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| 01:03 Uhr

Ein Gläschen Heurigen vom Tafelberg

Wein aus Senftenberg wird bisher nur in der gleichnamigen Partnerstadt in Niederösterreich gekeltert. Die Weinbauern aus dem Österreichischen werden sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, bald hochprozentige Konkurrenz aus Senftenberg in der Niederlausitz zu bekommen. Dass der Senftenberger Rebensaft ein ganz besonders edles Tröpfchen sein wird, davon ist der Leiter des Hanns-von-Polenz-Institutes, Prof. Erik von Grawert-May, schon heute überzeugt. Von Andrea Budich

Die Sterne für das von manchem belächelte neue Projekt des umtriebigen Professors stehen indes gar nicht mal so schlecht. Optimismus bei den künftigen Weinbauern verbreitete dieser Tage der staatliche Weinbauberater des Freistaates Sachsen, Claus Höhne. Der Experte in Sachen Weinanbau hält das Senftenberger Experiment für realistisch. Die bisher auch öffentlich angezweifelte Bodenqualität des nördlich der Kreisstadt gelegenen so genannten Tafelberges sei ausreichend und für Weinanbau durchaus geeignet. Das zügige Terrain müsse laut Gutachter lediglich durch Heckenbepflanzungen geschützt werden.
Eine ganze Liste mit möglichen winterharten Weinsorten hält Prof. Grawert-May bereits in den Händen. Nach der akademischen Sommerpause an der Fachhochschule Lausitz will er in Sachen Senftenberger Weinberg richtig Gas geben. Einen Verein von Weinbauern will er gründen. Der Südhang des Tafelberges soll nach seinen Vorstellungen in etwa zehn Quadratmeter große Parzellen aufgeteilt werden. Damit kein Vereinsmitglied die Freude und Lust am Weinanbau verliert und das Bewirtschaften auch von interessierten Senioren möglich ist. Und natürlich hat Grawert-May nicht zu tief ins Glas geschaut, wenn er nach seinem Shangrila-Hit in der Briesker Ex-Turbinenhalle schon wieder über ausgiebige Weinfeste rund um eine urige Hütte hoch oben auf dem Senftenberger Weinberg nachdenkt . . .
Und was halten die Bergbausanierer der LMBV von der verrückten Idee? „Sie gewähren den Befürwortern des Wein-Projektes eine Gnadenfrist bis zum Jahresende“ , so Sieghard Balzer, Projektleiter Südraum des Sanierungsbereiches Brandenburg. Vorerst wird der Hügel bei Senftenberg also nicht versetzt. Gründet sich bis Ende Dezember ein Verein, der einen Kaufantrag für den Berg stellt, übernimmt die LMBV die bergtechnische Sicherung des Hügels und legt Terrassen an. Das Gelände wird so aufbereitet, dass es später aus der Bergaufsicht entlassen werden kann, erklärt Balzer. Sollte bis zum Jahresende keine Entscheidung fallen, wird der Senftenberger Weinberg in spe abgetragen. Die Erdmassen werden zum Verfüllen des Tagebaurandschlauches benötigt. Doch dazu will es Prof. Grawert-May nicht kommen lassen. Mit einem „Prosit!“ auf den Senftenberger Wein schiebt er alle Bedenken beiseite.