| 02:44 Uhr

Ein Feld stinkt zum Himmel

Von diesem Feld bei Lauchhammer-West geht ein übler Gestank aus. Sogar das Landesamt für Landwirtschaft nimmt jetzt eine Geruchsprobe.
Von diesem Feld bei Lauchhammer-West geht ein übler Gestank aus. Sogar das Landesamt für Landwirtschaft nimmt jetzt eine Geruchsprobe. FOTO: Jan Augustin
Lauchhammer. In Lauchhammer-West weht derzeit ein übler Geruch durch die Luft. Anwohner beschweren sich zuhauf. Ursache für den Gestank ist ein Mischung aus Molke und Gülle. Jan Augustin / jag

Der Gestank in Lauchhammer-West steigt nicht nur in den Himmel, er kriecht auch empfindlich in die Nasen vieler Anwohner. Seit Tagen lüften deshalb die Bialys ihr Haus nicht mehr, lassen die Fenster ihres Eigenheimes fest verschlossen. "So schlimm war es noch nie", sagt Rico Bialy. Der 47-Jährige wohnt seit 21 Jahren am ländlich geprägten Rand von Lauchhammer. Die letzten Nächte sind für den Finanzberater ein echter Albtraum. Rico Bialy hat sich mehrfach übergeben müssen. An Gartenarbeit oder die Erholung im Grünen sei derzeit auch nicht zu denken. "20 Minuten draußen und man bekommt Kopfschmerzen", klagt er. "Und da es zurzeit kaum und in der Nacht keinen Wind gibt, erhöht sich die Konzentration der geruchsbelästigenden Stoffe in der Luft besonders", erläutert Rico Bialy. Er ruft beim Ordnungsamt der Stadt an und beim Veterinäramt des Landkreises. Der Sachverhalt ist hier bestens bekannt.

Der Sprecher des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, Stephan Hornak, spricht von einer "Vielzahl von Beschwerden", die in den letzten Tagen eingegangen sind. "Ein Landwirtschaftsunternehmen hat bestandseigene Gülle und eine Melasse-Mischung auf den Feldern ausgebracht", erklärt er die Ursache. Das Düngen mit der Melasse-Mischung haben Landkreis und Landwirtschaftsministerium dem Unternehmen nun bis auf Weiteres untersagt.

Einen "bestialischen Gestank", der von seinen Feldern ausgeht, bestätigt auch Landwirt Jantinus Benning. Neben der bestandseigenen Gülle - etwa 1200 Rinder sind aktuell in den Ställen der Benning GbR eingemietet - habe sein Unternehmen auch Molke aus Leppersdorf auf etwa 80 Hektar aufgebracht. "Das ist der Grund für den Geruch", sagt Jantinus Benning. Diese Art der Düngung habe er zum ersten Mal getestet - und wohl zum letzten. "Das sind Erfahrungswerte", sagt der Landwirt. Er habe volles Verständnis für den Ärger der Anwohner. Normalerweise hätte Benning das Material auch durch die im Juli erworbene Biogasanlage geschickt. Doch die müsse nach langem Stillstand erst einmal wieder instand gesetzt werden.

Da die originäre Zuständigkeit für den Sachverhalt nicht beim Landkreis, sondern beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung liegt, wird es mit dem Landesamt voraussichtlich Mitte dieser Woche zur weiteren Klärung des Sachverhaltes einen Termin geben, stellt Kreissprecher Stephan Hornak in Aussicht.

Die Lauchhammeraner sehnen indes ein schnelles Ende der Geruchsbelästigung herbei. Auch Rico Bialy will sein Grundstück wieder ohne Würgereize nutzen können. Vor allem aber hofft er auf eine Nacht, in der er endlich wieder das Fenster öffnen kann.

Zum Thema:
Molke ist die wässrige, grünlich-gelbe Restflüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht. Sie ist der flüssige Teil, der nach der Gerinnung der Milch zu Käse oder Quark abgesondert werden kann. In der Landwirtschaft wird Molke hauptsächlich in der Schweinezucht verwendet, vor allem als Molkepulver. Viele Käsereien arbeiten daher eng mit Schweinemästereien zusammen. Molke wird aber auch als Dünger verwendet. Im Unterschied dazu ist Melasse ein zäher, dunkelbrauner Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr, Zuckerrüben und auch aus Zuckerhirse anfällt. Der größte Teil der Melasse wird in der Landwirtschaft als direktes Futtermittel sowie für Futterpellets genutzt. Zudem wird sie als zuckerhaltiger Sirup auf vielfältige Weise im Bereich der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt und stellt einen wichtigen Fermentationsrohstoff im Bereich der Biotechnologie dar. Als Restprodukt der Melasse-Vergärung entsteht die Vinasse, die zur Eiweißanreicherung in Futtermitteln oder zur Düngung eingesetzt werden kann. (jag)