabu Senftenberg), René Dreißig (Bio Clean) und Günter Walczak (Nabu Senftenberg). FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Ruhland. Die Ruhlander haben jetzt ihr erstes Schwalbenhaus. Darin können mehrere Arten gemeinsam wohnen. Von Peter Aswendt

Kürzlich hat es in der Heinrich-Heine-Straße in Ruhland eine Hauseinweihung der besonderen Art gegeben. In luftiger Höhe von fast vier Metern können 24 Wohnungen bezogen werden. Die potenziellen „Mieter“ sind mit der Wahl ihrer Wohnungen bisher nicht immer glücklich gewesen. Gemeint sind Schwalben, die ihre Nester aus Lehm gern an Giebel von Häusern bauen. Dass dabei manche Wand verschmutzt wird, ist kein Geheimnis. Nicht immer haben die Haubesitzer dafür Verständnis. Manche greifen zu rabiaten Methoden. Als Ruhlanderin und Mitglied im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ärgert es Barbara Seidl-Lampa, dass mit den gefiederten Mitbewohnern so umgegangen wird: „Es sind Nester von Schwalben zerstört worden, die sich in der Brut befanden“, grollt sie.

Das bewog die Naturschützerin dazu, die Initiative zu ergreifen. „Das Prinzip eines Schwalbenhauses ist nicht neu“, erzählt sie. Ein geeigneter Hersteller war mit der Firma Bio Clean schnell gefunden. Also musste nur noch die Finanzierung geklärt werden. Erster Anlaufpunkt, wenn es um Geld geht, ist meistens die Kommune. Da die Ruhlander Stadtverordneten dafür keine 5000 Euro ausgeben wollten, wurde dann ein Weg über den Nabu und die Landestiftung Natur und Umwelt gefunden. Dann ging es um den Standort und das Fundament. „Das Projekt findet unsere Zustimmung, aber uns fehlen die Mittel. Deshalb versuchen wir auf alternativem Weg, das Vorhaben zu unterstützen“, sagt Thomas Höntsch, Vorsitzender der Fraktion Ruhland.

Indes wurde der örtliche Bauhof mit dem Fundament beauftragt. Für Gregor Halpick vom Bauamt waren dann die Amtswege vorbehalten: „Der Standort in der Heinrich-Heine-Straße ist ideal, weil auch das Schwarzwasser in der Nähe fließt, und die Schwalben Nistmaterial finden. Da der Standort Stadteigentum ist, gibt es keine großen Probleme“, berichtet Halpick.

Die Ruhlander Schwalbenhaus-Premiere hat aber noch mehr zu bieten: „Das ist unser erstes Haus in dieser Größe. Neben den Schwalben sind auch Nistgelegenheiten für Spatzen und Stare integriert“, berichtet René Dreißig, Chef der bauausführenden Firma Bio Clean. Oder anders ausgedrückt: ein Multikulti-Haus für die gefiederten Einwohner von Ruhland. Die entsprechende „Verwaltung“ des Schwalbenhauses wird Barbara Seidl-Lampa gemeinsam mit Dr. Michael Dusche übernehmen. Schließlich sind sie fast Nachbarn vom neuen „Miethaus“ in der Heinrich-Heine-Straße.