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„Ein gigantisches Projekt“

Das gleiche Bild am Schluss der Aufführung von ausgewählten Stücken aus der Zauberflöte und des Requiems innerhalb des Mozart-Projektes in Ruhland wie zuvor in Lübben und Finsterwalde: Die über 600 Zuschauer in der vollbesetzten evangelischen Kirche applaudieren minutenlang, rufen Bravo, erheben sich von ihren Plätzen zu Standing Ovations und sind begeistert. Von Bernd Balzer

Der Opernsänger, Chorleiter, Dirigent und Initiator des Projektes, Michael Zumpe, kommt nicht um eine Zugabe herum. Noch einmal singen die über 120 Sängerinnen und Sänger aus den Chören aus Lauchhammer, Ruhland, Finsterwalde, Massen, Doberlug-Kirchhain, Vetschau, Lübben, Sacrow-Waldow, Jessern, Altdöbern, Großräschen, Schipkau und Klettwitz das Lacrymosa aus dem Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart.
"Es ist ein wirklich gigantisches Projekt. Nach der Aufführung kann man erst die Dimensionen der Arbeit, die dahinter steckt, erahnen. Es ist schon großartig", lobt der Musikpädagoge Ulli Stein das Mozart-Projekt. Und auch Lindy May, die extra, um ihre Eltern zu hören, aus München zur Aufführung angereist ist, ist voll des Lobes: "Alle Achtung! Es war wunderschön. Die Zauberflöte kannte ich schon und das Requiem als Ballett. Doch in dieser Konstellation als szenische Aufführung der Zauberflöte und mit gesungenem Requiem war der heutige Abend einzigartig schön, sehr stimmungsvoll. Hinzu kommt, dass eine Aufführung in der Kirche viel schöner ist, als im Theater."
"Der Chor - wow, war das wunderschön. Als er von der Empore gesungen hat - war das gewaltig. Es hätte nicht schöner sein können. Und der Michael Zumpe ist in seiner Rolle richtig aufgegangen." Helga Pohling ist fasziniert. Der Regisseur und Dramaturg Dieter Reuscher, viele Jahre Operndirektor in Cottbus, Eisenach und Magdeburg, spricht sogar von Wunder: "In Laienchören sind meistens 180 Frauen, 20 Bässe und drei Tenöre. So klingt es dann auch. Anders hier. Hier im Chor haben wir eine Ausgewogenheit aller Stimmen, und mit seiner gesanglichen Leistung hat der Chor heute eine Grenze erreicht. Besser geht es bei Laienchören nicht. Es war großartig." Für Dieter Reuscher war auch der 16-jährige Dirigent Robert Lillinger ein Wunder: "Wie er die Zauberflöte im Griff hatte, die Tempi gab, sich umwandte und den Chor mit einbezog - c ool und souverän. Auch habe ich eine ganz große Bewunderung für die Logistik, denn über ein halbes Jahr mussten die Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Städten und Dörfern zu den Proben zusammengeholt werden. Dass das alles reibungslos und harmonisch geschah, ist eigentlich auch ein Wunder, dass vielleicht ein bisschen mit der Musik Mozarts zu tun hat." In seinen Dankesworten an alle Chormitglieder erinnerte Michael Zumpe an den Beginn des Projektes: "In Vorbereitung auf das 160-jährige Jubiläum des Männergesangvereins 1846 Ruhland, der schon wunderschöne Erfolge verzeichnen konnte, hatten wir 2005 überlegt, mal etwas ganz Großes zu machen. Passend zum Mozartjahr kamen wir schnell auf die Zauberflöte und das Requiem."
Die ersten Proben im Ruhlander Chor waren hart. Ein bis zwei Takte waren geschafft, dann war fast immer eine Stunde vorbei. Auch traf sich beim ersten Mal am zweiten Übungsort in Lübben nur eine Handvoll Sängerinnen und Sänger. Das kann ja was werden, dachte Michael Zumpe. Doch es ging immer weiter, und der Mut ging nie verloren. Als das Mozart-Projekt in den Zeitungen publik gemacht wurde, fanden sich immer mehr Sangesfreunde zusammen, die sich mit Leidenschaft und starkem Willen der Herausforderung stellten. Drei tolle Aufführungen und wegen der großen Nachfrage auch zwei mit öffentlicher Generalprobe sind nun geschafft, die Sängerinnen und Sänger. Glücklich und eine große Gemeinschaft geworden, die auch gern weiter singen möchten. So sind schon zwei bis drei Konzerte hier in der Region und für den Juni 2007 eine Aufführung in Genf ins Auge gefasst.